1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Remscheid: Solidarität soll Handel vor Pleite retten

Werbekampagne in Remscheid : Solidarität soll Handel vor Pleite retten

Mit einer Werbekampage „Kaufe und genieße lokal“ hilft die Stadt Remscheid den Einzelhändlern und Gastronomen im Corona-Existenzkampf.

Zwei Busse der Remscheider Stadtwerke tragen in den nächsten acht Wochen auf der Rückseite Werbung für Remscheid als Einkaufsstadt und Stadt der Restaurants. „Kaufe und genieße lokal“ steht auf den Werbeflächen in Magenta und hellem Blaugrün. Die Werbekampagne der Wirtschaftsförderung in Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing will den Einzelhändlern und Gastronomen vor Ort helfen, die Krise zu überstehen. Denn viele Geschäfte und Gaststätten kämpfen um ihre Existenz. „Wenn ich nur noch im Internet bestelle, ist bald kein Geschäft mehr da“, sagte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz. Und Ingo Lückgen von der Wirtschaftsförderung ergänzte: „Je weniger Händler scheitern, desto besser für die Zeit nach der Krise.“

Die Rückseite der Busse gehört zu den begehrten Flächen für Werbung. Wer als Autofahrer hinter dem Bus hängt, kann sich diesem Werbeblock nicht entziehen. Zusätzlich zu dieser rollenden Kampagne stehen in der Innenstadt, in Lennep und Lüttringhausen Schilder, die die Bürger ermutigen sollen, das Angebot des Einzelhandels und der Gastronomie vor Ort besser zu nutzen. „Die Menschen stimmen mit den Füßen ab, wie es nach der Krise aussieht“, betonte Stadtwerke-Chef Thomas Hoffmann. Jeder könne seinen Beitrag zum Erhalt der Innenstädte leisten.

Das gilt auch für den Besuch in den gastronomischen Betrieben. OB Mast-Weisz bezeichnete sie dank der ausgefeilten Hygienekonzepte als sichere Orte. Besser könne man kontrolliert in einer Gaststätte feiern als unkontrolliert in großen Gruppen zu Hause. Er verstehe, dass vielen die Situation schizophren vorkomme. Es sei aber kein Widerspruch, einerseits Menschenmassen zu meiden und sich vor Corona zu schützen und andererseits vor Ort in den Remscheider Lokalen essen oder einkaufen zu gehen. In Remscheid gebe es alles, was man brauche und ein Restaurantangebot von hoher Qualität.

Die steigenden Corona-Zahlen und die neuen Einschränkungen in der Gastronomie verschärfen die schwierige Lage vor Ort weiter. Mit einem Umsatzverlust von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sind die Restaurantbesitzer nach dem ersten Lockdown im April gestartet. Während der Sommermonate haben sich nur wenige Anbieter wieder erholt. Das große Weihnachtsgeschäft haben die Gastronomen abgeschrieben. Die Firmen können nicht ihre Mitarbeiter einerseits in Home-Office schicken und andererseits zur Weihnachtsfeier einladen. Zudem verhindern die neuen Bestimmungen größere Feste in einem Lokal. Mitte des Jahres hatte Markus Kärst 15 Weihnachtsfeiern in seinem Kalender stehen. Inzwischen sind alle abgesagt. Anderen Gastronomen wird es nicht anders ergehen. Im Juni startete die Stadt gemeinsam mit Vertretern der Gastronomie und Einzelhändler einen Appell an die Bürger, ihre Lokale und Geschäfte nicht im Stich zu lassen. Die aufwendige Kampagne ist eine Fortsetzung dieses Appells.

„Wir befinden uns in einer Umbruchsituation“, sagte Mast-Weisz. Die Werbekampagne soll den Bürgern vermitteln, welche Folgen es hat, wenn zu wenig in der Stadt eingekauft wird. Um diese Perspektive zu unterstützen, hängen in den Bussen jede Menge Flyer, mit Hinweisen und Links. 20.000 Euro gibt die Stadt für diese Hilfsaktion aus. Das Geld kann sie ausgeben, weil in diesem Jahr die Kosten für den Auftritt bei der Expo Real in München nicht anfallen. Die Messe wurde abgesagt.