Müngstener Brücke Skywalk-Gutachten lässt wenig Optimismus zu

Remscheid · Keine der Varianten für einen Weg auf die Müngstener Brücke hat sich laut Gutachten als empfehlenswert erwiesen. Ein Rückschlag in dem Bestreben, die Brücke begehbar zu machen.

Die Müngstener Brücke verbindet Remscheid und Solingen per Schiene.

Die Müngstener Brücke verbindet Remscheid und Solingen per Schiene.

Foto: Peter Meuter

Lang ersehnt und doch ernüchternd: Die zwei Gutachten für den Skywalk der Müngstener Brücke wurden am Dienstag den Mitgliedern des Bauausschusses vorgelegt. Bereits im Voraus war bekannt geworden, dass keine der drei Varianten für den Fußgängerweg uneingeschränkt zu empfehlen war. Ausgerechnet die Variante des Baumwipfelpfads, die laut Gutachterbüro „Planinghaus“ die Eignung der Brücke als Welterbe am wenigsten negativ beeinflussen würde, ist laut Flora-Fauna-Habitat-Gutachten (FFH) nicht empfehlenswert.

Entsprechend enttäuscht zeigten sich die Ausschussmitglieder, die sich von dem langwierigen Verfahren wohl erfreulichere Ergebnisse erhofft hatten. York Edelhoff (SPD): „Ich hatte die Hoffnung, dass in dieser Untersuchung aufgezeigt wird, wie man den Skywalk verwirklichen kann, am besten mit wenigen Mitteln. Aber das ist ganz offensichtlich nicht der Fall.“

Frank vom Scheidt (Grüne) zeigte sich vor allem besorgt über den laut Gutachten inhärenten Konflikt zwischen dem Umweltschutz und der Chancenverbesserung auf den Titel UNESCO-Welterbe. Auch wie es jetzt weitergehen soll, sei jetzt noch unsicher. „Kann man jetzt absehen, wie lange dieses Verfahren noch dauert? Haben wir da nun eine Zeitperspektive von zwei, fünf oder eher zehn Jahren?“ Aus der Vorlage werde deutlich: Die Absicht, die Brücke als Verkehrsweg zu erschließen, kollidiere mit dem Bestreben, die Brücke als Welterbe auszeichnen zu lassen. Er bohrte zudem nach: „Zuerst hieß es, wir wollten sogar einen Radweg installieren. Davon war in dem Gutachten nun nicht mehr die Rede. Daher die Frage: Was ist denn aus dem Radweg geworden?“

Tobias Brützel (W.i.R.) hatte eine völlig andere Frage und empfand das Gutachten als zu ausführlich, wenn nicht sogar an der Aufgabenstellung vorbeigedacht. Denn bereits im vorderen Teil des Gutachtens wird schnell deutlich: Ob die Müngstener Brücke als „öffentlicher, nicht kontrollierter Fuß- und Fahrrad-Überweg“ genutzt werden kann, hatten die Gutachter erst gar nicht „vertiefend betrachtet, weil die hierfür erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen sowie die Vorkehrungen für den Suizidschutz absehbar zu erheblichen Veränderungen an der Brücke führen würden“. Das würde laut Gutachten unweigerlich dazu führen, dass die Chancen bei der Bewerbung auf das Welterbe sinken und ist damit sofort verworfen worden. Aber genau das – der Fahrrad- und Fußgängerweg – seien immerhin die Gegenstände der ursprünglichen Aufgabenstellung gewesen, so Brützel. „An der Stelle hätte das Gutachten doch eigentlich zu Ende sein müssen. Entweder hat der Rat die Aufgabe schlecht formuliert oder sie haben freiwillig weitergearbeitet“, richtete er den Vertretern des Baudezernats aus.

Baudezernent Peter Heinze sah das etwas anders und hielt dagegen, dass das Gutachten nicht den Anspruch gehabt habe, einen frei zugänglichen Rad- und Fußgängerweg zu prüfen. „Wir wollten uns erst einmal auf die Frage fokussieren: Wie kommt man überhaupt auf die Brücke rauf?“

Dass nun ausgerechnet die Variante „Baumwipfelpfad“ – die sich sogar an UNESCO-Vorgaben orientiere – nicht den Kriterien des Gutachtens zur Naturverträglichkeit entspreche, sei „nicht zu erwarten“ gewesen, so Heinze weiter: „Wir haben jetzt ehrlich gesagt auch keine Lösung, wie das jetzt umzusetzen ist.“ Er wird noch einmal ganz deutlich: „Die Aussagen des Gutachtens sind eindeutig sehr konservativ und machen deutlich, dass es kaum möglich ist, dieses Vorhaben umzusetzen.“ Immerhin: Das Gutachten könne zumindest als Grundlage dienen für Ideen, wie man eine Erreichbarkeit der Brücke gewährleistet. Ohne Kompromisse wird das Vorhaben aber nach aktuellem Stand nicht machbar sein.

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