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Remscheid: Sechsmal so kalt wie am Nordpol

Kältekammer in Remscheid : Sechsmal so kalt wie am Nordpol

Ralf Mantei hat an der Alleestraße in Remscheid die erste Kältesauna der Stadt eröffnet. Minustemperaturen von 150 Grad sollen der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Kunden auf die Sprünge helfen.

Kein Wind, kein Frost, kein Schneefall: Als Fitnesstrainer Denis Odabasi die Behandlung am Bildschirm startet, ist nur ein leises Zischen zu hören, dann steigt etwas Nebel auf und in dem Gesicht des Kunden macht sich ein überraschtes Lächeln breit.

Aus den Düsen in der Kältekammer strömt gasförmiger, eiskalter Stichstoff. „Auf die Haut wirken Temperaturen von bis zu minus 150 Grad ein“, erzählt Denis Odabasi, während er den Bildschirm genau im Blick behält.

Der Stickstoff strömt aus den großen Behältern im Nebenraum in die Kältekammer und nur das gelegentliche Zischen erinnert daran, was eigentlich hinter den Wänden der Kapsel geschieht. Das Gesicht guckt über den Rand der Kammer hinaus und die Augen der Kunden sind interessiert auf den großen Bildschirm gerichtet, der aktuell über Temperaturen in der Kammer und den Zeitablauf informiert.

„Im Grunde stellen wir die Sauna auf den Kopf“, sagt Odabasi. Vieles sei in der Kältesauna vergleichbar mit der klassischen Sauna. So müssen Kunden vor der Nutzung der Kältekammer ebenfalls ihre Kleidung ablegen. „Wir empfehlen Unterwäsche, Badeanzug oder kurze Shorts“, sagt Hanna Mantei, die die Kunden gemeinsam mit dem Fitnesstrainer empfängt.

Und weil die beiden um die Empfindlichkeit von Händen und Füßen wissen, überreichen sie den Kunden vor dem Gang in die Umkleidekabine erst einmal Handschuhe und dicke Socken. Gut geschützt stellen sich die Kunden dann den Minustemperaturen.

„Der Körper empfindet die Kälte nicht als unangenehm, weil sie sehr trocken ist“, sagt Denis Odabasi, „da ist ein Schnee-Spaziergang im T-Shirt viel unangenehmer.“

Und tatsächlich: Die meisten Kunden strahlen über das ganze Gesicht, während der eiskalte Stickstoff über ihre Haut wandert. Nach drei Minuten öffnet der Fitnesstrainer die Kältekammer wieder. Drei Minuten bei minus 150 Grad. „Den Rest des Tages verbringen die Leute meistens in absoluter Euphorie“, sagt der Fitnesstrainer.

Und genau diese Erfahrung hat auch Ralf Mantei gemacht, als er vor zwei Jahren zum ersten Mal in einer Kältesauna stand. „Ich hatte eine Tennisverletzung am Meniskus, die nicht richtig ausheilte“, erzählt der gelernte Anästhesie- und Intensivfachkrankenpfleger.

Und als alle Reha-Maßnahmen nicht halfen, recherchierte er selbst und entdeckte Videos von Fußballprofi Per Mertesacker im Eisbad und Videos von Christiano Ronaldo in der Kältekammer. „Ich wollte das auch ausprobieren“, sagt Ralf Mantei.

Zwei Jahre später hat er an der Alleestraße in der Remscheider Innenstadt nun selbst eine Kältesauna eröffnet. Er habe für sich die Erfahrung gemacht, dass die Kälte gleich auf mehrere Weisen wirke: Vor allem helfe sie dem Körper beim Regenerieren.

„Ich gehe da jedes Mal mit neuer Energie raus“, sagt Ralf Mantei. Gesundheit und Wellness habe er gleichermaßen in der Kältekammer gefunden. Und das lasse sich auch anatomisch schnell erklären, ergänzt Ralf Mantei, der vor rund
20 Jahren den Pflegedienst 365° gründete.

Die Haut sei eines der größten Organe und wenn die Kälte auf sie einwirke, reagiere der Körper sofort auf diesen Stress. „Er aktiviert enorme eigene Wirkstoffe“, sagt Mantei. Durchblutung, Hormonausschüttungen und Kollagenproduktion würden gegen Rheuma, Gelenkschmerzen und Cellulite arbeiten, Migräne und Schlaflosigkeit werde entgegengewirkt, 700 Kalorien würden verbrannt und die Regeneration nach Sport oder Verletzung beschleunigt.

„Bei der Installation der Kältesauna in Remscheid habe ich an unsere Patienten ebenso wie an unsere Mitarbeiter beim Pflegedienst gedacht“, sagt Ralf Mantei. Inzwischen gehe er selbst dreimal in der Woche in die Kältesaune und er arbeite an einem Konzept zur Kältetherapie, um das Verfahren auch medizinisch nutzen zu können – bisher bleiben Kunden nämlich auf ihren Kosten von 39 Euro pro Einzelanwendung sitzen, mit einem Therapie-Konzept könne die Krankenkasse dann allerdings an den Kosten beteiligt werden.