Remscheid: Schweres Gerät hilft dem Wald

Remscheider Forstgebiete : Schweres Gerät hilft dem Wald

Der Borkenkäfer wütet in diesem Jahr besonders heftig. Befallene Bäume sind nicht mehr zu retten. Auch Stürme haben dem Wald zugesetzt. Um Schadensbegrenzung zu betreiben, ist ein ein Harvester im Einsatz.

Wenn riesige Maschinen im Wald wüten, Bäume fällen, entasten und zerkleinern, ruft das bei den meisten zunächst ein düsteres Bild hervor. So ein Bild spielte sich die vergangenen Tage auch in den Remscheider Forstgebieten ab. Allerdings nicht, um den Wald zu zerstören. Im Gegenteil. „Wenn wir den Wald retten wollen, brauchen wir Maschinen“, erklärt Karim Barkouni beim Ortstermin im Lenneper Stadtwald. Der Forstwirt der Technischen Betriebe Remscheid (TBR) schätzt die Lage als „dramatisch“ ein.

Wurzel allen Übels: der Borkenkäfer. Der ist ein normaler Forstschädling, in diesem Jahr wütet er besonders heftig. „Befallene Bäume sind nicht mehr zu retten“, bedauert Barkouni. Um Schadensbegrenzung zu betreiben, ist seit kurz vor Ostern ein Harvester im Einsatz. Die 20 Tonnen schwere Maschine schafft es, am Tag bis zu 200 Bäume abzusägen, von Ästen zu befreien und zu zerteilen.

Der Mann an den Hebeln ist Thomas Ritschel vom Forstbetrieb Ritschel aus Kürten. Seit 15 Jahren kommt er nach Remscheid, um die Förster mit schwerem Gerät zu unterstützen. Sein Harvester ist für den Laien ein technisches Wunderwerk. Der Greifer ist so ausgestattet, dass er Länge und Durchmesser des Baumes direkt ausmisst und die Zahlen auf einen Bildschirm im Führerhaus überträgt. Die Walzen ziehen etwa fünf Meter Baum pro Sekunde durch. Damit die Maschine nicht ziellos durch den Forst fährt, leisten die Förster Vorarbeiten. Sogenannte Rückegassen mit einer Breite von vier Metern sind dauerhaft angelegt und mit Pfeilen markiert. „Da passt der Harvester durch“, versichert Forstwirt Barkouni. Thomas Ritschel bewegt sich mit seiner Maschine geschmeidig durch die Lücken. Gerade beim Borkenkäfer-Befall sei Schnelligkeit gefragt, sagt Barkouni. Da schaffe der Harvester einfach mehr als der Mensch mit der Motorsäge.

Dass die Schädlinge in diesem Jahr besonders aktiv sind, liegt vor allem an dem heißen und trockenen Sommer 2018. Durch die Wärme und die Trockenheit sei die Käfer-Sterblichkeit extrem gering. Das bedeute, dass die Weibchen mitunter eine dritte Generation Eier legen können, die sich in den Fichten einnisten und entwickeln. Die Borkenkäfer bohren sich in die Fichtenrinden, legen einen Muttergang an und dort Eier ab. „Wir rechnen damit, dass dieses Jahr 5000 Bäume gefällt werden müssen“, sagt Barkouni. Schaden genommen haben Remscheids Wälder nicht nur durch die Käferinvasion. Die Stürme Franz und Eberhard haben Mitte März Schäden in NRW hinterlassen, auch in Remscheid. Um diese zu beseitigen, wird der Harvester ebenfalls eingesetzt. Mindestens bis Ende dieser Woche ist Ritschel mit der Waldrettung beschäftigt. Während sich der Harvester mehr als Retter denn als Zerstörer entpuppt, kann Barkouni den Remscheidern ein Szenario angesichts der Borkenkäferplage nicht ersparen: „Im schlimmsten Fall gibt es im Bergischen bald keine Fichten mehr.“

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