Sauberkeit und Vandalismus an Remscheider Schulen Warum das WC im Allee-Center für Schüler zur Ausweich-Toilette wird

Remscheid · Der schlechte Zustand vieler Schultoiletten war Thema beim gut besuchten Bildungsgipfel der CDU. Lehrer und Politik wünschen sich von der Stadt mehr Investitionen in die WC-Anlagen.

Alexander Schmidt (2vl) richtet beim Bildungsdialog eine Frage an Dezernent Thomas Neuhaus (l.)  Foto: Jürgen Moll

Alexander Schmidt (2vl) richtet beim Bildungsdialog eine Frage an Dezernent Thomas Neuhaus (l.) Foto: Jürgen Moll

Foto: Jürgen Moll

Wenn Schüler der Grundschule Dörpfeld nach dem Unterricht mit Bauchschmerzen nach Hause kommen, muss das nicht zwangsläufig mit zu viel genaschten Süßigkeiten zu tun haben. Beim gut besuchten „Bildungsdialog“, zu dem die CDU-Ratsfraktion Eltern, Lehrer und Politiker am Montagabend in die Black Box im Lenneper Röntgen-Museum geladen hatte, berichtete eine Mutter, dass die Kinder sich oft während des Schultags aus Ekel den Gang zur Schultoilette verkneifen. „Es stinkt dort“ brachte die Mutter den Grund kurz und knapp auf den Punkt. An der Albert-Einstein-Gesamtschule in der Innenstadt sei die Situation nicht besser, berichtete eine andere Mutter. Die Schüler dort nähmen lieber den Fußweg ins Allee-Center für den Toilettengang in Kauf, als die Schul-WCs zu nutzen.

Alexander Schmidt, schulpolitischer Sprecher der CDU, wundert das nicht. „Es kann nur eklig sein, wenn man den ganzen Tag nicht putzt“, sagte Schmidt und brachte damit eine wesentliche Forderung der CDU zur Sprache. Geht es nach der zweitgrößten Ratsfraktion, muss die Stadt dafür sorgen, dass die Schultoiletten nicht erst am Abend nach dem Ende des Unterrichts, sondern auch tagsüber gereinigt werden. Die Stadt Düsseldorf mache mit diesem Modell gerade gute Erfahrungen. Eine saubere Toilette, so seine Überzeugung, verhindere auch, dass Schüler – vor allem an den weiterführenden Schulen – ihren Frust im Schulklo abreagieren, indem sie dort Türen eintreten oder die Toilettenschüssel mit Klopapier verstopfen.

„Die Schüler sollen spüren, dass die Stadt investiert“, sagte Thorsten Schmalt, Schulleiter an der Albert-Schweitzer-Realschule in Lennep. Damit bekämen sie das Signal „wir sind es der Stadt wert“. Ähnlich argumentierte Mathias Heidtmann, Lehrer an der Sekundarschule Nelson-Mandela. „Wir sollten versuchen, es so schön zu machen, wie es geht.“ Das stifte Identität und verhindere Vandalismus.

Dass diese Gleichung nicht immer aufgeht, sagte Schuldezernent Thomas Neuhaus (Grüne), der an diesem Abend die Stadtverwaltung vertrat. In der mit Abstand modernsten Schule der Stadt, dem 2022 eröfffneten Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung am Hauptbahnhof, hätten Schüler kurz nach dem Einzug in den millionenschweren Neubau Schäden von insgesamt 16.000 Euro angerichtet. Man müsse das Thema in der Schule auch pädagogisch angehen. Dass die Hygiene in den Toiletten nicht immer optimal sei, habe auch mit dem zum Teil hohen Alter der Schulgebäude zu tun, sagte Neuhaus. Es sei schwer, die Fugen der meist gefliesten Räume komplett von Urinrückständen zu befreien. Mit dem Investitionsprogramm „Gute Schule 2020“ des Landes NRW sei viel Geld in die Sanierung der Toiletten geflossen. Den Sanierungsstau, der zu diesem Zeitpunkt herrschte, habe man allerdings mit den Landesgeldern nicht komplett abarbeiten können. Als Nothaushaltskommune habe Remscheid fast 25 Jahre lang kaum Geld investieren dürfen.

Auf wenig Gegenliebe stößt bei Eltern und Lehrern der Antrag der Ampel-Mehrheit im Rat, in Remscheid das so genannte Hamburger Modell zu etablieren. Das sieht unter anderem vor, dass Kooperationen mit örtlichen Handwerkern geschlossen werden. Schulen sollen eine Handreichung erhalten, um zusammen mit Schülern Ideen für Sanierungen und Reparaturen zu entwickeln. So sollen Eigenleistungen unter Anleitung der Handwerker möglich werden. Damit soll die Identifikation gefördert und Sachbeschädigungen verhindert werden.

Der Eingangsbereich der Albert-Einstein-Gesamtschule.  Foto: Henning Röser

Der Eingangsbereich der Albert-Einstein-Gesamtschule. Foto: Henning Röser

Foto: Röser, Henning/Henning Röser

Dass sich Lehrer, die mit immer neuen Aufgaben betraut werden, auch noch um Reparaturen kümmern sollen, hält Elisabeth Schnocks, stellvertretende Vorsitzende des Bezirkspersonalrats für Lehrer und Lehrerinnen an Gymnasien und Weiterbildungskollegs, für nicht zumutbar.