Remscheider vor Gericht Sat.1-Kameramann attackiert – Prozess hat begonnen

Remscheid · Zwei Männer sollen ein Sat.1-Team auf dem Gelände eines Autohauses in Wuppertal angegriffen haben. Im Frühjahr war der Prozess „geplatzt“.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Foto: dpa/Volker Hartmann

Nachdem der Prozess im Frühjahr kurz vor der Urteilsverkündung „geplatzt“ war, stehen ein Remscheider und der ebenfalls wegen Körperverletzung angeklagte Mittäter aus Gelsenkirchen nun erneut vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, im Oktober 2018 ein Sat.1-Team auf dem Gelände eines Autohauses in Wuppertal attackiert zu haben.

Bereits der erste Verhandlungstag begann mit einem Eklat: Der Richter verhängte einen Haftbefehl gegen die Angeklagten, weil sie zum Prozessbeginn nicht pünktlich im Saal waren. Auch die Verteidiger fehlten – und die holten später zum Gegenschlag aus: Ihnen sei gesagt worden, dass der Prozess später beginnen würde, weil sich eine Schöffin verspäten würde. Am Ende wurde der Haftbefehl aufgehoben, die aufgeheizte Stimmung aber blieb. Ein stetiges verbales Gerangel der Verteidigung in Richtung des Vorsitzenden hatte auch schon die Verhandlungstage im Frühjahr geprägt. Nun scheint es also in diesem Stile weiterzugehen.

Laut Anklageschrift soll sich das Recherche-Team in einem Autohaus in Wuppertal vorgestellt und zwei Mitarbeiter darum gebeten haben, mit dem Inhaber sprechen zu dürfen. Noch während des Versuches, den Chef zu erreichen, soll der ebenfalls dort tätige Angeklagte aus Remscheid dem Kameramann verboten haben, Aufnahmen zu machen. Der mittlerweile 33-Jährige soll das Sat.1-Team aus den Geschäftsräumen gedrängt haben. Nachdem sich die Redakteurin und ihre beiden Kollegen zurückgezogen hatten, soll der Angeklagte den Kameramann im Hof auf die Motorhaube eines zum Verkauf angebotenen Pkw gedrückt und versucht haben, ihm die Kamera zu entreißen. Das soll auch der nun mitangeklagte Gelsenkirchener versucht haben, beide sollen auf die Kamera eingeschlagen haben.

Den Angeklagten soll es zunächst nur gelungen sein, die Schutzhülle herunterzureißen. Kurz darauf sollen sie dem Kameramann mehrfach in den Genitalbereich und in den Unterleib getreten haben. Das Opfer soll auch am Arm und am Kopf verletzt worden sein. Rettungskräfte hatten den 50-Jährigen in eine Klinik gebracht, dort wurden unter anderem eine Fraktur des Mittelhandknochens und Prellungen diagnostiziert.

Aufgrund einer Posttraumatischen Belastungsstörung hatte der Mann eine depressive Episode erlitten und ist seitdem nicht mehr arbeitsfähig. Er wurde auch diesmal per Videokonferenz vernommen, die Verteidiger hatten das schon bei dem Prozess im Frühjahr bemängelt. Dem Gericht hatten sie ein Video der Überwachungskamera des Autohauses zur Verfügung gestellt: Das auf den bereits am Boden liegenden Kameramann eingetreten worden sein soll, war darauf nicht zu sehen. Das hatte die Sat.1-Redakteurin bei der Polizei und auch im ersten Prozess im Frühjahr so ausgesagt. Gegen die Frau läuft mittlerweile ein Verfahren wegen Falschaussage, das wiederum hat sie erst kurz vor ihrer Zeugenvernehmung im Gerichtssaal erfahren und ihre Aussage daraufhin verweigert.

Das Opfer selbst kann sich an vermeintliche Schläge und Tritte am Boden nicht mehr erinnern. Das Gericht hatte schon damals eingeräumt, dass die schweren psychischen Folgen für den Kameramann nicht erklärbar seien durch das, was die Überwachungskamera mitgeschnitten hatte.