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Remscheid: Rückkehr in homöopathischen Dosen

Corona-Krise in Remscheid : Rückkehr in homöopathischen Dosen

Mit Tulpen begrüßten die Geschäftsleute die Besucher der Lenneper Altstadt. Für den Anfang schienen viele zufrieden zu sein.

Am Sonntagabend beschlich Anke Wehner ein leichtes Gefühl von Nervosität. „Ich war so gespannt, wie es sein wird, nach fast fünf Wochen wieder zu öffnen“, erzählt die Inhaberin des Juweliergeschäfts an der Kölner Straße in Lennep. Für den Neustart hat sie sich gründlich vorbereitet. Am Eingang weist ein Schild darauf hin, dass nur eine Person ihr Geschäft betreten darf. Eine Flasche mit Desinfektionsmittel steht im Eingangsbereich und ein Spuckschutz vor ihrer Kasse.

Anke Wehner trägt eine Maske. „Das ist mir sehr wichtig“, sagt sie. Für ihre Kunden bieten sie auch Masken an, das Stück für einen Euro. Ihr wäre es recht, wenn es ein Pflicht gebe, beim Einkaufen und im Bus Masken zu tragen. „Die Kunden sind sehr verständnisvoll und freundlich“, sagt Wehner. Als sie gestern morgen um neun Uhr aufschloss, ging es bei ihr Schlag auf Schlag. Keine Einnahmen, laufende Betriebskosten. Corona bedeutet für sie fünf Wochen Totalausfall. Sie lobt die Soforthilfen des Bundes. Nach der Antragstellung habe sie einen Tag später die Bewilligung erhalten und vier Tage später das Geld auf dem Konto gehabt. „Die machen einen guten Job“, sagt Wehner. Und wie geht es weiter? Das wisse sie nicht. Sie schaue von Woche zu Woche, mit Zuversicht.

„Wir freuen uns auf sie“, „Geöffnet“, „Bitte Abstand halten“ „Zutritt nur für zwei Personen“ „Bitte einzeln eintreten“ – auf den Start nach der langen Zeit der Schließung machen viele Geschäfte in der Lenneper Altstadt unterschiedlich auf sich aufmerksam. In einigen Läden gibt es gelbe und rote Tulpen als Willkommensgruß. Einige Händler haben aber weiterhin geschlossen. Die Informationszettel an den Eingangstüren sind gut einen Monat alt. Haben sie nicht überlebt? Können sie nicht mehr öffnen? Sind die Inhaber erkrankt? Das uneinheitliche Bild wirft sorgenvolle Fragen auf.

Montags hat die Altstadtgalerie Wroblowski normalerweise geschlossen. Aber da in diesen Zeiten nichts mehr normal ist, hat Gerd Wroblowski die Verkaufsräume geöffnet. Die karge Zeit hat er mit Rahmungen und Aufräumarbeiten verbracht. Galerien zählen nicht zu den Publikumsmagneten. Der Verkauf lebt vom persönlichen Kontakt und der direkten Wahrnehmung des Bildes. „Ich bin froh, dass es wieder los geht“, sagt Gerd Wroblowski.

Das ist auch Britta Frede. Sie und ihre Mitarbeiterinnen der Buchhandlung Schmitz hat ihr Arbeitgeber in Kurzarbeit geschickt. Finanziell bekommt die Buchhändlerin die Krise im eigenen Portemonnaie zu spüren. Über Online-Bestellungen ließen sich zwar Bücher verkaufen, aber das wiege die Verluste bei weitem nicht auf. Die Kunden, die gestern in den Laden an der Wetterauer Straße kamen, freuten sich, ein Buch in die Hand zu nehmen, zu stöbern, sich beraten zu lassen. Für ein paar Augenblicke war es fast wieder so wie in den Zeiten vor Corona. Plexiglasscheiben, eine Gitterabsperrung am Computer, wo die Bestellungen aufgenommen werden und die Beschränkung auf sechs Kunden, obwohl 16 mit Personal erlaubt sind, zeigen aber deutlich, dass die Rückkehr zu einem normalen Geschäftsalltag nur in homöopathischen Dosen vonstatten geht.

Nicole Hof verkauft in der „Schatzkiste“ Spielsachen, Schulranzen, Kinderkleidung und vieles mehr. „Ich hatte gut zu tun“, sagt Hof. Jedenfalls am frühen Vormittag. Mittags stand sie alleine im Laden. Wie früher. „Aber das ist eben Lennep“, sagt sie und lächelt.