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Remscheid: Rätselhafter Verkehrsunfall am Hasenberg

Remscheider vor Gericht : Rätselhafter Verkehrsunfall am Hasenberg

Mit verschlossenen Gesichtern saßen die beiden 25- und 26-jährigen Angeklagten hinter ihren Anwälten und wollten abwarten – es gab keine Einlassungen zum rätselhaften Verkehrsunfall am Hasenberg, Einmündung Julius-Cäsar-Straße in den Talsperrenweg.

Der hatte sich bereits am Dreikönigstag 2018 ereignet. Hier gilt die Rechts-vor-links-Regelung, das missachtete ein Leverkusener mit einem Leihwagen und fuhr ungebremst dem einbiegenden BMW eines Lennepers in die Seite.

Für die zur Unfallaufnahme herbeigerufenen Polizisten eigentlich ein Routinejob, hätten nicht einige ungewöhnliche Begleiterscheinungen das Misstrauen geweckt. Vor Gericht wurde aufgezählt: Beim Eintreffen war die Unfallstelle schon geräumt, die Unfallfahrzeuge standen 50 Meter weiter säuberlich geparkt. Die Fahrer unterhielten sich seltsam vertraut, waren beide überhaupt nicht aufgeregt oder im Streit, stritten aber ab, einander zu kennen. Beim Rechtsabbiegen – obwohl er in die Emil-Nohl-Straße wollte – soll der BMW fast die ganze Straßenbreite versperrt haben, vom Golf gab es weder Brems- noch Ausweichspuren.

Das Nobelauto passte nicht zum Fahrer, einem Maschineneinrichter mit überschaubarem Einkommen, und im Leihwagenvertrag des Unfallverursachers war jede Haftung für den Mieter ausgeschlossen. Zwar gab es nur eine kurze Unfallaufnahme, intern lief der Vorgang aber zu einer Abteilung, die sich mit vorgetäuschten Unfällen befasst.

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Teure Vorschäden beim hoch bewerteten BMW? In dem privaten Sachverständigen-Gutachten, das zur Zahlung des Schadens bei der Versicherung vorgelegt wurde, war davon keine Rede. Ein von der Versicherung beauftragter Gutachter erkannte dagegen nicht behobene Vorschäden in Höhe von 11.000 Euro. Genauso hoch war auch die Schadensforderung aus dem Unfall, die der seit drei Wochen frischgebackene Besitzer des BMW von der Versicherung der Leihwagenfirma gefordert hatte.

Die weigerte sich zu zahlen, der Remscheider wollte die Summe vor Gericht einklagen, verlor und trat damit erst recht eine Lawine los – der Staatsanwalt klagte beide Fahrer wegen versuchten gemeinschaftlichen Betrugs durch einen vorsätzlichen Unfall an. Das Amtsgericht verurteilte, exakt drei Jahre nach dem Unfall, die beiden zu hohen Geldstrafen, 5400 Euro für den Golf-Fahrer, 9000 Euro für den BMW-Fahrer, der bereits zwei Wochen nach dem Unfall sein Auto unrepariert weiterverkauft hatte.

In der Berufung hoffen jetzt beide auf eine Minderung der Geldstrafen. Argumente dafür sind noch nicht zu sehen.