Ärzte in Remscheid verletzt Prozess um Messer-Attacke im Tannenhof startet

Remscheid/Wuppertal · Nachdem im Dezember vergangenen Jahres eine Patientin der Tannenhof-Klinik zwei Ärzte mit einem Messer attackierte, startet nun das Sicherungsverfahren am Landgericht Wuppertal.

 Die Stiftung Tannenhof ist ein Krankenhaus für Psychiatrie.

Die Stiftung Tannenhof ist ein Krankenhaus für Psychiatrie.

Foto: Jürgen Moll

Im Dezember 2023 hatte eine Patientin der Tannenhof-Klinik eine Ärztin und einen Arzt mit einem Messer angegriffen. Gleich nach der Tat war Verdacht aufgekommen, dass sich die Frau im Zustand einer Psychose befunden haben könnte. Ein Gutachter hatte die 62-Jährige kurz nach dem Übergriff untersucht und offenbar festgestellt, dass die Remscheiderin aufgrund einer krankhaften seelischen Störung schuldunfähig ist. Am Wuppertaler Landgericht beginnt nun der Prozess, der wegen ebenjener Schuldunfähigkeit als sogenanntes Sicherungsverfahren geführt wird. Die Kammer hat drei Verhandlungstage festgesetzt, am 11. Juni soll das Urteil verkündet werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau zweifachen versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor, die 62-Jährige soll dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Zur Tatzeit am 5. Dezember 2023 befand sich die Remscheiderin als Patientin im Tannenhof, als sie dort eine Ärztin und einen Arzt angegriffen haben soll. Anfangs war noch von einem „spitzen Gegenstand“ die Rede, mittlerweile ist klar, dass es sich um ein Messer gehandelt haben soll. „Die Person befand sich in einem Gespräch mit der ärztlichen Leitung, als sich der Vorfall ereignete“, hatte der kaufmännische Leiter der Klinik, Dietmar Volk, kurz nach der Tat eingeräumt.

In der Anklageschrift ist zu lesen, dass die Patientin bei dem Arztgespräch ein Messer bei sich gehabt haben soll, dass in einem Wollhandschuh versteckt gewesen sei. Unvermittelt soll sie sich damit auf den Arzt gestürzt und zweimal auf den Mediziner eingestochen haben. Als die ebenfalls anwesende, behandelnde Ärztin dazwischen gegangen sei, soll die Beschuldigte auch auf diese eingestochen haben. „Die beiden Ärzte erlitten gravierende Stichverletzungen im Brustbereich“, so Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt. Beide mussten medizinisch versorgt werden, Lebensgefahr habe aber nicht bestanden. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat die 62-Jährige dennoch den Tod der beiden Ärzte billigend in Kauf genommen.

Zu den Hintergründen der Tat weiß man bislang so viel: Während des Arztgesprächs soll es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Beteiligten gekommen sein. Wie die Patientin an das Messer gelangt war, um damit die Mediziner zu attackieren, wird die Beweisaufnahme klären müssen. Im Laufe der Ermittlungen sei es vermehrt zu Unstimmigkeiten bezüglich des Geschlechts der Patientin gekommen, so Kaune-Gebhardt. Der Grund sei eine Geschlechtsanpassung von männlich zu weiblich in den Ausweisdokumenten der Patientin gewesen. Auch die Klinikleitung hatte sich nicht eindeutig zum Geschlecht der Patientin äußern wollen. Die Staatsanwaltschaft empfahl eine weibliche oder geschlechtsunspezifische Anrede.

In der Tannenhof-Klinik hatte gleich nach der Tat die Aufarbeitung der Geschehnisse begonnen. Grundsätzlich seien solche Übergriffe eher die Ausnahme, so Klinikleiter Dietmar Volk: „Unsere Mitarbeiter sind alle in der Deeskalation geschult und haben entsprechende Weiterbildungen absolviert.“ Dass Konflikte eskalierten, lasse sich aber nicht zu hundert Prozent verhindern. Grundsätzlich sei es im Tannenhof wie in jedem anderen Krankenhaus auch, es gebe leider immer mal wieder Übergriffe gegenüber dem Personal. „Wir versorgen hier Menschen, die sich teils in schweren psychischen Ausnahmesituationen befinden“, so Volk. In den meisten Fällen funktioniere das ohne Zwischenfälle.

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