Remscheid: Powerfrau in der Klosterkirche

Kabarett mit Patrizia Moresco : Powerfrau in der Klosterkirche

Die Kabarettistin Patrizia Moresco fordert „weniger Prinzessinnen, mehr Räubertöchter“.

Kabarettistin und Powerfrau Patrizia Moresco war in der Klosterkirche zu Gast und sorgte für einen kurzweiligen Abend mit vielen Lachern und Denkanstößen. Mit ihrem Programm „Die Hölle des positiven Denkens“ lancierte sie scharfe Spitzen gegenüber einer oberflächlichen Gesellschaft sowie übervorsorglichen Eltern und forderte „weniger Prinzessinnen und mehr Räubertöchter“.

Sie kam, sah und siegte: Patrizia Moresco beendete einen zweieinhalbstündigen Abend voller komplexer Themen kniend auf der Bühne, die Arme in die Luft gehoben, während das Publikum ihr jubelnd den Applaus zollte, den sie verdiente. Kein Blatt hatte sie vor den Mund genommen, kein Fettnäpfchen ausgelassen. Überzeugt sprang sie hinein und teilte großzügig aus, an Politiker, Gesellschaft, Eltern, Männer, Frauen. Keiner ging an diesem Abend leer aus.

Die „Italienerin, mit schwäbischen Migrationshintergrund“ kennt nach eigenen Aussagen „la Dolce Vita in der Sparbüchse“ und bringt mit ihren 61 Jahren (die sie äußerlich keineswegs verkörpert) eine ordentliche Portion Lebenserfahrung und Selbstbewusstsein mit, um Dinge zu sagen, die sich andere nicht trauen würden, schon gar nicht auf einer Bühne. Statt der allseits beliebten optimistischen Lebensweisheiten, setzt Moresco auf die knallharte Realität und lebt getreu dem Motto: Lieber einmal richtig ausrasten, als sich den ganzen Frust anzufuttern und dann, völlig schizophren, bei teuren Therapeutensitzungen aufarbeiten zu müssen. „Beginne den Tag mit einem Lächeln, dann hast du es hinter dir.“

Ihr italienisches Temperament und der in ihrer DNA verankerte Trieb, melodisch in ihrer Muttersprache zu fluchen, konnten die zierlich aber durchsetzungsstarke Frau ganz schön bullig wirken lassen. Bei der Frage, ob sie sich lieber einen Hund oder einen Mann anschaffen sollte, musste sie nicht viele Argumente suchen: „Lasse ich mir den Teppich versauen oder das ganze Leben?“, fragte sie rhetorisch in die Runde. Das Publikum – zumindest der weibliche Teil – lachte herzhaft. Die Männer schmunzelten und Moresco setzte nach: „Schatz, ich habe nichts gegen Männer. Du darfst ruhig lachen.“

Trotz solcher Aussagen verkam ihr Programm aber glücklicherweise nicht durch billige Geschlechter-Klischees, wobei sie ihre Meinung über Geschlechter-Rollen mehrfach deutlich machte: „Frauen, wir sollten uns ruhig mal mehr von den Männern abschauen“, sagte sie und spielte dabei auf das männliche Selbstverständnis an, mit dem sich viele Herren – trotz Bierbauch und Halbglatze – als Adonis im Olymp fühlen. Frauen dagegen würden ja ständig auf sich herum hacken und bei sich Fehler suchen. Der Kompensationsversuch und das andauernde Bedürfnis sich ständig selbst darzustellen, auf gestellten Bildern, führte Moresco ad absurdum, in dem sie mit dicker Lippe, völlig verrenkt und starr im Gesicht – um bloß keine Fältchen sichtbar zu machen – für ein imaginäres Selfie posierte.

Auch kritisierte Moresco, gekonnt humorvoll aber nicht minder spitz, den absurden Optimierungswahn der heutigen Gesellschaft. Sie wolle lieber Spaß haben und am Ende ihres Lebens vollmundig und zufrieden äußern können: „Holy shit, war das ein Ritt.“