Remscheid: Pflegepersonal kommt aus Serbien

Fachkräftemangel in Remscheid : Pflegepersonal kommt aus Serbien

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, geht die Häusliche Kranken- und Fachpflege „365 Grad“ in Remscheid neue Wege. In den Balkanstaaten lädt sie zu Bewerbungsgesprächen ein. Die Arbeitsagentur hilft bei der Integration.

Veselin Velickovic sah als Krankenpfleger in seiner Heimat Serbien keine Zukunft. Es gab dort keine Arbeit für den jungen Mann. Als er hörte, dass Vasva Salihshahic, Pflegedienstleiterin der Häuslichen Kranken- und Fachpflege „365 Grad“ aus Remscheid, Vorstellungsgespräche anbot für einen Job, hat er sich gemeldet. Und überzeugt.

Am 16. Oktober 2017 kam er mit einem Koffer in Remscheid an. Heute sagt er: „Das ist perfekt hier. Ich bekomme ein Gehalt, von dem ich leben kann. Und ich habe sehr viel Unterstützung erfahren.“ In seinen Worten schwingt große Dankbarkeit mit. Denn der Weg vom Krankenpfleger in Serbien zum Krankenpfleger in Remscheid ist ein steiniger Weg. Ein fremdes Land, fremde Menschen, fremde Sprache und getrennt von der Heimat – das sind alles Faktoren, die den Start in ein neues Leben erschweren können. Und oben drauf kommt noch jede Menge Bürokratie.

Velickovic ist einer von 34 Mitarbeitern, die das Remscheider Unternehmen inzwischen angeworben hat. Um auf den Fachkräftemangel in dieser Branche zu reagieren, traten Geschäftsführer Ralf Mantei und seine Pflegedienstleitung den Weg in die Balkanstaaten an. Vasva Salihshahic stammt selber aus Bosnien. „Wir machen das nicht, um billige Arbeitskräfte zu suchen, sondern um qualifiziertes Personal zu bekommen“, sagt Mantei. Zu den Auswahlkriterien vor Ort zählen neben Berufserfahrung und Motivation auch die Sprachkenntnisse. Wer nach Remscheid kommen will, muss mindestens das Sprachniveau B1 beherrschen. Und er braucht einen Bescheid von der Bezirksregierung, dass seine Berufsabschlüsse und Arbeitszeiten anerkannt werden. Ohne den läuft nichts. Das ist viel Papierkram und strapaziert die Nerven. Denn manche müssen ein halbes Jahr und länger warten, um die Genehmigung zu bekommen. 

„Unsere Mitarbeiter werden angelehnt an den Tarif bezahlt“, sagt Mantei. Netto erhalten sie Mantei zufolge mindestens genauso viel Geld wie Krankenpfleger in Krankenhäusern. Doch ohne die Unterstützung durch die Agentur für Arbeit wäre dieses ganze Projekt nicht überlebensfähig. Für die Lehrgangskosten und einen Lohnkostenzuschuss hat die Arbeitsagentur bisher 500.000 Euro gezahlt, sagt Martin Klebe, Mitglied der Geschäftsführung der Agentur.

Von dieser Investition hat auch Natasa Simic profitiert. Sie hatte zunächst eine Stelle in einem Altenheim in Brandenburg gefunden. Doch der dortige Arbeitgeber übernahm die Kosten für die Anerkennungspraktika nicht. Als sie von der Initiative in Remscheid hörte, bemühte sie sich um den Job. „Wir haben hier jede Unterstützung bekommen“, sagt Simic. Und auch sie erzählt, wie dankbar sie für ihre Chance ist. Die Mutter von zwei Kindern (elf und 18 Jahre) holte ihre Familie nach Remscheid. Hier können sie ein selbstbestimmtes Leben führen. Sie bekommen für ihre Arbeit das, was in ihrer Heimat für viele unerreichbar ist: ein regelmäßiges Einkommen.

Mit den Pflegekräften aus Serbien ist aber der Fachkräftemangel für das Unternehmen nicht behoben, sondern nur ein bisschen gelindert. „Ich könnte locker 150 Stellen besetzen“, sagt Mantei. Vielleicht kommt demnächst ein Bruder von Veselin Velickovic nach Remscheid. Er hat fünf.

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