Remscheid: Pessimisten sind in der Mehrheit

Wirtschaft in Remscheid : Pessimisten sind in der Mehrheit

Die Maschinenbauer und Werkzeughersteller im Bergischen Land sind mit der aktuellen Lage zufrieden. Ihre Erwartung an die Zukunft sieht aber düster aus. Sie gehen von weniger Umsatz und geringeren Erträgen aus.

Über 50 Prozent der Industrieunternehmen in Remscheid exportieren ihre Ware ins Ausland. Zölle, Handelskriege, Unruhen, Embargo, Blockaden – all diese Ereignisse schüren Unsicherheit. Und Unsicherheit ist Gift für Exporteure auf dem Weltmarkt. Entsprechend düster schauen die Erwartungen der Unternehmer in den Bereichen Maschinenbau und Werkzeugindustrie aus.

Das ergab die jüngste Umfrage der bergischen Industrie und Handelskammer. Solche Umfragen erzeugen Mittelwerte über die Konjunkturaussichten. Die Zahl von 99 Unternehmen, die aus Remscheid an der Umfrage teilnahmen, steht für einen repräsentativen Wert. Uwe Mensch, Ökonom der IHK, wies bei der Vorstellung der Ergebnisse darauf hin, dass es in der Werkzeugstadt bei den Unternehmen ganz unterschiedliche Ausgangslagen gebe. Die einen seien von der weltpolitischen Lage nicht tangiert, die andern müssten sich enorm darauf einstellten. Auch wenn die Unternehmenschefs die Zukunftsaussichten in düsteren Farben malen, will IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge nicht von einer Rezession sprechen.

Aktuell sehen im Städtedreieck 31 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut und weitere 53 Prozent als befriedigend an, während 16 Prozent der Betriebe sie für schlecht halten. Wenge betonte bei der Vorstellung der Zahlen, dass diese Bewertungen von einem hohen Niveau ausgehen. Die Boomjahre sind vorbei. Inzwischen bewege man sich auf ein Normalmaß hin. Im zweiten Quartal dieses Jahres lag der Lageindex bei 27 Punkten. Inzwischen ist er bei 15 Punkten angelangt. Zu Zeiten der Finanzkrise vor zehn Jahren, als der Lageindex weit unter Null gesunken ist, sei der Wert von 15 nicht als Anzeichen einer Rezession zu lesen, so Wenge.

Unter den drei bergischen Städten ist vor allem in Remscheid die Stimmung gekippt. Der Index für die Geschäftserwartung ist auf minus 37 abgestürzt. In Remscheid ist nicht einmal jeder 20. Betrieb optimistisch, heißt es in der Umfrage. Das mache sich auch an der Kapazitätsauslastung bemerkbar. Kein Unternehmen melde Überproduktion. Eine Mehrheit der Betriebe produziere unterhalb der Kapazitätsauslastung. Dieser Abwärtstrend zeige sich auch bei der Bereitschaft zu neuen Investitionen. Sie ist deutlich zurückgegangen. Wenn investiert werden soll, fließt das Geld vornehmlich in den Ersatzbedarf.

Im Landesvergleich steht das Bergische aber nicht schlecht da. Im bisherigen Jahresverlauf hat sich das Städtedreieck besser entwickelt als der Landesdurchschnitt, meldet das Statistische Landesamt. Weniger gefüllte Auftragsbücher schmerzen die Unternehmen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite mildert es das Problem des Facharbeitermangels. Zurzeit kommen die Betriebe mit der Belegschaft aus. Während in der Werkzeugindustrie die Signale auf Abschwung hindeuten, erfreuen sich andere Branchen einer stabilen Konjunktur. Das Baugewerbe kann über einen Mangel an Arbeit nicht klagen. Die Einzelhändler bewerten ihre Geschäftslage nicht schlechter als im Frühjahr. Und auch das Verkehrsgewerbe berichtet von einer befriedigenden Lage. Etwa drei Viertel der Betriebe können Umsatzzuwächse verzeichnen.

IHK-Geschäftsführer Uwe Mensch (l.) und IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge. Foto: Uwe Vetter. Foto: Uwe Vetter

Ob Delle oder Rezession – die IHK wagt keine Prognose. Hauptgeschäftsführer Wenge ist sich aber sicher: „Die bergische Wirtschaft wird auch Trump und Brexit überstehen. Qualität setzt sich immer durch.“

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