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Remscheid: PC-Ausstattung für jeden Schüler würde Millionen kosten

Probleme beim digitalen Wandel in Remscheid : PC-Ausstattung für jeden Schüler würde Millionen kosten

Thema ist sie im Schulausschuss der Stadt schon seit vielen Jahren. Durch die Corona-Pandemie und den dadurch bedingten wochenlangen Unterrichtsausfall an den Schulen ist die Digitalisierung der schulischen Lernens in Windeseile zum Topthema avanciert.

Fast zwei Stunden diskutierten die Schulpolitiker am Mittwochabend im Teo Otto Theater über die Notwendigkeit eines neuen, umfassenden Digitalisierungs-Konzeptes für die heimischen Schulen. Am Ende wurde ohne Gegenstimmen gleich mehrere umfangreiche Prüfaufträge beschlossen, die unter anderem den Zugang aller Schüler zu modernen Rechnern und die dafür nötigen Software-Lizenzen sowie leistungsfähige WLAN-Netze an allen Schulen anstreben.

Zuvor hatte das Schulamt deutlich gemacht, was die Umsetzung dieser Forderungen für Remscheid alleine finanziell bedeuten würde. Ausgehend von der Schätzung, dass rund 4000 Schüler zu Hause aktuell über kein Gerät verfügen, mit dem sie an einem digitalen Unterricht teilnehmen könnten, rechnete Markus Eschweiler vom Schulverwaltungsamt vor, dass die Anschaffung WLAN-tauglicher Computer für ein knappes Drittel der insgesamt knapp 16.000 Schüler in Remscheid sich auf vier Millionen Euro addieren würde. Rechne man 50 Euro für den technischen Support pro Gerät dazu, kämen noch einmal 250.000 Euro dazu. In dieser Rechnung seien Ausgaben für Software wie etwa einen Virenschutz noch gar nicht enthalten. Auch der Wunsch nach leistungsfähigem WLAN in jedem Klassenraum sei kostspielig. Für die nötigen Gigabit-Leitungen für alle Schulstandorte kämen rund 500.000 Euro zusammen. Kosten, die alleine aus dem Remscheider Anteil des angekündigten 500 Millionen Euro schweren Sofortprogramm des Bundes nicht zu decken sein werden, ergänzte Schuldezernent Thomas Nehaus.

Der Forderung von Christian Günther (SPD), noch vor den Ferien ein Konzept für ein Sofortprogramm vorzulegen, erteilte Eschweiler ein Absage. Das sei unrealistisch. Alleine die von der Politik geforderte Umfrage bei Schulen und Eltern werde länger dauern.

Vor allem der SPD dauert das Prozedere zu lange. Der Gefahr, dass durch ein soziales Gefälle eine Bildungslücke entstehe, müsse entgegengetreten werden. Volker Leitzbach plädierte dafür, eine Zwischenlösung über die Vermittlung von Leihgeräten zu finden. Die Not bei den Familien sei so groß, dass das Segment der preiswerten Computer und Laptops beim Remscheider Elektromarkt Saturn komplett ausverkauft sei.

Bernd Schaub (FDP), der als Lehrer an der Alexander-von-Humboldt-Realschule und Mitglied des städtischen E-Teams seit Jahren mit dem Thema Computerunterricht zu tun hat, betonte, dass alleine mit der Ausgabe eines Rechners an jeden Schüler das Problem der Digitalisierung nicht gelöst sei. „Geld alleine reicht nicht.“ Es fehle an Personal und Fachfirmen, um die Systeme einzurichten und zu pflegen.