Remscheid: Oerlikon erzeugt seine eigene Energie

Wirtschaft in Remscheid : Oerlikon erzeugt seine eigene Energie

Der Hersteller von Textilmaschinen hat gestern sein zweites Blockheizkraftwerk auf dem Firmengelände in Betrieb genommen. Die Anlage erzeugt so viel Strom wie etwa 1400 Haushalte im Jahr verbrauchen.

Der Maschinen- und Anlagenbauer Oerlikon (früher Barmag) an der Leverkuser Straße in Lennep hat sich bei der Erzeugung von Energie so gut wie unabhängig von Zulieferern gemacht. Gestern ging das zweite Blockheizkraftwerk am Standort in Betrieb. Die Investition von 1,2 Millionen Euro gehört zu den zukunftsweisenden Maßnahmen eines Energiemanagements, das vor 15 Jahren begonnen hat.

Wie Oerlikon Textile Geschäftsführer Georg Stausberg gestern erläuterte, gab es vor 15 Jahren die Maßgabe an die Ingenieure, nur noch Maschinen zu bauen und zu liefern, die immer weniger Energie verbrauchen und auch immer weniger Abfall produzieren. Diese Anforderungen an Energie-Effizienz erfüllen inzwischen alle Produkte. Im zweiten Schritt zu einem nachhaltigen und umweltschonenden Produzieren konzentrierte sich das Unternehmen auf die Energiegewinnung. 2016 ging das erste Blockheizkraftwerk (BHKW) an den Start. Seit gestern ist die von der Firma Gelsenwasser gebaute Anlage in Betrieb. Mit der gleichzeitigen Lieferung von Strom und Wärme schaffe das BHKW einen Wirkungsgrad von nahezu 90 Prozent. Herkömmliche Kraftwerke kommen nur auf 40 Prozent.

Für die Planung der Anlage war Nina Krüger als Projektmanagerin zuständig. Die neue Anlage werde künftig vornehmlich in der dunklen Jahreszeit eingesetzt. Die BHKW liefern auch einen Beitrag zur Verringerung von CO2-Emissionen. Die Einsparung beziffert Krüger auf bis zu 25 Prozent. Dank eines Harnstofftanks erfülle die neue Anlage bereits die Normen, die erst ab 2025 gelten sollen. Die Real Estate-Managerin hat auch den Bau der ersten Anlage auf dem Barmag-Gelände betreut. Bei Oerlikon Textile in Lennep arbeiten 1300 Mitarbeiter. 70 Prozent der Liegenschaft an der Leverkuser Straße sind mit eigenen Produktionsstätten und Gebäuden belegt. Die restlichen 30 Prozent werden von 20 weiteren Firmen am Standort genutzt.

Die hohe Effizienz eine BHKW entsteht aus der Kopplung von Strom- und Wärmeerzeugung. Mit Hilfe eines gasbetriebenen Verbrennungsmotors wird ein Generator angetrieben. Der Gasmotor erzeugt Bewegungsenergie. Der Generator wandelt sie in Strom um. Die Abwärme des Motors entweicht nicht in die Umwelt. Sie wird vielmehr in das Fernwärmenetz des Barmag-Geländes eingespeist.

Die Betreiber gehen davon aus, dass die Anlage im Jahr 7500 Stunden in Betrieb ist. Dabei erzeugt sie 5977 Megawattstunden (MWh) Strom und 6255 MWh Heizwärme. Das entspricht einem durchschnittlichen Stromverbrauch von etwa 1400 Haushalten.

Auch die zweite Anlage hat die Firma Gelsenwasser als Spezialist für dezentrale Energieversorgung errichtet. Der Energieversorger aus dem Ruhrgebiet unterstützt das Unternehmen beim Betrieb und der Wartung der Anlage in den nächsten zehn Jahren. Für diese Zeit wurde ein Pachtvertrag vereinbart. Danach geht die Anlage in den Besitz von Oerlikon über.

Die Unternehmensführung hat sich auch mit dem Thema Solarenergie beschäftigt, wie Geschäftsführer Stausberg erläuterte, sich aber für die Kraft-Wärme-Kopplung entschieden. Allerdings seien die Pläne für eine Photovoltaikanlage noch nicht vom Tisch. Es gebe im Unternehmen viele kleine Schritte, um den Energieverbrauch zu senken. Dazu zählte auch der flächendeckende Einsatz von LED-Leuchten auf dem Gelände.

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