Remscheid: Neues Leben in Röntgens Geburtshaus

Denkmal in Remscheid : Neues Leben in Röntgens Geburtshaus

Im Untergeschoss des sanierten Fachwerkhauses am Gänsemarkt 1 in der Altstadt bringt eine Ausstellung den Besuchern die private Seite des Nobelpreisträgers nahe. Es entsteht ein Treffpunkt für internationale Wissenschaftler.

Die ersten drei Jahre seines Lebens hat Wilhelm Conrad Röntgen in der Lenneper Altstadt verbracht, am Gänsemarkt 1, keine hundert Meter entfernt von der evangelischen Stadtkirche. Ein unscheinbares Fachwerkhaus mit kleinen Fenstern, Satteldach und einem engen Treppenhaus stand dort. Seine persönliche Entwicklung und vor allem seine wissenschaftlichen Erfolge hat der Lenneper in anderen Städten vollzogen, in Utrecht, Würzburg, Zürich und München. Aber die drei Jahre haben Lennep zur Röntgenstadt gemacht.

Viele Remscheider wissen das. Nun können sie es auch besser spüren. Gestern gab es eine kleine Ausstellungseröffnung im Erdgeschosses mit Exponaten, die sich auf die Verbindung zwischen Röntgen und seiner Heimatstadt beziehen. Dazu zählt auch ein Modell seines Geburtshauses aus dem Jahr 1840. Es fand sich im Nachlass des Nobelpreisträgers und symbolisiert die enge Verbindung zu seinem Geburtsort.

Unter Medizinern, Röntgenfachleuten und Strahlenexperten avanciert das sanierte Haus zu einer Kultstätte. Sie soll neben der ständigen Ausstellung Treffpunkt für Röntgenologen aus aller Welt werden. Der Name Röntgen elektrisiert die Fachleute. Die nordamerikanische Röntgengesellschaft hat 25.000 Euro für die Instandsetzung gespendet. Auch die Koreaner überwiesen Geld.

„Für uns ist das ein besonderer Ort“, sagt Stefan Lohwasser, Geschäftsführer der Deutschen Röntgengesellschaft. Sie hat dieses Haus von der Stadt für einen Euro gekauft und 1,3 Millionen Euro in den Umbau gesteckt mit Hilfe zahlreicher Sponsoren. „Es soll ein Ort der Begegnung und des Austausches werden“, sagt Professor Ulrich Mödder, Vorsitzender der Freunde und Förderer des Deutschen Röntgen-Museum und der Stiftung Geburtshaus Röntgen. Internationale Wissenschaftler sollen nach Lennep kommen, um sich mit jungen Forschern auszutauschen und Inspirationen für die Nachwuchswissenschaftler geben. Ganz im Geiste Röntgens. Er war selbst ein großzügiger Förderer seiner Studenten. Die Exponate im Geburtshaus zeigen das persönliche Umfeld von Röntgen. Der Besucher erfährt etwas über die Eltern und seine Frau Anna Bertha. In der sogenannten Schatzkammer steht die häufig abgebildete Röntgen-Büste des Bildhauers Reinhold Felderhoff. Ein großer Denkerkopf mit heroischen Flaire.

Zu sehen sind unter anderem 30 Originaldokumente, darunter ein Schreiben des deutschen Kaisers und der Briefwechsel mit dem Lenneper Bürgermeister, in dem dieser sich noch einmal versichert, dass es sich um den richtigen Wilhelm Conrad Röntgen handelt, der in Lennep zur Welt kam. Die über Tablets abrufbare Korrespondenz zeigt, welch einen weltläufigen Briefwechsel der Naturwissenschaftler pflegte.

Das Haus ist noch nicht fertiggestellt. Bis zum 27. März 2020 – dann jährt sich Röntgens Geburtstag zum 175. Mal – sollen auch die oberen Geschosse funktionsfähig sein. Dort finden Tagungen, Treffen und auch Prüfungen statt. In Kooperation mit dem Deutschen Röntgen-Museum soll es regelmäßige Öffnungszeiten geben.

◀ Der Gänsemarkt 1 in Lennep ist nun eine internationale Adresse. ▶ Dr. Uwe Busch, Direktor des Deutschen Röntgen-Museums, freut sich über die Eröffnung. Foto: Christian Peiseler
▶ Blick in den Ausstellungsraum im Erdgeschoss mit Exponaten über seine Karriere und Bildern seiner Eltern. Foto: Christian Peiseler
Foto: Christian Peiseler

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz nannte bei der Eröffnungsfeier das Haus „ein Geschenk an die Stadt und ihre Bürger“. Es verbinde Vergangenheit und Zukunft miteinander.

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