SPD-Delegation zu Gast in Remscheid Mieter erheben schwere Vorwürfe gegen die Velero

Remscheid · Bei einem Besuch von Sven Wolf und Sarah Philipp (beide SPD) erhoben die Velero-Mieter am Hasenberg neue Vorwürfe gegen ihre Hausverwaltung. Jetzt ist sogar von Betrug die Rede. Doch die Velero weist die Vorwürfe „aufs Schärfste“ zurück.

Remscheid: Fotos aus Velero-Wohnungen - Besuch der SPD
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So schlimm sieht es in den Velero-Häusern aus

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Foto: Elena Pintus

Es ist ein großes Wort, auch für die Mieter der Velero-Häuser am Hasenberg: Betrug. Ihre Hausverwaltung habe Geld per Einzugsermächtigung eingezogen, das weder in die Miete, noch in die Nebenkostenabrechnung fließe. Dabei handele es sich um kleine Beträge, einmal 20 Euro im März 2022, dann „50 oder 30 Euro im September“, wie die Mietersprecherin Carola Engels am Dienstagabend bei einem Besuch von Sven Wolf und Sarah Philipp (beide SPD) mitteilte. „Bei mir sind es 700 Euro, die einfach verschwunden sind. Wo ist unser Geld? Das ist Betrug. Gegenüber uns, vielleicht auch gegenüber dem Finanzamt. Aber das weiß ich nicht“, sagte Engels. „Das Geld ist einfach unterm Tisch verschwunden“, ist sie überzeugt.

Die Velero zeigte sich schockiert über die Vorwürfe. „Die Vorwürfe und Anschuldigungen können wir in keinster Weise nachvollziehen und weisen sie aufs Schärfste zurück“, sagte Pressesprecherin Anke Sostmann in einem Redaktionsgespräch. Sie verdeutlichte auch, dass die GmbH aus Berlin gewillt sei, diesen Konflikt aus der Welt zu schaffen: „Klärung können wir aber nur erreichen, wenn wir personenbezogene Daten haben, um in das Konto hereinzuschauen.“ Betroffene Mieter werden darum gebeten, sich in der Mietersprechstunde an die Velero-Mitarbeiter, die immer dienstags im Büro des Wohnkomplexes vor Ort seien, zu wenden. „Ich möchte noch mal betonen, dass das für die Mieterinnen und Mieter der beste Weg ist, um ihre Anliegen schnellstmöglich zu klären“, ergänzte sie. Zudem schildert Sostmann die Situation aus Sicht der Firma: „Mietererhöhungen durch Anpassungen an die ortsübliche Vergleichsmiete sind gesetzlich geregelt. Daran hält sich selbstverständlich Velero.“ Die Netto-Kaltmieten seien in Remscheid zwar gemäß des Mietspiegels angepasst worden. Jedoch: „Auf den Mieterhöhungsschreiben ist immer eine Begründung dargestellt, damit der Mieter die Erhöhung nachvollziehen kann“, so die Sprecherin.

Noch kurz vor dem Besuch der SPD-Vertreter räumte ein Team einer Räumungs- und Reinigungsfirma den Sperrmüll weg, den ein Mieter in der Nähe der Mülltonnen unangemeldet rausgestellt hatte. Das bestätigte Sostmann auch: „Eine Vielzahl an Mängeln, wie beispielsweise die Müllbeseitigung in den Außenanlagen, die Reinigungen von Allgemeinflächen, Beleuchtung oder Sicherungskästen wurden bereits behoben.“ Zugleich appellierte sie auch an die Mieter: „Dauerhafte Sauberkeit funktioniert aber nur durch entsprechendes Verhalten der Mieter. Die ordnungsgemäße Mülltrennung und Entsorgung in den dafür vorgesehenen Behältern sind hier von großer Bedeutung.“

Andere Schäden wurden auch an der Außenanlage am Tag des Besuchs noch nicht beseitigt. Davon konnten sich auch Wolf und Philipp vor Ort überzeugen. So wurden etwa Rohre im Keller gezeigt, aus denen Wasser austrat. Im Trockenraum sammelte sich am Tag des Treffens Wasser in einer großen Pfütze. Ein Mieter zeigte der Delegation zwei Löcher in der Wand seines Badezimmers, hinter denen sich nässende Rohre befinden. Seit mehreren Monaten verdecke er die Löcher notdürftig mit Plastikplanen. Auf seine Kontaktversuche reagiere die Velero gar nicht oder vertröste ihn mit unspezifischen Aussagen.

Das scheint jetzt aber ein Ende zu haben – zumindest laut Angaben der Velero: „Aktuell werden die Mieter in einem Schreiben über die zu ihrem Mangel in die Wege geleiteten Maßnahmen informiert. Jeder Mieter erhält eine genaue Information, welche Firma zur Beseitigung des Mangels beauftragt wurde – und kann sich so auch direkt bei der angegebenen Firma melden, um einen Termin zur Behebung des Mangels zu vereinbaren.“

Sven Wolf und Sarah Philipp (beide SPD) zu Gast in den Velero-Häusern in Lennep.

Sven Wolf und Sarah Philipp (beide SPD) zu Gast in den Velero-Häusern in Lennep.

Foto: Elena Pintus

Dazu sei allerdings gesagt: Die offenen Wände in vielen Wohnungen existieren in einigen Fällen laut Mieterangaben bereits seit Monaten. Auch sind die offenen Löcher in den Wänden keine Einzelfälle, sondern finden sich in einer Vielzahl von Wohnungen. Den Mietern zufolge hätten zudem oftmals die von der Velero beauftragten Handwerker selbst die Löcher verursacht. So berichtete eine Mieterin in einem separaten Gespräch: „Ich hatte und habe immer noch Feuchtigkeit an der Wand. Die Velero hat daraufhin einen Handwerker geschickt, der die Wand geöffnet hat, um zu herauszufinden, woher die Nässe kommt.“ Wie auch in vielen anderen Fällen stamme die Feuchtigkeit von einem Leitungsrohr, aus dem Wasser austritt. „Das hat man festgestellt. Danach wurde nichts mehr gemacht“, so die Mieterin, die das Loch seitdem mit Zeitungspapier ausfüllt.

Nässe in den Wänden – sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Akte Velero. Denn sie könnte auch mit dem Schimmel zusammenhängen, der sich mittlerweile in vielen Wohnungen bildet. Ob der auch mit dem Heizungsaufsall im Herbst 2023 zusammenhängt, ob hier auch ein Mieterverschulden mit reinspielt oder ob gar die Bausubstanz der – anscheinend äußerst feuchten – Häuser eine Rolle spielt, all das ist noch nicht geklärt. Sostmann dazu: „Die Velero befindet sich im engen Austausch mit der Gewag, um abschließend zu klären, wer sowohl für den Schimmel als auch für den Heizungsausfall verantwortlich ist.“ Denn, was zuvor nicht deutlich wurde: Sostmann zufolge ist noch gar nicht geklärt, wer und vor allem was wirklich den Heizungsausfall versucht hat. Bei dem Rohrschaden, den eine Firma im Herbst unter einer Baumwurzel fand, habe es sich nicht einwandfrei bewiesen um den Schaden gehandelt, der den Heizungsausfall verursacht habe, so die Velero-Sprecherin: „Wir wissen nicht, ob dieser Schaden groß genug dafür war.“ Man wisse nur, dass die Heizungen wieder liefen, als die Gewag die Leitungen wieder aufgedreht hatte. Zur Einordnung: Die Gewag versorgt das Heizungssystem der Velero in der Emil-Nohl-Straße. Da die Verantwortung noch gar nicht geklärt sei, ziehe sich auch die Bearbeitung der Schimmelfälle, die damit womöglich in Zusammenhang stehen.

Einer der Mieter lebt seit Monaten mit zwei Löchern in der Wand seines Badezimmers.

Einer der Mieter lebt seit Monaten mit zwei Löchern in der Wand seines Badezimmers.

Foto: Elena Pintus

Auf Redaktionsanfrage berichtete der Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, dass auch er in Kontakt mit der Hausverwaltung stehe. Er befinde sich derzeit in einem intensiven Austausch mit der Velero-Geschäftsführung: „Mir wurde jetzt noch mal zugesichert, dass die Velero bis Anfang nächster Woche eine Zusage zur Behebung der Mängel plus eine Auflistung der geplanten Maßnahmen schickt, so der Oberbürgermeister. Das Ganze werde dann im kommenden Sozialausschuss thematisiert.

Das Remscheider Landtagsmitglied Sven Wolf und Sarah Philipp, Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion und zuständig für die Bereiche Bauen, Wohnen und Digitalisierung, solidarisierten sich auf ihrem Besuch mit den Bewohnern. Wolf: „Wir haben im Vorfeld bereits Recherche betrieben. Dabei hat sich gezeigt, dass weitere Wohnanlagen der GmbH in anderen Städten ebenfalls ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es handelt sich also bei Ihnen nicht um einen Einzelfall.“ Deshalb sei das Thema womöglich auch auf landespolitischer Ebene zu behandeln. Wie seine Partei konkret vorgehen wolle, stehe jetzt noch nicht fest. Philipp machte jedoch deutlich: „Für uns ist jetzt, nachdem wir uns vor Ort selbst einen Eindruck machen konnten, wichtig, den Druck in der Öffentlichkeit zu erhöhen.“ Wolf empfahl außerdem, dass sich die betroffenen Mieter überregional zusammenschließen sollten. Auch, inwiefern womöglich ein Rechtsbruch vorliege, sollten sich die Berichte der Mieter bezüglich der Mieterhöhungen bestätigen, sei nun zu prüfen.

Die Velero betonte im Redaktionsgespräch, dass ein erhöhter öffentlicher Druck nicht dazu führe, dass sich der gesamte Prozess beschleunige: „Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es darum geht, konstruktive Lösungen vor Ort zu finden – möglichst gemeinsam mit den Mietern und Mieterinnen. Das kann nur funktionieren, wenn die Probleme auch vor Ort an Velero herangetragen werden und nicht über Presse oder Stadt öffentlich diskutiert werden.“ Sostmann machte deutlich: „Auch ein vermeintlich öffentlicher Druck oder Schreiben an die Geschäftsleitung von Velero verkürzen keine Lieferfristen und führen auch nicht zu schnelleren Terminen bei den Fachfirmen.“

 Auch hinter der Toilette befindet sich ein Loch in der Wand. Auch dieses wird notdürftig mit einem blauen Müllsack abgeklebt.

Auch hinter der Toilette befindet sich ein Loch in der Wand. Auch dieses wird notdürftig mit einem blauen Müllsack abgeklebt.

Foto: Elena Pintus
 Die Löcher in den Wänden finden sich in mehreren Wohnungen. Sie werden zum Teil von den Mietern mit Zeitungspapier gestopft.

Die Löcher in den Wänden finden sich in mehreren Wohnungen. Sie werden zum Teil von den Mietern mit Zeitungspapier gestopft.

Foto: Elena Pintus

Ein erster Schritt in Sachen Kommunikation soll jetzt am Donnerstag getan werden: Dann treffen sich zwei Velero-Mitarbeiter mit der Mietervertretung, um die weiteren Schritte zu besprechen. Das bestätigten beide Seiten. Engels kündigte jedoch bereits an, nur noch mit äußerster Vorsicht mit der Hausverwaltung zu sprechen: nur noch zu zweit. Sostmann erhob zudem den Vorwurf: „Eigentlich war schon vor längerer Zeit ein enger Austausch mit der Mietersprecherin und den beiden Velero-Mitarbeitenden vor Ort vereinbart worden. Leider hat sich die Mietersprecherin nicht daran gehalten.“ Vor Ort am Dienstag berichtete Engels, dass sie mittlerweile nur noch wenig Sinn darin sehe, mit der Pressesprecherin zu kommunizieren, da diese sie oft ohne konkrete Angaben vertröste.

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