Politik in Remscheid Neue Runde in Neuenkamp

Remscheid · Lange hat die Politik auf Zahlen für Kauf und Umbau der Anlage durch die Stadt gewartet. Nun mischt der RSV als Eigentümer die Karten neu. Die Politik will Klarheit.

 Das Objekt der Begierde: Die Sportanlage Neuenkamp hat die Stadt vom Eigentümer RSV gepachtet. Sie ist die sportliche Heimat des BV 10, der hier auch gerne bleiben würde.

Das Objekt der Begierde: Die Sportanlage Neuenkamp hat die Stadt vom Eigentümer RSV gepachtet. Sie ist die sportliche Heimat des BV 10, der hier auch gerne bleiben würde.

Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Mehr als ein Jahr hat der Sportausschuss auf diese Zahlenaufstellung gewartet: Zwischen 4,9 und 5,3 Millionen Euro würde es kosten, wenn die Stadt die Sportanlage Neuenkamp vom Grundstücksinhaber Remscheider SV kaufen, die im Aschenboden befindlichen Altlasten entsorgen und den Fußballplatz anschließend mit einem Kunstrasenfeld versehen würde. Größter Posten in dieser Rechnung sind die 3,625 Millionen Euro, die der RSV der Stadt als Kaufpreisforderung übermittelt hatte. Zu einer Aussprache oder gar einer Abstimmung darüber, ob die Stadt das Gelände zu diesen Bedingungen ankaufen und in einen von dem hier heimischen Traditionsverein BV 10 sehnsüchtig erhofften Kunstrasenplatz umwandeln soll, kam es am Mittwochabend bei der Sitzung im Rathaus Lüttringhausen allerdings nicht.

Bei einem Besuch von Vertretern des BV 10 im Rathaus hatte die Stadtverwaltung vor wenigen Tagen den Hinweis bekommen, dass ein Investor dem RSV 1,5 Millionen Euro als Kaufpreis für das Gelände geboten haben soll. Dort soll Wohnbebauung entstehen.

Was diese Aussage für das Zahlenwerk der Stadt bedeute, wollte Gabriele Kemper-Heibutzki (CDU) von Sportdezernent Thomas Neuhaus wissen. Der will sich bei diesem Thema nicht auf Hörensagen verlassen. „Wir können die Zahlen erst aktualisieren, wenn wir etwas Schriftliches vom RSV haben“, sagte Neuhaus. Man werde also erneut Kontakt zum RSV aufnehmen, um zu klären, ob es tatsächlich andere Preisvorstellungen gebe. Eine Nutzungsänderung für den Zweck einer Wohnbebauung würde „drei Jahre oder mehr dauern“, sagte Neuhaus. Zuvor hatte er noch mal klargemacht, dass die Gutachter der Stadt den Wert des Grundstücks am Neuenkamp auf der Basis der aktuellen Nutzung als Sportfläche bei 540.000 Euro taxieren. Die Preisvorstellung des RSV wiederum, so hatte Neuhaus die Politik bereits Ende 2018 informiert, gehe von den deutlich höheren Quadratmeterpreisen für eine altlastenfreie Gewerbefläche aus.

RSV-Vorstand Hartmut Bau bestätigte auf Nachfrage der BM das Interesse eines Investors. Der RSV will mit der Stadt im Gespräch bleiben, vermisst bislang aber „den Willen, zur einer Einigung“ zu kommen. Seit zwei Jahren führe man gute Gespräche, ein konkretes Kaufangebot habe die Stadt aber nie gemacht. Die 3,6 Millionen Euro, die jetzt in der Vorlage der Stadt auftauchen, seien ein Wert, den die Gutachter der Stadt selber ermittelt haben. Er stammt aus der Zeit, als es Pläne gab, in Neuenkamp ein Berufskolleg anzusiedeln. Ziel des Vorstands müsse sein, das Optimale für den Verein rauszuholen.

Ohne klare Zukunftsperspektive verließen die Vertreter des BV 10 am Mittwoch die Sitzung. Dass die Stadt keine fünf Millionen Euro für Neuenkamp ausgeben könne, sei absolut nachvollziehbar, hatte der Vorsitzende Berthold Fahl im Vorfeld der BM erklärt. Die neuen Zahlen aber haben nun wieder die Hoffnung geweckt, dass der Verein doch in Neuenkamp bleiben kann.

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