Remscheid: Neue Impulse für die Stadt

Kultur in Remscheid : Neue Impulse für die Stadt

Für die Veranstaltungen im Teo Otto Theater soll mehr Neugierde geweckt werden.

Für die neue Spielzeit sind zwei wichtige Positionen im Kulturbetrieb neu besetzt worden. Die Stelle des GMD und der künstlerischen Theaterleitung. Welche Impulse erwarten sie von diesen Personen?

Wiertz Das ist eine neue Etappe, die begonnen wird mit Daniel Huppert und Sven Graf. Ich möchte ungern so früh Erwartungen formulieren. Wir haben bei der Vorstellung von Herrn Huppert im Haus Müngsten gesehen, dass der Weg, den er beschreiten wird, etwas anders ist als der seines Vorgängers. Da gibt es eine neue Perspektive für die Symphoniker. Und natürlich für das Teo Otto Theater. Was beide unabhängig voneinander gesagt haben ist, dass sie keine Brüche produzieren wollen, sondern die Programme aus dem Bestehenden weiterentwickeln wollen. Ich erwarte eine spannende Zeit – mit dem einen oder anderen neuen Impuls in die Stadt hinein.

Ihr Vorgänger Herr Dr. Henkelmann hat mit dem Instrument der Platzausnutzung gearbeitet. Ist das auch etwas, auf das Sie achten?

Wiertz Die Frage, wie viele Karten verkauft werden, sollte man betrachten. Wenn man das als Quote bezeichnen will, muss ich sagen, Kultur darf man nicht ausschließlich auf Quote reduzieren. In der Kultur muss stets auch ein Raum vorhanden sein für Neues, für etwas, das gegen den Zeitgeist steht, für etwas, das Kritik hervorruft und damit nicht zwingend gleich zum „Quotenschlager“ wird. Wir werden also nicht nur ausverkaufte Häuser präsentieren. Die neuen Leiter sollen ein Angebot komponieren, das klangvoll und hörbar für die Stadt und die Region ist.

Auffällig ist, dass keine Frau eine der Positionen übernommen hat.

Wiertz Bei der Auswahl von Herrn Huppert war ich nicht direkt beteiligt. Bei Sven Graf lässt sich sagen: Im Gegensatz zur ersten Runde waren es deutlich mehr Bewerber. Das Bewerberfeld war interessanter. Offenbar ist es doch ein Unterschied, ob man eine halbe Stelle oder eine Dreiviertelstelle anbietet. Bei den neun Bewerbern, die wir eingeladen haben, haben wir fast Parität gehalten mit fünf Frauen und vier Männern. Am Ende hat Graf mit seiner Art, mit seinen Kenntnissen aus seiner Arbeit mit der Konzertagentur und vor allem durch die Beschäftigung mit der Stadt bei allen Beteiligten ein sehr gutes Bild hinterlassen.

Die Werbung für Kultur ist in der Seestadt auf dem Berge immer ein Problem. Der Internetauftritt des Teo Otto Theaters erscheint im Vergleich zu anderen Bühnen etwas rückschrittlich. Wird sich da etwas ändern?

Wiertz Bei der Werbung müssen wir schauen, wie sich der Geschmack der Nutzer ändert. Das Teo Otto Theater ist gegenwärtig auf einer Unterseite der Stadt präsentiert. Wir müssen generell immer wieder schauen, was wir verbessern können, um mehr Menschen zu erreichen. Wir haben bei der Werbung zum Beispiel den Dreimonatsleporello aufgelegt als unterjährige Ergänzung des Theater-Almanachs. Das kommt bereits gut an.

Bei den Symphonikern gab es immer das Problem, dass die Orchester GmbH nicht als Veranstalter auftritt. Hat man überlegt, das Orchester mehr als Veranstalter seiner Konzerte wirken zu lassen?

Wiertz Diese Überlegung hat es im Zuge der Diskussion über eine zukunftsfähige Finanzierung der Symphoniker gegeben. Bisher haben wir den Status quo erhalten. Wobei ich durchaus sagen kann, ich könnte mir eine stärkere wirtschaftliche Beteiligung der Symphoniker am Erfolg vorstellen. Das sähe so aus, dass die durchschnittlichen Einnahmen der vergangenen Jahre an die beiden Häuser gehen. Und die Mehreinnahmen gestaffelt an die Theater und das Orchester. Das ist anderswo nicht unüblich. Darüber würde ich gerne noch einmal nachdenken, damit die Symphoniker an dem Erfolg unmittelbar partizipieren können. Sie tun es bereits über den Orchestersoli, der sehr gut funktioniert. Wir haben dadurch das Orchester auf ein sicheres Gleis gestellt.

Jeder Jugendliche kann für fünf Euro ins Theater gehen. Viele Freikarten sind im Angebot. Aber die Jugend erreicht man nicht wirklich. Liegt das auch an der Werbung?

Wiertz Das liegt an der Erreichbarkeit. Wir fragen uns, wie kann man es interessanter machen und alle Bevölkerungsgruppen erreichen. Symphoniker und Teo Otto Theater sind Einrichtungen für die gesamte Bevölkerung. Wir müssen bei den Menschen Neugierde wecken. So haben wir bei der Europawahl den Wahlhelfern einen Gutschein für zwei Freikarten fürs Theater geschenkt. Das hat überrascht und ist sehr positiv aufgenommen worden. Für den einen oder anderen ist das der Moment, in dem er sagt: Oh, da kann ich doch auch mal hingehen.

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