Remscheid: Nebenjob mit Frischluft-Garantie

Freibad: Ein Nebenjob mit Frischluft-Garantie

Amrei Kernbach arbeitet als Rettungsschwimmerin im Eschbachtal. Sie sorgt dafür, dass das Bad überhaupt öffnen kann.

Konzentriert schaut Amrei Kernbach auf die Wasseroberfläche im Nichtschwimmerbecken. Die Sonne lässt das Blau funkeln. Ein paar Kinder tollen im Wasser herum, hier und da saust jemand die Rutsche runter. Am Morgen ist Kernbach die Wasserrutsche von unten nach oben abgelaufen, um mögliche Gefahrenstellen zu beseitigen. Noch ist es relativ ruhig. Das wird sich spätestens am Nachmittag ändern, dann wird die Aufmerksamkeit der 19-Jährigen stärker gefragt sein. Das ist ihr Job. Amrei Kernbach ist Rettungsschwimmerin im Freibad Eschbachtal.

„Das macht einfach Spaß“, sagt die Abiturientin. Sie ist eine der
18 Helfer, die Badleiter Jürgen Beelte (60) und die zwei Bäderfachangestellten unterstützen. Keine Selbstverständlichkeit. Noch vor der Eröffnung der 106. Saison im ältesten Binnenfreibad Deutschlands im Mai wurden händeringend Rettungsschwimmer gesucht. Durch sie wird der Badebetrieb gewährleistet. Hat ein Bad zu wenig Personal, muss es geschlossen bleiben. Das sei im Eschbachtal zum Glück bisher nur einmal vorgekommen, sagt Beelte.

„Wir sind jetzt wesentlich besser aufgestellt als noch am Anfang. Aber wir könnten noch mehr gebrauchen“, erklärt der Meister für Bäderbetriebe. An Traumtagen wie an dem letzten Juni-Wochenende braucht Beelte mindestens neun Mitarbeiter, damit niemandem von den mehr als 5000 Besuchern etwas passiert. Einer mehr wäre aber noch besser. Viele scheinen den Job nicht mehr machen zu wollen.

Amrei Kernbach wollte. Sie machte der Aufruf im Radio auf den Aushilfsjob aufmerksam. „Ich habe es mir stressiger vorgestellt“, sagt sie. Ab und an muss sie Schwimmer ermahnen, nicht vom Beckenrand zu springen oder kein Essen in den Schwimmbereich mitzunehmen. Wenn es voll ist, hat sie vor allem den Bereich rund um den Springturm und vor der Rutsche im Blick, damit es sich dort nicht staut.

„Man ist viel draußen und wird auch schnell braun“, nennt sie die Vorteile des Jobs, während sie von ihrem Platz zwischen den Becken immer auch ein Auge auf die Badegäste hat. Mit mehr als zwölf Euro pro Stunde verdiene man sehr gut. Kernbach jobbte bereits in der Gastronomie, wo sie bei mehr Stress weniger bekam, sagt sie.

Bevor ihre Schicht losgeht, holt sich die Rettungsschwimmerin im Technikraum das blaue T-Shirt. Daran können Gäste das Personal erkennen und bei Problemen ansprechen. Morgens gibt sie vor allem Bälle und Boote raus, nachmittags stehen die Kontrollgänge entlang des Beckens im Fokus. Auch Blätter müssen aus den Becken gesammelt werden.

Sowohl die Badegäste als auch die Kollegen seien sehr nett, sagt Kernbach. „Wir haben ein gutes Betriebsklima und arbeiten alle mit viel Herzblut. Aber es ist auch sehr viel Verantwortung“, räumt Beelte ein. Die Rettungsschwimmer müssen im Ernstfall sofort reagieren. Weil der Bedarf an Kräften wetterabhängig ist, muss man zeitlich etwas flexibler sein. Ein Punkt, den heute scheinbar viele so nicht mehr erfüllen können.

Amrei Kernbach hingegen hat viele Voraussetzungen mitgebracht. Aufgrund ihrer Tätigkeit in einer Jugendgruppe hatte sie bereits den Rettungsschwimmerschein Silber. „Das ist wichtig, weil auch immer weniger Kinder richtig schwimmen können“, merkt sie kritisch an. Diese Entwicklung sieht auch Beelte, der nach 40 Jahren nach wie vor gerne seinen Beruf ausübt. Probleme habe man aber im Remscheider Freibad bis jetzt glücklicherweise nicht gehabt.

Noch bis zu den Sommerferien arbeitet Amrei Kernbach im Freibad, behält die Übersicht und mahnt die Gäste bei Verstößen ab. Dann geht es für sie in den langen Urlaub nach Norwegen, während ihre Kollegen bis zum Saisonabschluss mit dem Festival „Eschtival“ Anfang September mit ihrem Einsatz den Badbetrieb sichern.