Karneval im Bergischen Land Remscheids Narren sind nach langer Pause in Feierlaune

Innenstadt · In einem gut besuchten Rathaussaal wird der offizielle Start in den Straßenkarneval an Weiberfastnacht mit viel Schwung, witzigen Kostümen und guter Laune gefeiert. Zu Beginn wird der Opfer des Erdbebens in der türkisch-syrischen Grenzregion gedacht.

Karneval 2023 in Remscheid: Möhnen stürmen das Rathaus​
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Möhnen stürmen das Rathaus

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Foto: Jürgen Moll

Dass sich Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) in turbulenten Sitzungen des Stadtrates manchmal wie im Tollhaus fühlt, ist überliefert. Für den traditionellen Sturm aufs Rathaus an Weiberfastnacht kleidete sich das Stadtoberhaupt  am Donnerstag  passend dazu in die Montur eines Zirkusdirektors.

Er sei sehr froh, dass nach drei partylosen Jahren, in denen wegen Corona auf die beliebte Veranstaltung verzichtet worden war, endlich wieder im Rathaus gefeiert werden könne, sagte der OB zur Begrüßung.  Bevor er der partywilligen Gesellschaft  den Saal und Marie Stein von der Karnevalsgesellschaft „Blau-Weiße Jungs“ den Rathausschlüssel übergab, bat der OB um eine Schweigeminute für die Opfer des Erdbebens in der türkisch-syrische Grenzregion. Das gelang. Bis auf ein leises Grundsummen dimmte der OB den Pegel herunter.

Danach wurde es laut.  Der Auftritt der Tanzgarde der Rot-Blauen Funken wurde mit rhythmischen Klatschen begleitet.  Aus der Musikanlage wummerten die Bässe, und nicht nur die Rechts- und Ordnungsdezernentin Barbara Reul-Nocke (CDU) sang lautstark mit.  Der Nachholbedarf war spürbar. So voll war der kleine Sitzungssaal, dessen neu verlegter Boden zum Schutz abgeklebt worden war,  in der Karnevalszeit schon lange nicht mehr.

Drei Jahre Partypause haben derweil die Kostümvorlieben verändert. Statt Bienchen, Sonnenblumen und Hippies waren diesmal Krümelmonster, Wasserwesen oder Feen sehr präsent.  Einen interessanten Beitrag zur Genderdebatte lieferten zwei junge Damen im Pfauenlook mit Federschmuck. Ein Hauch von „Babylon Berlin“  im Bergischen.

Den bunten Federschmuck trägt bei diesen Vögeln aus der Familie der Fasanenartigen nur der Mann. Ein Fall gar von kultureller Aneignung? Diese Frage blieb an diesem gut gelaunten Vormittag ebenso unbeantwortet wie jene nach dem Grund für das fast völlige Fehlen von Krawatten, die um die Schere der jecken Weiber  betteln. Lediglich ein kurzes schwarzes Exemplar wurde gesichtet, das zudem gut getarnt über einem schwarzen T-Shirt mit der Aufschrift „Polizei“ getragen wurde. Das um den Hals geknotete Geschenkband im Weihnachtsdekor, das ein anderer Besucher als Ersatz präsentierte, lockte die Möhnen erst recht nicht aus der Reserve.

  ▷  Rathaussturm in Remscheid: Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz übergibt den Rathausschlüssel an Marie Stein von der Karnevalsgesellschaft „Blau-Weiße Jungs“.

▷ Rathaussturm in Remscheid: Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz übergibt den Rathausschlüssel an Marie Stein von der Karnevalsgesellschaft „Blau-Weiße Jungs“.

Foto: Jürgen Moll
 Leichtmatrose Thomas Neuhaus (Sozialdezernent) in Gesellschaft von zwei Feenwesen.

Leichtmatrose Thomas Neuhaus (Sozialdezernent) in Gesellschaft von zwei Feenwesen.

Foto: Röser, Henning/Henning Röser
 Drei Krümelmonster stoßen mit einem Glas Sekt auf den Start in den Karneval an.

Drei Krümelmonster stoßen mit einem Glas Sekt auf den Start in den Karneval an.

Foto: Röser, Henning/Henning Röser
Der Auftritt der Rot-Blauen Funken gehört fest zum Programm.

Der Auftritt der Rot-Blauen Funken gehört fest zum Programm.

Foto: Jürgen Moll
Der Auftritt der Tanzgarde wird per Handykamera aufgezeichnet.

Der Auftritt der Tanzgarde wird per Handykamera aufgezeichnet.

Foto: Röser, Henning/Henning Röser

Spätestens hier wurde Jürgen Hardt vermisst. Der Bergische CDU-Bundestagsabgeordnete hatte sich bei der letzten Auflage im Jahr 2020 noch mit einer grünen XXL-Krawatte unters Volk gemischt, die Stoff genug für gleich mehrere Trophäen bot. Überhaupt war die Bergische Politik kaum vertreten. Brigitte Neff-Wetzel (Linke) repräsentierte als Burgfräulein den Stadtrat fast im Alleingang. Vermisst wurde auch Kämmerer Sven Wiertz (SPD),  sonst immer für eine fantasievolle Verkleidung zu haben. „Der sitzt in der Kämmerei und trinkt sich den Haushalt schön“, lautete eine These für seine Abwesenheit  –  in Anspielung auf das mit Spannung erwartete Zahlenwerk für die nächsten beiden Jahre.  Dafür sei in diesem Jahr besonders viel Alkohol nötig orakelte der OB, bevor er zu seinen Amtsgeschäften zurückkehrte.

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