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Remscheid: Narren haben die Macht im Rathaus

Altweiber in Remscheid : Narren haben die Macht im Rathaus

Bei der Weiberfastnachtsfete der Stadt trifft der amtierende OB auf seine CDU-Herausforderin. Kurz wird der Toten von Hanau gedacht.

Der kleine Sitzungssaal im Remscheider Rathaus ist gemeinhin nicht als die Feierhochburg in der Seestadt auf dem Berge bekannt. Hier werden Woche für Woche ganz nüchtern von den Lokalpolitikern Verwaltungsvorlagen auf grauem Umweltpapier beraten.

Gut eine gute Stunde lang war das am Donnerstag anders. Als pünktlich um 11.11 Uhr vom Band der kölsche Karnevalsschlager „Wenn et Trömmelje jeht“ ertönte, kam echte Stimmung auf dem blassgrünen Teppichboden auf. Die Tanzgarde der Rot-Blauen Funken enterte den Saal, im Kielwasser folgte – begleitet von seiner Frau Bärbel – Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz im Dress eines bretonischen Fischers mit Ringel-Pulli, Hosenträgern und Strickmütze. Bevor das gerade aus einem kurzen Frankreich-Urlaub zurückgekehrte Stadtoberhaupt den Rathausschlüssel symbolisch an Sabine Kiel von der Lenneper Karnevalsgesellschaft übergab, bat er die Feierwilligen im gut gefüllten Saal um Ruhe und ein kurzes Innehalten für die Opfer des Anschlages von Hanau vom Morgen. Das klappte sehr gut und stimmte den OB froh und dankbar.

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Dann ging die Party weiter. Weil – wie jedes Jahr – auch Alexa Bell zu den Gästen gehörte, nutzte der OB die symbolische Schlüsselübergabe an die jecken Weiber zu einem kleinen Seitenhieb. Nach Karneval werde er den Schlüssel für das Rathaus nicht mehr aus der Hand geben.

Die frisch gebackene OB-Kandidatin der CDU nahm es mit einem Schmunzeln. Dass der Internetriese Amazon sein Sprachprogramm mit ihrem Vornamen versehen hat, nutzte sie für ihr Karnevalskostüm. Aus zwei Hüten und einer Lichterkette hatte sie sich eine Kopie jener sprachgesteuerten Lautsprecher gemacht, mit denen Amazon viel Geld verdient.

LKG-Vorstand Gunther Brockmann, der selber mal als OB-Kandidat für die Wählergemeinschaft angetreten war, nutzte die Anwesenheit der beiden aussichtsreichsten Kandidaten für das höchste Amt der Stadt ebenfalls für eine kleine Spitze. Es sei möglicherweise der letzte Orden, den er Mast-Weisz in seiner Funktion als Stadtoberhaupt überreiche, sagte Brockmann mit einem breiten Grinsen.

Das war es dann aber auch schon mit politischen Wortbeiträgen an diesem Starttag in den Straßenkarneval. Der bergische Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt (CDU) brillierte lieber mit einer grünen XXL-Krawatte, die gleich mehreren Möhnen die Chance für eine Trophäe bot und wurde dafür mit einer Konfettidusche belohnt.

Fritz Beinersdorf (Linke) kam mit schwarzer Fliege ins Rathaus, konnte aber per Handyfoto beweisen, dass sein (natürlich roter) Schlips bereits im Allee-Center Opfer einer Dame mit scharfer Schere geworden war. Bei den Kostümen dominierte das Thema Natur. Viele Bienchen und Sonnenblumen wurden gesichtet, auch Hippies, die die Blumen bekanntlich im Haar tragen. Aber auch Wikinger, Zirkusdirektoren und die Shopping-Queens von Vox mischten sich unter die Menge und freuten sich an der Tanzdarbietung der Funken.