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Remscheid: Mordprozess geht in dritte Runde

Gericht in Wuppertal : Mordprozess geht in dritte Runde

Die Mordanklage gegen den 36-jährigen Remscheider, der die Stiefoma seiner ehemaligen Lebensgefährtin wegen 1000 Euro erstochen haben soll, ging am Mittwoch in die dritte Runde.

Die geradezu gespenstische Atmosphäre in einem der größten Säle des Landgerichts Wuppertal war mit den Händen zu greifen. Die Prozessbeteiligten verloren sich in weiten Abständen, um möglichen Ansteckungsgefahren durch das Coronavirus aus dem Weg zu gehen.

Zu dieser gespannten Atmosphäre passte der innere Rückzug des sehr beherrscht wirkenden Angeklagten, der sich eigentlich erneut zu seiner Tat einlassen wollte. Trotz psychologischer Betreuung fühlte er sich zu einer Vernehmung aber nervlich nicht in der Lage, eine bereits laufende Umstellung seiner Medikation soll ihm das bis zum nächsten Termin ermöglichen.

Da er nach Angabe seines Anwalts allerdings verhandlungsfähig war, konnte er das Gutachten eines Spezialisten des Bundeskriminalamtes für Waffen- und Formspuren mit verfolgen.

Da der Angeklagte nach eigener Aussage das für die Tat vorgeblich verwendete Steakmesser aus der Küche des Opfers zusammen mit der EC-Karte in einer Mülltonne entsorgt habe, fehlt den Ermittlern die Tatwaffe. Sie war trotz intensiver Suche nicht mehr auffindbar. Die Blut- und Druckspuren eines Messers auf der Tischdecke am Tatort wurden deshalb kriminaltechnisch untersucht, um so indirekt die Art des Messers einzugrenzen.

Der Angeklagte habe mehrere Messer besessen, weil er sich bedroht gefühlt habe. Durch den Nachkauf von Messern, deren Erwerb durch den Angeklagten sich über Amazon belegen ließ, versuchte der Gutachter eine Verbindung zu diesen Spuren herzustellen. Dies gelang aber nur unvollständig und in Einzelheiten: die Länge der Klinge, die Form der Spitze und nur ein Teil des Griffs mit einem möglichen Drehscharnier hatten sich abgebildet – die nachgekauften Messer passten jedenfalls nicht dazu.

Ein Kontakt zur Solinger Herstellerfirma, die sogar große Kampfmesser als „Taschenmesser“ anbietet, zeigte eine Angebotsvielfalt von 5600 ähnlichen Messern in ständig wechselnden Ausführungen, vor der die Ermittler kapitulieren mussten. Dazu sei noch der Kauf – laut Aussage des Angeklagten – von nicht definierten Messern bei einem Barmer Händler gekommen, hier aber fehlen nachprüfbare Unterlagen.

Die Nutzung eigener Messer schien der Gutachter jedenfalls derzeit nicht nachweisen zu können. Entscheidend für die Urteilsfindung wird die Frage sein, wo genau zwischen den Extremen die Bluttat anzusiedeln ist: Handelt es sich um einen länger geplanten vorsätzlichen Mord durch ein mitgeführtes eigenes Messer? Oder war es eine Verzweiflungstat im Affekt mit einem Küchenmesser aus dem Besitz des Opfers?

Die Verhandlung im Wuppertaler Landgericht wird jedenfalls Ende April fortgesetzt.