Remscheid: Momente der Ruhe in Goldenberg

Mein Remscheid : Momente der Ruhe in Goldenberg

Der Ortsteil Goldenberg wirkt heute eher ruhig und verschlafen. Früher war er sehr belebt – mit vielen Geschäften und Gaststätten.

Das Schöne an Remscheid ist, dass man von überall schnell im Grünen ist. Doch wahrscheinlich hat man von keiner anderen Stelle einen so tollen Ausblick wie vom Goldenberg. Auf der Remscheider Straße zwischen Clarenbach und der Stiftung Tannenhof bietet sich ein fabelhafter Blick auf das Leyerbachtal. Trotz der vielen Autos, die an dem Betrachter vorbeirauschen, findet man einen Moment der inneren Ruhe. Tief durchatmen und einfach die Landschaft genießen.

Was heute eher ruhig und verschlafen wirkt, war bis in die 1950er-Jahre belebt mit Geschäften, Gaststätten, Bäckern, Friseuren oder einem Schumacher. Geblieben sind einige Handwerker und Firmen in Goldenberg. Die beliebte Gaststätte „Haus Goldenberg“ steht leer. Nur die roten Schilder am schieferverkleideten Gebäude weisen noch darauf hin, dass es dort einmal „Bürgerliche Küche“ gab. Ein neuer Pächter wird gesucht.

Dennoch herrscht in Goldenberg ein buntes Treiben. Vor allem, wenn Schule ist. Das Schulgebäude zählt zu den ältesten Remscheids. Seit 1854 wird das Haus als Schule genutzt. Vor acht Jahren wurde die Goldenberger Schule als Teilstandort in den Lüttringhauser Schulverbund Gemeinschaftsgrundschule Adolf Clarenbach / Goldenberg eingegliedert. Unterrichtet wird hier nach der Montessori-Methode, bei der die natürliche Freude des Kindes am Lernen im Fokus steht.

Direkt angrenzend steht die Turnhalle des Goldenberger Turnvereins (GTV). Der Verein wurde 1982 von 13 jungen Männern in der Gaststätte „Haus Goldenberg“ gegründet. Trainiert wurde in den Anfängen damals auf der Kegelbahn der Gaststätte. 1900 zogen die Turner in die „Villa Goldenberg“ am Singerberg um. 1840 erbaut, wurde die denkmalgeschützte Villa von der Erbengemeinschaft 1964 an die Stadt Remscheid verkauft.

Zu dem Zeitpunkt trainierten die Goldenberger Turner schon längst in der eigenen Turnhalle. Durch eine großzügige Spende des Fabrikanten Adolf Westen, nach dem die gegenüberliegende Siedlung benannt ist, konnte der heute so markante und unter Denkmalschutz stehende Bau für Goldenberg 1911 errichtet werden. Das Angebot des Vereins hat sich seitdem stark entwickelt und erweitert. Neben klassischen Sportarten wie Gymnastik oder Fußball hat sich der GTV vor allem auch einen Namen mit modernen Angeboten für die junge Generation gemacht – etwa mit Parkour oder Jumping-Fitness.

Läuft man an der Turnhalle vorbei in den Wald, gelangt man zur Goldenberger Kirche, Teil der Evangelischen Kirchengemeinde Lüttringhausen. Sie wurde 1955 am Singerberg errichtet. Zusätzlich zu den regelmäßigen Gottesdiensten wird sie gerne für Konzerte genutzt. Große Operettensänger traten hier schon genauso auf und begeisterten die Gäste wie etwa das Bläserquartett mit dem Benefizkonzert zugunsten des F(l)air-Weltladens. Der Kirchgarten mit seinem prägnanten Eingangstor mit Luther-Rose wird ebenfalls gerne für außergewöhnliche Veranstaltungen genutzt. Erst vergangenes Wochenende lud die Kirchengemeinde dort zum gemütlichen Grillen und Beisammensein bei „Church and Chill“ ein.

Schlendert man von der Kirche aus den Singerberg oder den Goldenberger Kirchweg weiter herunter Richtung Remscheider Straße, passiert man irgendwann eine Reihe schöner alter Fachwerkhäuser. Liebevoll werden sie gepflegt, die Aufgänge mit Details versehen. Die zum Teil unter Denkmalschutz stehenden Gebäude sind Zeugen vergangener Tage, als der Goldenberg noch Wohnort der vermögenden Hammerwerksbesitzer war, die am Fuße des Goldenbergs im Leyerbach- oder Diepmannbachtal ihre Betriebe hatten.

Markantes Gebäude in Goldenberg: Hier ist der Turnverein untergebracht. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Die Straßennamen wie „Zum Danielshammer“ erinnern noch heute daran. Über diese Straße gelangt man dann schließlich zum anderen Fußende des Goldenbergs mit Blick auf Nüdelshalbach und Stursberg.

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