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Remscheid: Mit Engagement zu weniger Hausmüll

Müll einsparen in Remscheid : Mit Engagement zu weniger Hausmüll

Sandra Westenhöfer-Grammeth versucht nach dem Zero-Waste-Prinzip zu leben. Leicht ist das nicht, aber mit ein wenig Engagement lässt sich viel Müll einsparen. Im Haushalt fällt mittlerweile 50 bis 70 Prozent weniger Abfall an.

Es ist keine Entscheidung, die sie über Nacht gefällt hat. Sandra Westenhöfer-Grammeth hat schon länger gedacht, dass doch eigentlich zu viel Müll im Haushalt anfällt. „Mich hat irritiert, dass die Mülltonne immer so schnell voll war. Da habe ich gedacht: Das geht doch auch anders“, sagt die 44-Jährige. So habe sie eine ganze Menge an Möglichkeiten entdeckt, wie sich Hausmüll vermeiden lasse. „Zero Waste – also ein Leben ganz ohne Müll – ist natürlich eine Hausnummer. Das schafft man nicht einfach so“, sagt Sandra Westenhöfer-Grammeth. In ihrem Drei-Personen-Haushalt würde dennoch mittlerweile 50 bis 70 Prozent weniger Müll anfallen als zuvor.

Die Entscheidung dazu müsse jeder in seinem Alltag selbst treffen. „Man muss sich schon umstellen, das ist keine Frage“, sagt die 44-Jährige. Sie selbst verwende keine Duschgele oder Shampoos in Flaschen mehr, sondern Seife und festes Shampoo. „Kurios ist dabei, dass wir seit etwa anderthalb Jahren die Vorräte an Flüssigseife aufbrauchen“, sagt die Remscheiderin lachend und ergänzt: „Da zeigt sich mal, wie viel Vorräte man eingelagert hat.“ Gleiches habe fürs Spülmittel gegolten. Das kauft Sandra Westenhöfer-Grammeth mittlerweile im Unverpackt-Laden. „Dort bekommt man ohnehin sehr viele Gebrauchs- und Lebensmittel. Ich kaufe entweder in Radevormwald oder in Wermelskirchen ein“, sagt sie. Da falle natürlich der Fahrtweg an. Daher sei die Freude groß, dass im März auch in Remscheid ein Unverpackt-Laden seine Pforten öffnet. „Den Laden, der an der Hindenburgstraße sein wird, habe ich auch per Crowdfunding unterstützt“, sagt die 44-Jährige.

Um sich über die Möglichkeiten, ohne Verpackungen einzukaufen, zu informieren, habe sie sich bei der Facebook-Gruppe „Zero Waste Bergisches Land“ angemeldet und sei dort mittlerweile auch als Administratorin aktiv. „Das ist sehr hilfreich, gerade dann, wenn man Fragen hat. Etwa die, wo es unverpackte Butter gibt. So werden Soziale Netzwerke mal sinnvoll genutzt“, sagt Sandra Westenhöfer-Grammeth. Die unverpackte Butter gibt es übrigens entweder auf dem Wochenmarkt oder im Bio-Markt Denn’s.

Manchmal seien es aber auch die kleinen Dinge, bei denen sich Müll einsparen lasse. „Natürlich sind es die ganzen Plastik- und Papiertüten, die man vermeiden kann. Auch die Brötchentüten beim Bäcker müssen schließlich irgendwo produziert werden und landen direkt wieder im Müll“, sagt die 44-Jährige. Und manchmal helfe auch der Vorbildeffekt, wie sie weiter erzählt. „Ich bin jetzt immer mit dem Stoffbeutel beim Bäcker. Neulich war da eine ältere Dame, die das mitbekommen hat. Sie hat dann gesagt, dass das eine gute Idee sei, und hat selbst eine Stofftüte aus ihrer Tasche gezogen.“ Beim riesigen Müllfaktor Coffee-to-go-Becher habe sie sich hingegen gar nicht umstellen müssen: „Das fand ich noch nie schön, deswegen muss ich ihn jetzt auch nicht weglassen.“

Der meiste Müll, der aktuell im Haushalt der 44-Jährigen anfalle, stamme aus den Lebensmittelrettungen. Denn auch als Foodsaverin ist Sandra Westenhöfer-Grammeth aktiv. Die geretteten Lebensmittel seien nun einmal meist in Plastik verpackt – dafür würden sie aber gerettet und nicht mit der Verpackung im Müll landen. „Zu den Foodsavern bin ich durch meine Mutter gekommen“, sagt die 44-Jährige.

Etwas Fantasie gehöre dazu, wenn man sich mit Müllvermeidung beschäftige. „So findet man immer Alternativen“, ist die Remscheiderin überzeugt. Auch Kleinvieh mache Mist. „Jede Tüte, die man nicht braucht, ist eine gute Tüte“, sagt sie. Und erklärt im nächsten Moment lächelnd, dass sie schon seit über einem Jahr keine Mülltüten mehr verwendet habe. Indem sie selbst welche falte. Aus altem Zeitungspapier. Gewusst wie!