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Remscheid: Michael Schulte als gelungener Auftakt für den Evengarten

Michael Schulte war ein gelungener Auftakt für den Evengarten in Remscheid : Streicheleinheit für die Seele in komplizierten Zeiten

Der Singer und Songwriter Michael Schulte eröffnete am Donnerstag den Konzertreigen im nicht überfüllten Eventgarten am Schützenplatz. Die Stimmung im Publikum war ausgelassen.

Krieg, Klima, Katastrophen – die Welt scheint im Moment aus den Fugen geraten zu sein. Um sich dem nicht permanent aussetzen zu müssen, hilft es, sich irgendwie schöne Momente zu verschaffen. An einer guten Prise Eskapismus ist daher aus Gründen der Seelenhygiene nichts auszusetzen. Musik kann so ein Katalysator sein, mit dem man sich ein wenig dringend benötigter Ablenkung verschaffen kann. Wenn es dann noch die im besten Wortsinne gefälligen Pop-Rock-Songs eines Michael Schulte sind, dem Drittplatzierten der 2012er-Ausgabe der Castingshow „The Voice of Germany“, der den diesjährigen Konzertreigen im Eventgarten am Schützenplatz am Donnerstagabend eröffnet, dann fehlen nur noch ein Kaltgetränk und ein lauer Sommerabend, um der Streicheleinheit für die Seele genügend Potenzial zur Entfaltung zu verschaffen.

Die Musik des bestens aufgelegten 32-jährigen Lockenkopfs ist der perfekte Hintergrund für diesen Sommerabend, an dem die Temperaturen sich nach der Hitze des Tages so langsam in gefälligere Regionen bewegen. Es ist nicht übervoll auf dem Schützenplatz, die meisten Besucherinnen und Besucher haben sich im vorderen Teil des Geländes eingefunden, wo die Liegestühle auf Sand aufgestellt sind und Strand-Atmosphäre herrscht – die Tribünen sind praktisch leer. Es dauert allerdings nur genau zwei Songs, ehe besagte Stühle verwaist sind. Eine Aufforderung des sympathischen Sängers - „Steht doch mal alle auf!“ - sowie die mitreißenden Akkorde und eingängigen Melodien der Songs genügen, um die Beach- in eine Party-Zone zu verwandeln.

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Dabei tut Michael Schulte tatsächlich niemandem weh, für Songs wie das angenehm rockige und an den frühen Bryan Adams erinnernde „With you“ oder das ebenfalls ziemlich geradeaus aus den Boxen kommende „Back to the start“ bekommt das Nordlicht – geboren und aufgewachsen ist Michael Schulte in Eckernförde in Schleswig-Holstein – mehr als nur Höflichkeitsapplaus aus allen Richtungen. Und auch ein ganz neuer Song, den er über seine Erfahrungen als Jung-Papa („Wir haben die vergangenen zwei beschissenen Corona-Jahre dazu genutzt, Kinder zu bekommen“) geschrieben hat, kommt beim Publikum gut an. „Remember me“ ist aber auch eine ziemlich perfekte Pop-Hymne – mit einem eher balladesken Einstieg und einem durchaus rockigen Ausklang.

Michael Schulte hat, was der eine oder andere im Publikum vielleicht gar nicht auf dem Schirm hat, schon sechs Alben veröffentlicht. Ist also durchaus ein Vollprofi, den auf „The Voice of Germany“ zu reduzieren, ein grober Fehler wäre. Der Musiker kann daher für sein etwa zweistündiges Set aus einem entsprechend großen Fundus erstklassiger Stücke auswählen. Diese Profi-Herangehensweise merkt man nicht nur den auf den Punkt dargebotenen Songs an, sondern auch dem ganzen Auftreten der fünfköpfigen Band. Als es langsam dunkel wird, stimmt die Band „Stay“ an. Die imposante Lichtshow mit clever eingesetzter Nebelmaschine sorgt für Gänsehaut, während der Song majestätisch und wuchtig aus den Boxen kommt – insgesamt übrigens auch ein großes Lob an die Soundtechnik, denn der Klang ist nicht nur für Open-Air-Verhältnisse sehr gut austariert, so dass alle Instrumente auf dem ganzen Gelände gut zu hören sind.

Und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Da kündigt Michael Schulte einen ruhigen Song an, das Publikum solle sich doch mal wieder hinsetzen. Und dann präsentiert er in kräftigem und hohem Falsett Bach-Gounods „Ave Maria“ nur mit Keyboard-Begleitung. Sicherlich ein völliger Stilbruch, der aber fraglos Erinnerungswert hat. Genau wie das in bester Crooner-Manier dargebotene Happy-Birthday-Ständchen für zwei Bandmitglieder. Dass es nach diesem beinahe etwas kuriosen Intermezzo einfach wieder weiter im Programm gehen kann, ohne dass man sich als Publikum verwundert die Augen und Ohren reiben muss, ist letztlich ebenfalls nichts anderes als ein Zeichen der hohen Professionalität des Sängers und seiner Band.

Das – vorher nicht angekündigte – Vorprogramm bestreitet übrigens die 22-jährige Wienerin Tina Naderer, die eigens für das Konzert in Remscheid aus ihrer österreichischen Heimat eingeflogen ist. Die Österreicherin, ebenfalls Teilnehmerin bei „The Voice of Germany“, in diesem Fall der 2017er Ausgabe, ist nach eigenen Angaben sehr glücklich, im Eventgarten spielen zu können. Ihre weitgehend balladeske Musik passt zudem bestens zur langsam untergehenden Sonne - und hilft ihrerseits dabei, dem unheiligen Dreiklang aus Krieg, Klimawandel und Katastrophen noch ein Stück weiter zu entfliehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So war der Eventgarten-Auftakt in Remscheid mit Michael Schulte