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Remscheid: Messerattacke – Angeklagter kommt glimpflich davon​

Remscheider vor Gericht : Messerattacke – Angeklagter kommt glimpflich davon

Mit fast 2,8 Promille Alkohol im Blut hatte ein damals 30-jähriger Remscheider im Dezember 2017 an der Carl-Friederichs-Straße den Ex-Mann seiner Schwester aufgesucht, der nur drei Gehminuten entfernt wohnte.

Das Paar hat einen kleinen Sohn, um den ein Sorgerechtsstreit kreiste. Das Gericht in Gummersbach (dorthin war die Frau zwischenzeitlich geflüchtet) hatte dem Vater trotz gewalttätigem Verhalten ein Besuchsrecht alle 14 Tage eingeräumt, aber dem soll sich die Frau zu entziehen versucht haben.

Es soll wohl die Drohung im Raum gestanden haben, dass der Vater seinen Sohn in seine Heimat Jordanien habe entführen wollen. Auch von Nachstellungen und Bedrohungen berichtete die Familie. Dies habe der zwar abgestritten, aber die Forderung nach Einhaltung der Besuchsregelung schien nicht geeignet, das Misstrauen der Kindsmutter zu zerstreuen.

Lässt man die widersprüchlichen Aussagen Revue passieren, scheint der Angeklagte bei diesem Besuch dem Ex-Schwager wohl nahegelegt haben wollen, Deutschland schnell zu verlassen. Der holte sich gegen dieses Ansinnen telefonische Hilfe bei einem Neffen, der als Türsteher zu Streitereien ein robustes Verhältnis hat und mit dem Angeklagten diskutierte. Daraufhin soll der das Handy wutentbrannt zu Boden geworfen haben und – so das Opfer – ein mitgebrachtes Messer aus der Jacke geholt haben. Nicht richtig, so der Angeklagte, das Messer habe zufällig in der Küche gelegen. Damit habe er ihn bedroht, gleichzeitig am Hals gepackt und eine Kopfnuss verpasst, mit dem Messer gefährlich nahe am Hals.

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Das konterte der Bedrohte mit einem Griff in die Klinge, um sie vom Hals wegzudrücken. Eine Drehung des Messers fügte ihm eine Verletzung zwischen Daumen und Zeigefinger zu, gleichzeitig einen Schnitt am Hals. Hatte der Angreifer mit dem Messer jetzt fester zustechen wollen? Die Richterin am Amtsgericht war sich nicht sicher: Der Vorsatz hätte einen Mordversuch bedeutet, deshalb wanderte der Fall zum Landgericht in Wuppertal. Das wertete die Zeugenaussagen aus, hörte sich die wichtigsten Zeugen noch einmal an. Zugunsten des Angeklagten sah es als erwiesen an, dass er nach den ersten Blutspuren das Weite gesucht habe und das Messer auf der Flucht entsorgt habe. Mordversuche gehen anders aus.

Zwar wies das Vorstrafenregister aus früheren Zeiten einige Eintragungen zu Körperverletzungen aus, aber die Alkoholsucht des Täters hatte in den vergangenen fünf Jahren deutlich nachgelassen. Wie der Gutachter feststellte: Er ist jetzt verheiratet, die Enge der elterlichen Wohnung und die Langeweile in der damaligen Arbeitslosigkeit sind weggefallen, die latente Aggressivität ebenfalls. Da die Verletzungen eher unbedeutend waren, die Tat schon lange her ist, waren sich alle Beteiligten einig, dem Angeklagten eine Chance zu geben. Urteil: 18 Monate Haft, aber dies auf Bewährung für zwei Jahre.