Remscheid: Marodierende Bande muss sich verantworten

Prozess in Wuppertal : Marodierende Bande muss sich verantworten

Vier jungen Männern wird vor dem Wuppertaler Landgericht der Prozess gemacht – und das gleich wegen mehrerer Taten.

Spätestens seit diesem Verhandlungstag ist klar: Bei den vier jungen Männern, die sich derzeit vor dem Wuppertaler Landgericht unter anderem wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung zu verantworten haben, kann man getrost von einer „marodierenden“ Bande sprechen.

Gab es bislang nicht nur die Messerstecherei an der Bismarckstraße, sondern noch einen weiteren Angriff mit einem Schraubenzieher, in den einer der Angeklagten verwickelt gewesen sein soll, so gibt es nun plötzlich noch eine dritte Tat, bei der ebenfalls ein Unbeteiligter verletzt worden sein soll. Der junge Mann hatte die Attacke am Rande der Kirmes bei der Polizei angezeigt – sie soll sich am Vorabend der Messerstecherei zugetragen haben und ist nun zum Aktenzeichen in dem derzeit verhandelten Fall geworden.

Auch an diesem Abend sollen die Angeklagten gemeinsam unterwegs gewesen sein. Beim Verlassen der Kirmes sollen sie ihr Opfer von hinten niedergeschlagen haben. Dabei soll auch ein Schlagstock zum Einsatz gekommen sein, das hatte ein Zeuge gleich nach der Tat bei der Polizei bestätigt. Derselbe Zeuge will sich nun allerdings nicht mehr so genau erinnern können und keinen Schlagstock gesehen haben. Auch wer damit zugeschlagen haben soll, fiel ihm vor Gericht nicht mehr ein. Auf Erinnerungslücken berief sich auch ein weiterer Augenzeuge, der im Vorfeld seiner Aussage im Gerichtssaal noch munter mit einem der Angeklagten geplaudert hatte. Es könne zwar sein, dass da jemand zugeschlagen habe – aber wer und womit? Das wisse er beim besten Willen nicht mehr.

Dass die ganze Sache überhaupt zum Bestandteil einer Verhandlung wurde, bei der es bislang um die Messerstecherei, ein dadurch lebensgefährlich verletztes Zufallsopfer und um den Angriff gegen einen Passanten mit Schraubenzieher im Allee-Center ging, hatten die Verteidiger noch erfolglos zu verhindern versucht. Aus Sicht der Anwälte habe diese dritte Tat nichts mit den beiden Hauptvorwürfen zu tun – der Richter sah die Dinge anders und nun gibt es dafür ein weiteres Aktenzeichen. Ausgerechnet die Freundin des mutmaßlichen Schlägers soll dabei auch noch ein Video gedreht haben, das als Beweismittel in der Verhandlung gezeigt wurde. Viel zu sehen ist darauf nicht – aber soviel weiß man mittlerweile: Die Aufforderung, das Geschehen mit dem Handy festzuhalten, soll von einem der Angeklagten gekommen sein. So nach dem Motto: Halt mal drauf, hier passiert gleich was! Der Prozess wird fortgesetzt.