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Remscheid: Markthändler passen sich an Krisensituation an

Verkauf in Remscheid : Markthändler passen sich an Krisensituation an

Die Wochenmärkte in den Stadtteilen finden weiterhin zu den üblichen Zeiten statt. Die Remscheider können dort nach wie vor Lebensmittel für den täglichen Bedarf einkaufen – aber nur Eier, Fisch, Wurst & Co.

Einer Verfügung der Stadt zufolge sind Textilien wie Damenunterwäsche oder Haushaltswaren wie Staubsauger-Zubehör derzeit unzulässig. Diese Händler dürfen ihre Stände nicht aufbauen. „Das Warensortiment beschränkt sich auf Lebensmittel“, macht Ordnungsamtschef Jürgen Beckmann klar. Theoretisch dürften auch Blumen verkauft werden. „Aber die Händler aus den Niederlanden, die sonst mit ihren Pflanzen auf dem Markt stehen, kommen zurzeit nicht“, sagt Beckmann. Ohnehin sei sehr wenig los auf dem Markt.

Natürlich gilt auch hier genauso wie in Supermärkten die oberste Regel, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern: Abstand halten. „Mindestens 1,5, besser noch zwei Meter zu der Warenauslage und zu anderen Menschen“, sagt Viola Juric, Sprecherin des Corona-Krisenstabs. Das funktioniere in Remscheid gut, sagt sie. Jürgen Beckmann ergänzt: „Das Abstandhalten ist den Menschen mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen.“

Das kann Markus Kempe vom gleichnamigen Bauernhof in Lennep bestätigen. „Es läuft diszipliniert ab. Die Kunden halten brav Abstand.“ Viermal die Woche ist sein Team mit dem großen Verkaufswagen auf den Remscheider Märkten vertreten, zudem in Langenfeld und Leichlingen. „Die Stimmung ist trotz allem gut. Es haben sich auch schon einige bei uns bedankt“, freut sich der 32-Jährige über die positive Rückmeldung der Kunden. Und die kauften größere Mengen ein. „Man muss bedenken, die Leute sind nun alle zu Hause, man geht nicht mehr essen, und Kinder bekommen in der Schule oder in der Kita kein Mittagessen mehr. Der Bedarf ist höher als sonst.“ Um das Mehraufkommen zu stemmen, hat Kempe das Markt-Team auf bis zu vier Mitarbeiter aufgestockt.

Vor dem Stand bilden sich durch die Abstandsregel naturgemäß lange Warteschlangen. „Da unser Wagen sehr breit ist, können wir aber bei Bedarf auch die Kunden in zwei Warteschlangen mit dem nötigen Sicherheitsabstand bedienen.“ Und alle hielten sich daran, sagt der Landwirt. „Das Bild ist ein bisschen wie vor Weihnachten.“

Aktuell sei man zudem dazu übergegangen, Wurst und Fleisch abgepackt zu verkaufen und die Leberwurst nicht mehr frisch am Stand aufzuschneiden. Auch der Bezahlvorgang sei hygienischer: Am Marktstand der Kempes kann kontaktlos per EC-Karte oder Smartphone bezahlt werden. Natürlich werde auch Bargeld angenommen.

Momentan gehen Eier, Geflügelfleisch, Kaninchen und Lamm vermehrt über die Theke. Rohe Ware wie Frikadellen und Mettwürstchen eher weniger. Was Kempe und die anderen Beschicker allerdings laut Verfügung der Stadt nicht mehr verkaufen dürfen, sind Imbiss-Gerichte. „Der Verzehr an Ort und Stelle ist nicht mehr erlaubt“, sagt Beckmann. Fischstände dürften etwa noch Backfisch zur Mitnahme verkaufen, aber keine Tische mehr aufstellen, an denen die Kunden speisen. Gegrillte Hähnchenschenkel, Spießbraten- oder Ei-Brötchen auf die Hand am Stehtisch darf Kempe also nicht mehr anbieten. „Dieses Geschäft ist komplett weggebrochen“, sagt er.

So auch das traditionelle Ostergeschäft: Der Lenneper Bauernhof bedruckt beispielsweise Eier mit einem Logo. Parteien und Vereine verteilten diese gern vor Ostern in der Innenstadt. Das fällt nun aus. Um gegenzusteuern und um in der Corona-Krise die Menschen zu versorgen, haben die Kempes vor ihrem Hofladen in Buchholzen, der weiterhin geöffnet ist, einen Regiomaten aufgestellt. Er wird zweimal täglich befüllt. An diesem können Kunden rund um die Uhr Fleisch, Eier, Wurst im Glas und Likör aus dem Hause Kempe kaufen. Zudem Nudeln von einer Manufaktur in Marienheide, hergestellt aus Kempe-Eiern.