Remscheid: Malbuch macht Lust auf gesundes Essen

Schule in Remscheid : Malbuch macht Lust auf gesundes Essen

Auf Initiative des Kinderschutzbundes erhalten 1270 Grundschüler an sechs Schulen ein Arbeitsbuch, das Lust auf Bewegung und gesunde Mahlzeiten macht. Rund 50 Sponsoren haben es finanziert. Zielgruppe sind auch die Eltern.

Ein Frosch mit Mütze, der Freunde sucht, hilft 1270 Remscheider Grundschülern seit diesem Schuljahr dabei, die Vorteile von Bewegung und gesunder Ernährung auf spielerische Art und Weise kennenzulernen. „Agi findet Freunde“ heißt das Mal-, Spiel- und Arbeitsbuch, das an den Grundschulen Hackenberg, Hasenberg, Dörpfeld, Daniel-Schürmann, Eisernstein und Steinberg zum Einsatz kommt.

Das Buch der Verlagsgruppe KIM wird den Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt. Sabine Gerhardts vom Detmolder Verlag hat 50 Sponsoren in Remscheid gefunden, die das Modellprojekt finanzieren. 3000 Adressen wurden kontaktiert.

Vermittler zwischen Verlag und Schulen war Karl-Richard Ponsar.  Alarmiert über Meldungen, wonach jedes fünfte Grundschulkind in Deutschland übergewichtig ist, sandte der Vorsitzende des Kinderschutzbundes Remscheid, der viele Jahre im Schuldienst verbrachte,  nach einer Anfrage des Verlages einige Probeexemplare des 36-seitigen Heftes an die Schulleiterinnen. Er bekam von ihnen sehr positive Rückmeldungen. Einhellige Resonanz: Das ist das, was uns bisher fehlt.

Das Thema Gesundheit und Bewegung sei schon länger Teil des Schulprogramms, sagt Judith Flohr von der Grundschule Dörpfeld, die seit 2011 als Tut-Mir-Gut-Schule zertifiziert ist, und regelmäßige Bewegung im Schulalltag integriert hat.  Das Malbuch mit Frosch Agi bereite die Themen sehr kindgerecht und ansprechend auf und aktiviere zum Mitmachen, sagt Flohr. Die schwarz-weiß gehaltenen Bilder können ausgemalt werden, es gibt Würfelspiele und Rezepte. Anders als andere Materialien, die oft überladen und mit Werbung voll gestopft seien, lasse es sich gut bereits in der zweiten Klasse einsetzen.

Regina Schröder von der Grundschule Hackenberg setzt darauf, dass die Kinder das Thema gesunde Ernährung aus dem Schulunterricht auch mit nach Hause zu den Eltern tragen und dort für Veränderungen sorgen. Etwa indem die Kinder ihre Eltern bitten, ein Gericht aus dem Buch doch mit ihnen gemeinsam einmal nach zu kochen. Oder indem sie auf den Einkaufszettel Einfluss nehmen. Die Erfahrung zeige, dass die Kinder daheim oft Fertigprodukte zu Essen bekommen. Häufig seien beide Eltern berufstätig. Das gekaufte Schokoladencroissant ersetze das selbst geschmierte Pausenbrot oder den Apfel. Über die Kinder sei es möglich, die Eltern zu erreichen, sagt Judith Flohr.

Alle teilnehmenden Schulen sind froh, dass das Heft mit Frosch Agi über Spenden finanziert werden konnte. Aus dem Etat für Schulbücher und Arbeitsmaterialien sei das Heft nicht zu bezahlen, sagt Regina Schröder. Die gedeckelten Mittel der Schulen fließen in Lernmaterialien für Fächer wie Deutsch oder Mathematik. Abwälzen auf die Eltern aber könne man die Kosten auch nicht. Mit 12 Euro Zuzahlung pro Schuljahr haben sich die Schulen eine Grenze dafür gesetzt, was für die Eltern zumutbar ist.

Karl-Richard Ponsar hofft, dass das Projekt Schule macht. Da die Remscheider Grundschulen gut vernetzt seien und es auch Arbeitskreise gibt, würden die Erfahrungen der sechs Schulen mit dem kindgerechten Ernährungsbuch sicher auch bei den anderen Schulen ankommen. Wie man das Projekt in diesem Fall für alle Grundschulkinder finanziert bekommt, müsse dann geklärt werden.

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