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Remscheid: Lenneper singen in der Carnegie Hall

Kultur in Remscheid : Lenneper singen in der Carnegie Hall

23 Sänger reisen nach New York. Am 17. Juni geht der Flieger. Neben drei Proben-Tagen mit mutmaßlich 300 bis 400 anderen Sängern steht in den USA auch Sightseeing auf dem Programm.

Er stand im Mai 2015 in der Zeitung, der Bericht „Tango-Messe begeistert“. Thema war die Aufführung des Lenneper Kirchenchores, der Sopran-Solistin Hae Min Geßner und eines Kammerorchesters in Begleitung des Berliner Tango-Ensembles „La Bicicleta“. Aufgeführt hatten sie die Tango-Messe „Misa a Buenos Aires“, genannt „Misatango“, von Martín Palmeri, dem im Juli 1965 geborenen Komponisten.

Der ist Komponist von Vokal- und Instrumentalwerken, von denen viele von Form und Harmonik des Tango Nuevo inspiriert sind, darunter Opern, Oratorien, Chor- und Orchesterkompositionen. Tango Nuevo ist die eher nicht tanzbare Kunstform des Tangos, wie sie Astor Piazzolla (1921-1992) weltweit „salonfähig“ gemacht hat. Palmeri war mit der „Misatango“ – als begleitender Pianist – in ganz Europa unterwegs.

Mittlerweile kümmert er sich um ein noch größeres Projekt: die große „Gran Misatango“. Da sind Orchester, sechs Solisten und ein sehr großer Chor gefragt. Und an dieser Stelle kommt die Carnegie Hall ins Spiel, New Yorks legendäre Konzertstätte in Manhattan (New York City) an der Ecke 57. Straße und 7. Avenue mit verschiedenen Sälen mit mindestens 270 und maximal 2800 Sitzplätzen. Dieses Event-Unternehmen erfahre keinerlei staatliche Unterstützung, sagt der Lenneper Kantor Johannes Geßner – und sei darum umso geschäftstüchtiger.

Immerhin sind findige Mitarbeiter auf der Suche nach Chören, die schon einmal Palmeris „Misatango“ aufgeführt haben, auf den Kirchenchor in Lennep gestoßen. Und sie schrieben Johannes Geßner an, ob er nicht mit seinem Chor an der Uraufführung mitwirken wolle. Geßner stellte dies dann in allen Chören zur Disposition – aufrichtigerweise als wohlfeile Mischung zwischen teurem Vergnügen und nachhaltigem Erlebnis.

Denn welche Musikerin, welcher Musiker möchte nicht von sich sagen dürfen: „Ich bin schon mal in der Carnegie Hall aufgetreten.“ Am Sonntag, 23. Juni, ist es schließlich so weit. 23 Sänger proben den anspruchsvollen Chor-Part, seit im Januar die Noten eingetroffen sind. Am 17. Juni geht der Flieger. Neben drei Proben-Tagen mit mutmaßlich 300 bis 400 anderen Sängern stehen auch ein paar Tage Sightseeing auf dem Programm. Manche fahren auch früher oder reisen später wieder ab, um einen Urlaub mit dem Ereignis zu verbinden. „Das wird gigantisch“, ist sich der Kantor sicher und sieht in dem Unternehmen New York auch einen Image-Gewinn. Es werden auch ein paar Angehörige von Sängern mitfahren. Das Unternehmen „Distinguished Concerts International New York (DCINY)“, Kantor und Sänger sind dankbar, dass die Evangelische Kirchengemeinde Lennep das Unterfangen ideell und verwaltungstechnisch unterstützt.

Das Konzert ist übrigens überschrieben mit „Buena Onda – Musik aus Südamerika“, wobei „onda“ an sich die Welle ist, „buena onda“ so viel wie nett bedeutet und „qué buena onda“ auch „klasse“.

2014 war Johannes Geßner gerade seit einem Jahr im Lenneper Amt, als er aufgrund des Tipps eines Freundes zur Palmeri-Messe griff, die als etwas Besonderes gilt und in Remscheid auch noch nie aufgeführt worden war. Das sei super angekommen.

Auch wenn die neue Messe schon wegen der vielen Solisten eine Nummer zu groß sein könnte, ist die Uraufführung in New York mit Martín Palmeri womöglich doch Anlass, noch einmal ein Programm mit Tango-Nuevo-Elementen einzustudieren.

Bei der Uraufführung am 23. Juni (14 Uhr Ortszeit) im „Isaac Stern Auditorium“ mit 2800 Sitzplätzen auf fünf Ebenen werden die Liederzyklen „El San Pedro“ und „Opereta Ecológica“ von Alberto Grau, die „Misatango“ von Palmeri sowie alsdann – geleitet von Saul Zaks und vermutlich am Klavier begleitet vom Komponisten – die uraufzuführende „Gran Misa“ zu hören sein. Mit dabei sind das „distinguished“ (herausragende) Orchester und der „distinguished“ internationale Chor.