Weitere Fälle bekannt Das Vandalismus-Problem an Lenneper Schulen

Lennep · Erst schmierten Unbekannte einem Lehrer zufolge auf einen Pavillon im Röntgen-Gymnasium die Nazi-Parole „Hitler wird siegen“. Jetzt drehten Täter in einer Grundschule Herdplatten auf und verschwanden.

 So sah es nach Ostern in der Rögy-Mensa aus.

So sah es nach Ostern in der Rögy-Mensa aus.

Foto: privat/Privat

Mehrfach war es in der jüngsten Vergangenheit zu Vandalismus in Lenneper Schulen gekommen. Neben der Zerstörung am Röntgen-Gymnasium wurden jüngst auch die Realschule in Hackenberg sowie die Walther-Hartmann-Schule Opfer einer ähnlichen Tat. Nun diskutierte die Politik im Schulausschuss die Ideen der Fraktionen zu Maßnahmen gegen die Zerstörung.

Alexander Schmidt (CDU), Lehrer am Röntgen-Gymnasium: „Vergangenes Wochenende sind an der Realschule Hackenberg die Oberlichter mit großen Steinen eingeworfen worden. Das Forum ist zerstört worden, zwei Räume sind bis heute nicht nutzbar.“ Weiter seien Täter in die Walther-Hartmann-Grundschule eingebrochen. „Diese Leute haben alle Herdplatten aufgedreht. Gut dass nichts Schlimmeres passiert ist.“

Die Polizei bestätigte die Einbrüche: „Am 31. Mai wurde an der Albert-Schweitzer-Realschule eine Sachbeschädigung festgestellt. Drei Jugendliche konnten auf dem Schuldach ausfindig gemacht und festgenommen werden“, so Pressesprecher Stefan Weiand. Die jungen Menschen seien zehn, 15 und 19 Jahre alt gewesen und seien an ihre Eltern übergeben worden. Ein Strafverfahren sei eingeleitet.

Der Vorfall an der Walther-Hartmann-Grundschule habe sich am 3. Juni ereignet. Die Täter hätten versucht, ins Direktorenzimmer einzudringen, seien aber gescheitert und dann erfolgreich durch die Hintertür in die Schule gelangt, so der Sprecher. Die Täter hätten mehrere Räume verwüstet und einen Sicherungskasten aufgehebelt. Die Polizei ermittle noch.

Schmidt trug auch erneut die Verwüstung vor, die an seiner Schule über Pfingsten stattgefunden hatte: „Ich ging an dem Tag auf den Schulhof und habe gesehen, dass diverse Scheiben vom Lehrerzimmer eingeschlagen wurden. Die Täter haben die Scheiben nicht nur eingeschmissen, sondern sind auch eingedrungen, überall lagen zerdepperte Glasflaschen. Auf einer Länge von ungefähr 20 Metern sind alle Toilettenfenster der Jungs und Mädchen zerschlagen worden.“

Er führt aus: „Dann gingen wir zum Pavillon. Der war komplett eingetreten, innen wurden Feuerlöscher rausgerissen.“ Schmidt hielt inne: „Und jetzt kommt etwas, das ich nur schwer über die Lippen bringe. Ich distanziere mich davon ausdrücklich: Daran stand ‚Hitler wird siegen‘.“

Schmidt dankte der Verwaltung für die schnelle Reaktion inklusive erster Reparatur-Maßnahmen. Allerdings seien bereits in der darauffolgenden Nacht sowie in der Nacht darauf erneut die Fenster eingeschlagen worden. „Drei Tage am Stück“, fasste Schmidt zusammen. Er resümierte: „Wir haben langsam ein neues Level, eine neue Qualität an Einbrüchen erreicht.“

Besonders auffallend war der Politik zufolge, dass sich die Vandalismusfälle vor allem auf Lennep konzentrierten. Bei einem großen Teil der Vorfälle mag das zwar stimmen, doch kann die Polizei auch einen Fall aus den vergangenen Tagen nennen, dem an der Wilhelmstraße: Laut Weiand sind auch dort Täter in die Ganztagshauptschule durch die Türverglasung eingedrungen. „Im Inneren haben die Täter eine Verwüstung hinterlassen und in der Turnhalle einen Feuerlöscher entleert.“

Nun entbrannte in der Sitzung eine Diskussion darüber, wie man dem Vandalismus Herr werden könnte. Die CDU verwies auf ihren Antrag, dem zufolge die Stadt den Einsatz von Bewegungsmeldern, Videoüberwachung und Alarmanlagen zu prüfen habe sowie weitere präventive Maßnahmen. Den Präventionsantrag der SPD, Grünen und FDP, der das Konzept „Das macht Schule“ in Remscheid umsetzen will, kritisierten die Christdemokraten dagegen. „Einige Kollegen haben den Kopf geschüttelt über diesen Antrag. Uns fliegen hier die Scherben um die Ohren, und wir sollen mit Schülern Workshops mit Handwerkern machen?“, bemängelte Schmidt.

Das Modell „Das macht Schule“ sieht unter anderem vor, dass Schüler und Lehrer in Workshops für den Schutz der Schulgebäude sensibilisiert werden und unter Hilfe örtlicher Handwerker Reparaturen an den Gebäuden vornehmen. Dass die Schüler dem Antrag zufolge die Vandalismus-Schäden auch noch „selbst wegmachen“ sollten, sei „Spott und Hohn“, sagte Schmidt.

Erden Ankay-Nachtwein (SPD) hielt dagegen: „Ich weiß, dass Vandalismus nicht erst seit gestern ein Problem ist. In unserem Antrag geht es darum, die Kinder einzubinden, nicht die Kinder die ganze Arbeit übernehmen zu lassen. Pädagogisch ist es so: Wenn die Kinder selbst an dem Gebäude mitwirken, machen sie nicht so schnell wieder etwas kaputt.“ Auch gehe es den Fraktionen nicht darum, den Lehrern etwas vorzuschreiben, sondern einen pädagogischen Lösungsansatz zu bieten.

Lars Jochimsen (Grüne) betonte, dass es in der weiteren Maßnahmenentwicklung wichtig sei, den üblichen Vandalismus durch Schüler in der Schulzeit von der nach der Schulzeit zu unterscheiden. Auch Bernd Schaub (FDP) bestätigte: „Die Situation in Lennep muss man losgelöst und über die Präventionsmaßnahmen hinaus betrachten.“ Kameras aufzustellen halte er für keine gute Idee, bevor die Polizei nichts Genaueres zu den Ermittlungen sagen könne. Die Verwaltung bestätigte, dass Kameras datenschutzrechtlich schwierig an Schulen umsetzbar seien. Auch, wer die dabei entstehenden Datenmengen überprüft, sei ein Knackpunkt.

Auch die Linke legte mit echt.Remscheid einen Antrag vor, der KI-gesteuerte Radartechnik auf dem Rögy-Schulhof installieren will. Der Radar alarmiere den Ordnungsdienst, sobald sich außerhalb der Nutzungszeiten jemand auf dem Schulgelände befinde. Sowohl FDP als auch CDU merkten jedoch an, dass der kommunale Ordnungsdienst nachts nicht im Einsatz sei. Das sei aber die Haupttatzeit in vielen Fällen.

Am Ende konnte sich die Ausschussmehrheit jedoch zumindest darauf einigen, die vorgebrachten Vorschläge von SPD, Grünen und FDP sowie die der Linken und echt.Remscheid durch die Verwaltung prüfen zu lassen. Die Anträge der CDU wanderten in den Hauptausschuss.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort