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Remscheid: Lebenslange Haft für Mord aus Habgier

Remscheider verurteilt : Lebenslange Haft für Mord aus Habgier

Unversöhnlich standen sich Anklage und Verteidigung in ihren Plädoyers gegenüber. Den Angriff des 35-jährigen Remscheiders, der zum Tod der Stiefoma (79) seiner ehemaligen Lebensgefährtin führte, sahen sie jeweils anders.

Gab es eine längere Planung einer Tat aus Habgier, wie es die Anklage sah, oder war es eine Affekthandlung in einer ausweglosen Lebenssituation?

Die Staatsanwältin zählte die Widersprüche auf, mit denen sich der Angeklagte selbst belastet habe, wie auch die Ankündigung mehrere Tage vorher, er würde geliehene 400 Euro am Tattag zurückzahlen. Die Spuren der Tat hätten nicht zu den eigentlich schlüssigen Schilderungen des Angeklagten gepasst. Sei es die Tatwaffe, die nie gefunden wurde – angeblich ein Steakmesser, aus der Schublade in der Küche des Opfers genommen. Nach den Blutspuren auf der Tischdecke aber ein Klappmesser, wie es der Angeklagte besessen haben soll. Solch ein Messer mit einer Klingenlänge von 20 cm habe nicht in die Schublade gepasst, so die Staatsanwältin. Im Messerblock, obwohl viel griffgünstiger, habe kein Messer gefehlt – und die Behauptung des Angeklagten, sich mit Messern nicht auszukennen, sei erlogen.

Eine Tat im Affekt wäre nicht vorstellbar, das passe nicht zur Beherrschtheit des Angeklagten. Ähnliche Ausraster seien nicht bekannt. Sein Lebenslauf aber sei geprägt von Unaufrichtigkeit und Lügen, mit denen er eine brüchige Fassade konstruiert habe. Es sei also, davon war die Staatsanwältin überzeugt, ein von Anfang an aus Habgier geplanter Mord an einem wehrlosen Opfers gewesen. Sicher sei das anfängliche Teilgeständnis zugunsten des Angeklagten zu werten. Aber dass man noch nicht einmal die teuren Schuhe gefunden habe, die er nach der Tat gekauft haben wolle, beweise nur ein weiteres Mal, dass alle seine Aussagen mit erheblichem Misstrauen zu werten seien. Die Forderung der Anklage: Lebenslange Haft, von einer „besonderen Schwere der Schuld“ solle aber abgesehen werden.

Die Verteidigung bestritt nicht die Tat, sah aber ein juristisches Zusammenzählen einzelner Aspekte als nicht weiterführend an. Es gäbe einen Täter, der Probleme mit der Realität habe, auch mit der eigenen. Nicht die vergleichsweise geringe Beute sei der Grund für einen Totschlag gewesen, wie der Verteidiger es sah. Schließlich hätte er das Doppelte bei der Bank abheben können. Das Missverhältnis zwischen Beute und Straferwartung hätte bei jeder rationalen Überlegung zum Verwerfen der Tatplanung führen müssen – außerdem sei es unwahrscheinlich, dass der Angeklagte, der noch nie einen Plan in seinem Leben durchgehalten habe, dies nun ausgerechnet bei einem Mordplan schaffe.

Es sei auch nicht die Ablehnung der Bitte um Geld, sondern allein der Vorwurf des Lebensversagens gewesen, der zum Affekt geführt habe. Die Spuren des Messers seien nicht eindeutig, seine widersprüchlichen Aussagen könne man damit begründen, dass er die Tat mehr gefühlt als erlebt habe. Eine Spurenbeseitigung habe es nicht gegeben, er habe sich selbst gestellt. Seine Forderung: Beschränkung der Haft auf acht Jahre.

Die Gelegenheit zu einem letzten Wort nutzte der Angeklagte nicht. Das kreidete ihm das Gericht an. Die Verurteilung zu lebenslanger Haft folgte. In der Begründung wurde „Habgier“ als treibendes Element herausgestellt. Es habe nach Zeugenaussagen schon einmal eine Ausleihung von 1000 Euro gegeben, die nie zurückgezahlt worden sei, weitere Unterstützung hatte das Opfer deshalb kategorisch abgelehnt. Es dürfte dem Angeklagten klar gewesen sein, so das Gericht, dass es sich beim Opfer um einen „toten Ast“ gehandelt habe, von dem nichts mehr zu ernten gewesen wäre. Die gute Organisation spräche gegen die Einschränkung der Schuldfähigkeit.