Remscheid: Lebendige Gemeinde in Bergisch Born

Gotteshäuser in Remscheid : Lebendige Gemeinde in Bergisch Born

Die evangelische Kirche in Bergisch Born ist zahlenmäßig die kleinste im Kirchenkreis, von der Fläche jedoch die größte. Die Kirche liegt ein wenig versteckt an der B 51.

Wenn man nicht weiß, wo man abbiegen muss, ist man schnell daran vorbeigefahren: Die evangelische Kirche in Bergisch Born liegt nämlich durchaus ein wenig versteckt an der Bundesstraße 51 zwischen Wermelskirchen und Lennep. Sie ist eine moderne Kirche, protestantisch schlicht gestaltet. Von außen wirkt sie bei einem nur flüchtigen Blick beinahe wie ein Mehrfamilienhaus. Nur die langgezogenen Fenster und der erstaunlich niedrige Kirchturm mit dem Kreuz darauf sagen dem Betrachter, dass es sich hierbei um eine Kirche handelt.

Die Grundsteinlegung der evangelischen Kirche, deren Gemeinde die flächenmäßig größte im Kirchenkreis ist, datiert ins Jahr 1951 zurück. Schon im Jahr 1924 war ein Kirchbauverein gegründet worden, das Grundstück neben dem Bahnhof wurde Anfang 1934 erworben. Dennoch sollte es noch bis zum
12. Juli 1953 dauern, bis die Kirche eingeweiht werden konnte.

Heute ist die evangelische Gemeinde Bergisch Born seit 2017 in einer Kooperation mit der in Hückeswagen. „Das funktioniert auch wunderbar. Seit dem 1. September des vergangenen Jahres ist unser langjähriger Pfarrer Reinhard Feyka nach über 33 Jahren in den Ruhestand gegangen. Bis nun zum 1. September unsere neue Pfarrerin Dr. Anke Mühling ihren Dienst antreten wird, haben wir die Gottesdienste gemeinsam mit den Hückeswagener Pfarrern gefeiert“, sagt Angelika Macholl, die seit 1972 in der Gemeinde aktiv und derzeit Vorsitzende des Borner Presbyteriums ist.

Bergisch Born war ab 1963 eine selbständige Gemeinde, davor gehörte sie zu Hückeswagen. Im Rahmen der Kooperation mit der Schloss-Stadt sind die Gemeinden formal eigenständig, arbeiten aber eng zusammen. „Von unserem Superintendenten Hartmut Demski haben wir die Genehmigung bekommen, am ersten Sonntag des Monats eine Monatsanfangsandacht ohne Pfarrer zu feiern. Den Gottesdienst am zweiten und dritten Sonntag feiern dann die Pfarrer aus Hückeswagen hier und den vierten Sonntagsgottesdienst feiert unser Prädikant Paul Völpel“, sagt Angelika Macholl.

Bei einem fünften Sonntag im Montag werde Unterstützung im Kirchenkreis angefragt. Am 11. Juni soll Dr. Anke Mühling in der Hückeswagener Pauluskirche gewählt werden. Sie werde dann ab dem 1. September mit einer halben Stelle für Bergisch Born zuständig sein. „Der Rückhalt in der Gemeinde ist sehr gut, das sieht man an dem Vertrauensvorschuss, den wir im Presbyterium in vielerlei Hinsicht bekommen“, sagt Angelika Macholl.

Obwohl die Gemeinde Bergisch Born von der Fläche her so groß ist, ist sie zahlenmäßig die kleinste Gemeinde im Kirchenkreis. Dennoch ist das Gemeindeleben sehr rege. „Wir haben etwa einen sehr guten Chor, der von Karin Hilger geleitet wird. Ursprünglich war das ein reiner Männerchor, aber irgendwann hat er sich zum gemischten Chor gewandelt“, sagt Angelika Macholl. Auch sonst sei die Kirchenmusik in Bergisch Born sehr gut aufgestellt, was auch an dem Organisten Christof Zacher liege: „Christof Zacher ist schon viele Jahre unser Organist und spielt wirklich ganz hervorragend“, sagt die Presbyteriums-Vorsitzende.

Neben regelmäßig organisierten Bibelgesprächen, die an jedem zweiten und vierten Montag im Monat stattfänden, gebe es Frauenkreise und einen Seniorentreff, sagt Angelika Macholl. Sie ergänzt: „Wir haben auch eine Gruppe für wanderfreudige Männer, die sich immer am letzten Mittwoch im Monat am Gemeindehaus treffen.“ Die Gemeinde stehe zusammen, es gebe viele Feiern und Feste. Auch die Zusammenarbeit mit der IG Bergisch Born sei sehr gut, bestätigt Angelika Macholl.

In der Kirche habe es seit ihrer Einweihung vor 66 Jahren noch keine größeren Renovierungsarbeiten gegeben. „Abgesehen von einigen Anstrichen der Wände ist alles noch original vorhanden“, bestätigt Angelika Macholl. Derzeit werde jedoch das Pfarrhaus renoviert und auch neue Energieversorgungsleitungen würden jetzt gelegt werden. „Seit dem Einzug des ersten Pfarrers Artur Girolstein im Jahr 1963 wurde auch am Pfarrhaus nichts gemacht – da müssen wir jetzt mal ran“, sagt Angelika Macholl.

Angelika Macholl ist die Vorsitzende des Presbyteriums in Bergisch Born. Sie hat hier im Jahr 1972 als Jugendleiterin angefangen. Foto: Moll, Jürgen (jumo)
Alles original: Seit ihrer Einweihung im Jahr 1953 wurde in der evangelischen Kirche in Bergisch Born nichts verändert. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Ungewöhnlich für eine Kirche sind sicherlich zwei Dinge: „Wir haben hier in der Kirche eine komplett eingerichtete Teeküche und zwei Toiletten“, sagt Angelika Macholl schmunzelnd. Der Grund dafür sei ganz einfach der, dass es anfangs noch kein Gemeindehaus gegeben habe. „Damals wurden die Jugendstunden auf der Empore gehalten, daher brauchte man eben auch Toiletten“, sagt die Presbyteriumsvorsitzende, die selbst als Jugendleiterin gearbeitet hat. „Damit habe ich 1972 hier angefangen.“

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