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Remscheid: Lange Haftstrafe für Beil-Räuber

Überfall im Remscheider Allee-Center : Lange Haftstrafe für Beil-Räuber

36-Jähriger hatte den Real im Allee-Center mit einem Fleischerbeil überfallen. Das Urteil: sechs Jahre und vier Monate Haft wegen schweren Raubes.

Im Prozess wegen des „Fleischerbeil-Raubes“ im Real-Markt im Allee-Center hat das Gericht am Mittwoch das Urteil verkündet: sechs Jahre und vier Monate Haft wegen schweren Raubes. Die Kammer ordnete die Unterbringung des drogenabhängigen Angeklagten in einer Entziehungsanstalt an. Davor muss der 36-Jährige ein Jahr und vier Monate in der Haft absitzen.

Vor der Urteilsverkündung hatte der Remscheider noch selbst über die Tat gesprochen und all das eingeräumt, was ohnehin nicht mehr zu leugnen war. Die Idee, Geld stehlen zu wollen, sei ihm angeblich erst gekommen, als er seine Einkäufe schon auf die Kasse gelegt habe. Eine Pizza und zwei Flaschen Bier waren gerade eingespannt, als er 20 Euro aufs Kassenband gelegt und kurz darauf der Kassiererin ein Fleischerbeil an den Hals gehalten haben soll. „Ich habe es auf meiner Haut gespürt“, hatte die Zeugin dem Gericht unter Tränen erzählt. Sie habe die Drohung des Angeklagten, dass er ihr den Kopf abschneiden werde, wenn sie ihm nicht das Geld aus der Kasse geben würde, anfangs für einen Scherz gehalten. Das Lachen sei ihr vergangen, als sie kurz darauf das Fleischerbeil gesehen habe. Sie selbst sei in Panik weggelaufen – währenddessen soll eine Kundin dem Angeklagten den Einkaufswagen von hinten in die Beine geschoben haben. Der habe sich jedoch nicht davon abhalten lassen, seine Einkäufe im Rucksack zu verstauen. Zuvor habe er noch in die Kasse gegriffen und fünf Zehn-Euro-Scheine mitgehen lassen.

Auch der herbeigeeilte Security-Mitarbeiter habe den mit dem Fleischerbeil drohenden Mann nicht aufhalten können. Der war daraufhin über die Tiefgarage auf die Straße geflohen, um sich dort in das Auto einer ihm unbekannten Frau zu setzen. Die soll er dazu gedrängt haben, ihn nach Hause zu fahren – das Beil will er zuvor im Rucksack verstaut haben. Die Frau sei schreiend aus dem Auto gestiegen und er selbst habe sich mehrere Stunden lang in einem Gebüsch versteckt. Als er gerade einen Taxifahrer darum gebeten haben will, ihn zur Polizeiwache zu bringen, sollen die Beamten ihn aufgegriffen haben.

Das Fleischerbeil will der Drogenabhängige bei sich getragen haben, um sich bei Szene-Streitigkeiten wehren zu können. Die ganze Sache beim Real sei eine große Dummheit gewesen, er habe zuvor keine Diebstähle begangen. Stattdessen will er das ihm überlassene Methadonprogramm verkauft haben, um sich davon Kokain zu besorgen.

Vom Vorsitzenden Richter erfuhr der Angeklagte, dass der auch schon eine Anklage wegen Drogenbesitzes gegen die Ex-Frau des 36-Jährigen verhandelt habe. Der Real-Kassiererin hat der Angeklagte einen Entschuldigungsbrief geschrieben – die Frau war damals wegen des Raubüberfalls und der Folgen von der Leiharbeitsfirma drei Tage vor Ende der Probezeit gekündigt worden. Mittlerweile arbeitet sie wieder bei Real – die Mitarbeiterinnen hatten sich dort mit E-Mails an den Arbeitgeber für sie eingesetzt.