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Remscheid: Lange Haft für Angriff mit Hammer

Remscheider verurteilt : Lange Haft für Angriff mit Hammer

Der Verurteilte hatte einen Remscheider in dessen Hauseingang mit einem Kunststoffhammer überfallen. Jetzt muss er für sieben Jahre ins Gefängnis.

Mit erhobener Stimme stellte Anwalt Klaus Wülfing in den Raum: „Niemand hat meinen Mandanten identifiziert!“ Es habe keine Vernehmung des verdächtigen Remscheiders durch die Polizei gegeben. Der angebliche Diebstahlversuch im Rewe-Markt? Es habe keine Anzeige durch den Filialleiter gegeben, später überfallen an der Rosenhügeler Straße. Die knallig weiße Reklame auf seiner Windjacke? Niemand habe die in Erinnerung.

Dunkel sei es gewesen, eine Corona-Maske trage heute jeder. Und sein Mandant sei sauber, es gäbe keine Einträge im Zentralregister. Dies alles bekräftigte der Angeklagte in seinem langen Schlusswort. Über Unstimmigkeiten half ihm sein Gedächtnisverlust vom Abend der Tat, den er sich in Gesellschaft einer Flasche Wodka angetrunken hatte. Die Tatwerkzeuge, ein Kunststoffhammer und ein Cuttermesser, kenne er nicht.

Der Staatsanwalt hingegen sah die Sache kritischer – die Polizei habe ihn in direkter Nachbarschaft aufgegriffen, der Hammer sei in seiner Jacke gefunden worden mit belastenden DNA-Spuren von seinem Opfer. Die Polizei, verärgert nach einer Verfolgungsjagd über die Vordächer des gleichen Hauses am Abend zuvor, habe den in seine Jacke geschoben – so vermutete der Angeklagte.

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Außerdem „nichts mit sauber“, so der Staatsanwalt, er sei in Polen mit 28 schon einmal ein halbes Jahr in Haft gewesen, als Hooligan, ein lebendes Beispiel für Alkohol und Gewalt. Genauere Angaben scheiterten an Problemen der deutschen EDV, die polnischen Behörden aber seien sehr hilfreich gewesen. Ein früherer Kollege und der Hausmeister bestätigten, dass er regelmäßig und viel getrunken habe. Ausbildungen und auch seine Beziehung seien gescheitert, er sei deshalb 1999 zum Geldverdienen nach Deutschland gekommen. Von seinem polnischen Chef betrogen und entlassen habe er den Boden unter den Füßen verloren. Sie selbst hätten nicht mitgetrunken: „Montags kein Wodka.“

Die Blutprobe habe später 1,24 Promille Alkohol und 58 Nanogramm Amphetamine gezeigt, ein kräftiger Wert, aber trotzdem, so die Gutachterin, sei er gezielt vorgegangen, die Steuerungsfähigkeit sei genauso wenig eingeschränkt gewesen wie die Entscheidungsfähigkeit und die Impulskontrolle. Seine Angaben von 1,5 Liter Wodka und mehreren Gramm Amphetaminen pro Tag seien übertrieben, sein allgemeiner Zustand zu gut. Eine verminderte Schuldfähigkeit sei nicht zu begründen.

Das Gericht verurteilte ihn zu sieben Jahren Haft wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung, wie vom Staatsanwalt gefordert. Die Zeugenaussagen, die Indizien und ein fehlendes Geständnis hätten klar gegen ihn gesprochen. Eine – sonst mögliche – mehrjährige Therapie wurde abgelehnt, allein schon wegen nicht vorhandener Deutschkenntnisse. Möglicherweise wird er die Haft in Polen absitzen können.