Remscheid: Kunstschule setzt auf Kooperationen

Kultur in Remscheid : Die Kunstschule setzt auf Kooperationen

Fachbereichsleiterin Teona Gogichaishvili verantwortet ein Kurs-Programm für jedes Alter und für jeden Menschen.

Die Städtische Kunstschule führt im Kulturbetrieb ein Schattendasein. Das war schon immer so. Als sie noch in der Böker-Villa untergebracht war, musste sie sich trotz vieler Versprechen auf Verbesserung ewig mit Kellerräumen begnügen. Der frühere Leiter Charles Wesseler stellte damals Privaträume zur Verfügung, um Gruppen Unterricht zu geben. Nach dem Umzug in die Gebäude an der Scharffstraße hat sich die räumliche Situation deutlich verbessert.

Auf der ersten Etage des oberen Fachwerkhauses gibt es zwei Gruppenräume zum Malen und Zeichnen. Und im Kellergeschoss einen weiteren mit Brennofen. Auch der Zuspruch zu den Kursen scheint mehr zu werden. „Wir profitieren durch die Kooperation mit der Bücherei und von den persönlichen Empfehlungen“, sagt Teona Gogichaishvili (42). Sie ist die Fachbereichsleiterin der Kunstabteilung. Für ihre Aufgaben hat sie das Deputat einer halben Stelle. Seit gut anderthalb Jahren prägt die ausgebildete Fotografin mit einem Team von Dozenten das Angebot.

Sie übernahm die Stelle nach unruhigen Zeiten an der Musikschule. Ihre Vorgängerin musste im Streit gehen. Die Stadt verlor den Prozess krachend und musste zahlen. Mit Teona Gogichaishvili herrscht wieder ein gutes Arbeitsklima. „Ich komme total gerne aus Köln nach Remscheid gefahren“, sagt sie. Und auf die Frage, ob es in Köln nicht interessantere Arbeitsstellen gebe, antwortet sie mit einem charmanten und überzeugenden Nein.

 29 Kurse bietet die Kunstschule an. Sie tragen Namen wie „Fantasie-Labor“, „Silberzwiebel“, „Garten-Labor“, „Künstliche Töne“ oder „Foto-Story“. Es gibt aber auch zahlreiche Aufbau- und Orientierungskurse. Das Motto der Schule lautet „Alles ist möglich, für jedes Alter und jeden Menschen“.

Ich kann nicht zeichnen. Ich kann nicht malen. Ich bin kein guter Fotograf. Die Vorbehalte gegenüber dem künstlerischen Ausdruck sind in einer auf Leistung orientierten Gesellschaft dick wie eine Betonwand. Wer aber die Kunstschule besuchen will, der absolviert keinen Leistungsschein als Künstler. Er erhält ein Angebot, um zu schauen, was ihm Spaß macht, woran er Gefallen findet, welche Möglichkeiten des Ausdrucks ihn ansprechen. „Dazu braucht es auch Geduld“, sagt Teona Gogichaishvili. Bei Kindern sei es leichter, die unvoreingenommene Schöpfungskraft in ihnen zu wecken. Bei Erwachsenen dauert es häufig eine gewisse Zeit, bis sie sich trauen, mit Farben und Formen nach ihrem Willen umzugehen.

Nach dem Abitur in Tiflis besuchte die damals 19-jährige Georgierin die Universität Freiburg und später die Kölner Uni. In der Schule hatte sie Deutsch gelernt. Doch das Studium der Literaturwissenschaften und Philosophie war für sie auf Dauer nicht befriedigend. Zu kopflastig. „Ich hatte das Bedürfnis, mich auszudrücken“, sagt sie. Ein Stipendium für „Fotodesign“ an der Kölner Akademie für Gestaltung, ecodesign, ebnete ihr den Weg als freischaffende Künstlerin.

„Kooperation“ und „Nachhaltigkeit“ gehören zu den Stichworten, die für Teona Gogichaishvilis Arbeit als Fachdienstleitung wichtig sind. „Ich hasse das Wegwerfen“, sagt die Mutter zweier Söhne (15 und 17 Jahre). Ob Farbe oder Papier, Stoff oder altes Werkzeug – alles sei wertvoll und verdiene langzeitige Verwendung. Die grundsätzliche Haltung zeige sich in ihren Kursen beim Umgang mit den Materialien. Außerdem versteht sich die Kunstschule nicht als Einzelkämpferin. „Kooperationen sind für uns wichtig“, sagt sie. Sie kann sich gut vorstellen, mit einem Kunstschul-Stand bald durch die Remscheider Schulen zu ziehen, um zu zeigen, welches Potenzial in der Kunstschule steckt und das Schattendasein zu verlassen.

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