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Remscheid: Kultur braucht Rücklagen für bessere Zeiten

Ansichtssache in Remscheid : Kultur braucht Rücklagen für bessere Zeiten

Der Ruf nach einem Rettungsfond für die freie Kulturszene in Remscheid klingt gut, ist allerdings mehr Wahlkampfgetöse als hilfreich. Es wäre sinnvoll, wenn die Stadt für die Kultur Rücklagen bildet mit Geldern, die zurzeit nicht ausgegeben werden.

Sven Graf, künstlerischer Leiter des Teo Otto Theaters, und sein Team haben mit dem Juni-Spielplan ein Zeichen der Solidarität gesetzt. Das erste und wichtigste Haus am Ort gibt unter anderem kleinen Bühnen eine Möglichkeit, sich zu zeigen. Die Geste hat in erster Linie großen sympolischen Wert. Mehr nicht. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich das kulturelle Klima in der Stadt durch die Corona-Krise verändert hätte, dass Bürger sich um Karten reißen würden, weil das Platzangebot deutlich reduziert werden musste. Der Zuspruch zu den bisherigen Vorstellungen war mäßig. Kaum 30 Besucher im weiten Rund.

Das aus dem Boden gestampfte Corona-Programm wirkt wie ein trotziges Lebenszeichen der Kultur. Es zeigt überzeugend, wie es gelingen kann, kreativ auf neue Situationen zu reagieren. Andererseits muss man auch zur Kenntnis nehmen, dass die Mehrheit der Remscheider Bürger andere Sorgen plagen als sich um eine Karte fürs Teo Otto Theater zu bemühen. Die Kulturinteressierten bilden eine Minderheit. Schon immer. Daran wird sich in dieser Arbeiterstadt auch in Zukunft nicht viel ändern. Zumal es kulturpolitisch versäumt wurde, die immer größer werdende Gruppe an Menschen mit Migrationshintergrund im Spielplan und durch entsprechende Themen und Formen angemessen zu repräsentieren.

Der Ruf nach einem Rettungsfond für die freie Szene in Remscheid klingt gut, ist aber mehr Wahlkampfgetöse als hilfreich. Die Corona-Krise ist eine Vertrauenskrise in die Stabilität des Lebens. So wie es früher war, wird es wohl auf unabsehbare Zeit nicht mehr sein. Kulturveranstaltungen entpuppen sich als Geisterspiele. Das Abstandsgebot verleidet einem den Theaterbesuch. So wie der Fußball leben Theater und Musik von der Reaktion des Publikums. Da kann man sich Formate ausdenken und Sitzanordnungen kreieren wie man will. Solange es kein Zurück zum Gemeinschaftserlebnis gibt, steckt die Kultur im Krisenmodus. Das Teo Otto Theater spart unterm Strich Geld, der Klosterkirche fehlen Einnahmen. Es wäre sinnvoll, wenn die Stadt für die Kultur Rücklagen bildet mit Geldern, die zurzeit nicht ausgegeben werden. Für bessere Zeiten. Es wäre wenig sinnvoll, zu den vielen Unterstützungen vom Land und vom Bund noch eine weitere Schatulle zu öffnen.