Remscheid: Kleines Jobwunder in Remscheid

Arbeitsmarkt : Kleines Jobwunder in Remscheid

144 neue Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose entstehen in diesem und dem kommenden Jahr durch das neue Programm „Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt“. Auch die Stadt trägt ihren Teil dazu bei.

Insgesamt 144 neue Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose entstehen in Remscheid durch das Programm „Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt“. Die Möglichkeiten, die das Programm der Bundesagentur für Arbeit biete, seien für die Seestadt auf dem Berge „bis auf den letzten Platz ausgereizt“, freut sich Sozialdezernent Thomas Neuhaus im Gespräch mit unserer Zeitung.

Seit dem 1. Januar dieses Jahres gibt es das neue arbeitspolitische Instrument, das eine eigentlich naheliegende Philosophie umsetzt. Anstatt Transferleistungen für Arbeitslose zu finanzieren, wird das Geld in die Schaffung von Arbeitsplätzen investiert.

Das im Sozialgesetzbuch unter dem Paragraphen 16i laufende Programm sei „besser als alles, was wir bisher hatten“, sagt Dirk Faust, Geschäftsführer des Jobcenters Remscheid. Nach einer stockenden Anfangsphase hätten sich die Vorteile des Programms bei den Arbeitgebern in Remscheid herumgesprochen. Denn die Förderung sei „attraktiv“. Schafft ein Unternehmen eine auf fünf Jahre angelegte neue Arbeitsstelle für einen Arbeitslosen, der mindestens sechs Jahre ohne Arbeit war, bezahlt der Staat in den ersten beiden Jahren komplett das Gehalt. In den folgenden drei Jahren sinkt der Zuschuss langsam um je zehn Prozent. 117 Mal machten Arbeitgeber von dieser Möglichkeit Gebrauch. Bislang gebe es „kaum Abbrecher“, zieht Faust eine Zwischenbilanz.

Zum Kennenlernen gibt es zu Beginn eine kurze Praktikumsphase. Nimmt der Kunde des Jobcenters die Arbeit an, akzeptiert der Arbeitgeber auch ein „verpflichtendes Coaching“, sagt Faust. Gibt es Schwierigkeiten, wird der Coach als „unparteiischer Dritter“ hinzugerufen.

„Ohne dieses Programm hätten mehr als 100 Menschen jetzt keine Arbeit“, spricht Faust Klartext. Der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen Jahre sei an diesen Menschen komplett vorbeigegangen. Für das Selbstwertgefühl der Menschen sei es aber sehr wichtig, eine Arbeit zu haben, das Geld selber zu verdienen. Fünf Jahre Laufzeit seien ein guter Zeitraum, um sich im Unternehmen zu bewähren und für eine Weiterbeschäftigung zu empfehlen, ergänzt Neuhaus.

Das gilt auch für das Unternehmen Stadtverwaltung Remscheid. Ende September beschloss der Stadtrat, dass auch die Stadt selber 27 solcher Jobs schafft. In diesem und im kommenden Jahr beginnen die Arbeitsverhältnisse, aktuell laufen erste Praktika. Zwei Schwerpunkte sind dabei die Sportverwaltung und das Gebäudemanagement. Aber auch das Teo Otto Theater profitiert vom Stellenprogramm.

Bedarf für neue Kollegen sei auf jeden Fall da, sagt Neuhaus. Durch die Sparprogramme der vergangenen Jahre sei etwa im Bereich der Hausmeister in Sporthallen und auf Sportplätzen jede dritte Stelle weggefallen. Unter anderem mit Blick auf den Altersdurchschnitt von
52 Jahren in der Verwaltung sieht Neuhaus gute Chancen, dass die neuen Mitarbeiter nach fünf Jahren in eine feste Anstellung übernommen werden. Eine Bevorzugung gegenüber den anderen Kollegen der Verwaltung gebe es aber nicht. Am Ende zähle die Leistung.

Geschäftsführer Dirk Faust hat sein finanzielles Kontingent für das Projekt voll ausgeschöpft. Foto: Hertgen, Nico (hn-)

Dirk Faust und seinem Team im Jobcenter spricht Neuhaus ein großes Lob für ihr Engagement und ihren Erfolg aus. Remscheid sei bei der Umsetzung des Programms im Vergleich zu anderen Kommunen ganz vorne dabei. Und das sei anders als in anderen Städten gelungen, ohne für die Bekanntmachung des Programms bei den Arbeitgebern zusätzliches Personal einzustellen.

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