Ansichtssache Kleine Lehrstunde in der RöGy-Aula

Meinung | Remscheid · Die Bürgerversammlung zum Stand des Outlet-Projekts war eine gute Entscheidung der Bezirksvertretung Lennep. Eine Wiederholung des Formats macht Sinn.

 Architekt Gerd Graf bei der Bürgerversammlung im Röntgen-Gymnasium.

Architekt Gerd Graf bei der Bürgerversammlung im Röntgen-Gymnasium.

Foto: Jürgen Moll

Sollte der aktuelle Anlauf für den Bau eines Outlet-Centers in Remscheid von Erfolg gekrönt sein, dürfen sich Investor und Stadtrat gerne eine kleine Würdigung für das Röntgen-Gymnasium überlegen.

Am Mittwochabend bot die voll besetzte Aula der Schule erneut die perfekte Bühne für eine Veranstaltung, bei der es um die Zukunft der Flächen zwischen Ringstraße, Wupperstraße und der Straße am Stadion ging.

Dass der Schwerpunkt diesmal ein anderer war als beim ersten Auftritt von Investor Philipp Dommermuth vor gut einem Jahr, liegt in der Natur der Sache. Nachdem der Rat sich im Sommer 2023 für die Umsetzung des Projektes ausgesprochen hat, werden die Pläne nun immer konkreter. Vor allem unmittelbare Anlieger des Shopping-Dorfs nutzten in dieser Woche daher die Gelegenheit, mehr Details über die unmittelbaren Auswirkungen der Pläne auf ihr Umfeld zu erfahren, Kritik zu üben, Änderungen anzumahnen. Der Tonfall war fast durchgehend kritisch, dabei aber meist fair und sachlich.

Wer nur diese eine Veranstaltung zum Outlet besucht hat, könnte den Eindruck gewinnen, dass die Remscheider das 140 Millionen-Projekt hauptsächlich kritisch sehen. Das ist ganz sicher nicht der Fall. Der Wegfall von Parkplätzen am Jahnplatz, die Zukunft der Wupperstraße oder die Zugangszeiten zur Parklandschaft auf dem Dach des Outlets mag für viele Remscheider nebensächlich sein, für die Nachbarn des Outlets ist das wichtig.

Bürgerversammlungen sind eine Option, aber keineswegs eine Pflicht in dieser Phase des Projekts. Dass die Bezirksvertretung Lennep sie im März dennoch beschlossen hat, war ein Glücksfall. Im Dialog von Bürgern auf der einen und Architekt, Gutachter, Projektsteuerer und Verwaltung auf der anderen Seite, wurden am Mittwoch viele wichtige Informationen transportiert. Die im Publikum vertretene Politik kann sie für ihre demnächst anstehenden Abwägungen gut gebrauchen.

Die im Vorfeld der Veranstaltung von politischer Seite genährte Sorge, dass Bezirksbürgermeister Markus Kötter (CDU) die Veranstaltung zur Profilierung nutzen und dem Projekt durch formale Fehler schaden könnte, erwies sich als unbegründet. Kötter leitete die Veranstaltung souverän und mit dem nötigen Wissenshintergrund zum Projekt.

Eine Wiederholung des Formats macht Sinn, wenn alle Gutachten vorliegen und Fragen, die am Mittwoch offen blieben, beantwortet werden können. Im Idealfall in gleicher Besetzung in der Aula des RöGy.

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