Remscheid: Klänge aus der Dunkelkammer

Konzert in Remscheid : Klänge aus der Dunkelkammer

Die beiden Solistinnen Dana Zemtsov und Frederieke Saeijs glänzten mit einer Zugabe beim Konzert der Bergischen Symphoniker. Der Abend stand ganz im Zeichen von Mozart. Drei Werke von ihm dirigierte Peter Kuhn.

Das vitalste Stück des Abends stand nicht im Programmheft fürs Philharmonische Konzert der Bergischen Symphoniker. Die beiden Solistinnen Dana Zemtsov (Bratsche) und Frederieke Saeijs (Violine) spielten es als Zugabe. Eine Passacaglia nach einem Thema von Händel, komponiert vom Norweger Johan Halvorsen.

Das Duett für Violine und Bratsche klingt wie ein Wettkampf um das schärfste Tempo, wie ein Liebesspiel um den zartesten Ton, wie ein Parforceritt über Stock und Stein, wie ein Turteln mit gezupften Saiten. Mal werden die Saiten rau angesägt, mal zärtlich mit einem Goldhändchen behandelt. Eine feurige Dynamik treibt die beiden Solistinnen zu einem Tanz mit virtuosem Ende. Applaus, Applaus für diesen kantigen und geschmeidigen Akzent bei einem Abend, der ansonsten ausschließlich Mozart vorbehalten war.

Mozart ist beliebt, Mozart kennt man, auf Mozart freut man sich. Und gleich drei Werke hintereinander findet man auch nicht häufig auf den Spielplänen. Die Tonart Es-Dur verband die drei Werke, die Generalmusikdirektor Peter Kuhn ausgewählt hatte.

Eine Überraschung eröffnete das Konzert. Mozarts erste Sinfonie von seinen 41 Sinfonien, die er in seinem kurzen Leben geschrieben hat, komponierte der Knabe im Alter von acht Jahren. Wenn Kinder in diesem Alter Angst haben, dann hilft vielen das Malen von Bildern, um dieser bedrängenden Emotion Ausdruck zu verleihen. Mozart malte nicht, Mozart komponierte. Der zweite Satz dieser dreiteiligen Symphonie ist ein Nebelfeld aus dunklen Tönen. Die Violinen zittern und zagen, und die Bässe schleichen durchs Gelände wie ein böser Schatten. In seiner Schlichtheit beeindruckt diese Klangwelt. Überhaupt ist es ein Abend der zweiten Sätze.

 Die beiden Solistinnen Dana Zemtsov und Frederieke Saeijs haben die Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester einstudiert. Im Andante steigen sie hinab in die Dunkelkammer der Seele. Mit viel Vibrato schaffen sie eine Atmosphäre voller Sehnsucht, Wehmut und Abschied. Und plötzlich bleibt die Musik stehen, für eine kleine Ewigkeit. Bis Violine und Bratsche wieder einsetzen und dunkle Tupfer auf das helle Firmament pinseln.

Für Mozarts 39. Sinfonie mussten nach der Pause Stühle herangeschleppt werden. Mehr erste Geigen, dazu Trompeten, Schlagwerker. Auch die Bläserreihen wurden aufgefüllt. Kurz vor seinem Tod hat Mozart diese Musik geschrieben. Angst und Trauer grundieren den zweiten Satz. Eine große Elegie fließt sanft dahin, angeschoben vom Blubbern des Fagotts treten die ersten Violinen mit den zweiten Geigen in einen melancholischen Dialog. Es entsteht ein Geflecht aus seidigem Glanz.

Im Finale lässt Peter Kuhn Mozart funkeln wie einen Diamanten. Von allen Seiten spiegeln sich die Themen in Wiederholungen und Variationen. Mozart ist beliebt, Mozart kennt man, auf Mozart freut man sich.

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