Remscheid: Kirche Tannenhof ist ein Sanierungsfall

Remscheid: Kirche Tannenhof ist ein Sanierungsfall

Der Zahn der Zeit nagt an der Kirche auf dem Gelände der Evangelischen Stiftung Tannenhof. Dass die vielen Jahre Spuren hinterlassen haben, zeigte sich den Verantwortlichen der Stiftung zuletzt immer deutlicher.

Passanten und anderen flüchtigen Betrachtern präsentiert sich die Kirche auf dem Gelände der Evangelischen Stiftung Tannenhof stolz wie eh und je. Die lachsfarbene Fassade, die kunstvoll gestalteten Fenster und der Turm machen den Anschein, als könnten Wind, Wetter und der Zahn der Zeit ihnen nichts anhaben. Dabei hat die zwischen 1908 und 1909 errichtete Kirche 110 Jahre auf dem Buckel. Dass die Jahre bei näherer Betrachtung doch Spuren hinterlassen haben, zeigte sich den Verantwortlichen der Stiftung zuletzt immer deutlicher.

Zunächst war aufgefallen, dass das Schieferdach der Kirche undicht war. „So ein Schieferdach hält etwa 80 Jahre“, erklärt Pfarrer Uwe Leicht, Geistlicher Vorsteher der Stiftung, dass die Haltbarkeit begrenzt und in diesem Fall überschritten ist. Mit dem Schaden am Dach öffnete sich für das Gotteshaus aber erst die Büchse der Pandora.

Denn über längere Zeit war unbemerkt Feuchtigkeit ins Gebäude eingedrungen. „Die Balken, die das Dach tragen, sind ins Mauerwerk eingefasst. Und die Balkenköpfe, die in der Wand stecken, sind morsch. Das gefährdet die Standsicherheit des gesamten Daches“, betont Leicht. Zudem sei auch der Kirchturm marode. Zwar habe ein Statiker vor kurzem noch einmal bestätigt, dass kein akuter Anlass besteht, die Kirche zu schließen. Doch die Zeit drängt. Denn mit jedem Tag, an dem weitere Feuchtigkeit in den Kirchenraum dringt, werden die Schäden größer. „Die Farbe platzt von den Wänden und es entstehen Risse. Ich merke, dass es nicht stagniert, sondern schlimmer wird“, schildert der Geistliche Vorsteher seine Eindrücke.

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Ihn begleitet noch eine andere Sorge. Denn ausgerechnet an der Nordseite, dort wo einige Bäume nahe der Kirche stehen und nur wenig Sonnenstrahlen auf das Gebäude fallen, sind die Schäden am größten. Und genau hier steht die 50 Jahre alte Von-Beckerath-Orgel. Erst 2018 generalüberholt und daher in perfektem Zustand, droht auch das Instrument von der Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Das Problem: Neben dem zeitlichen gibt es auch einen finanziellen Druck. Denn die Stiftung rechnet für die Sanierung ihrer denkmalgeschützten Kirche mit Kosten von fast 1,5 Millionen Euro. „Das ist eine enorme Summe“, sagt der Pfarrer. Zwar hinge er wie viele andere Menschen auch an dem Gotteshaus. „Aber es ist auch klar, dass die Kirche keinen Einfluss auf das Funktionieren der Klinik-Bereiche hat“, betont Leicht. Um die Sanierung der Kirche dennoch möglichst zeitnah angehen zu können, hat die Stiftung beim Land NRW einen Antrag auf Denkmalförderung gestellt. Zuvor hatte das Architekturbüro Brochheuser Lüttinger die Schäden katalogisiert. Bis zu 50 Prozent der Kosten könnten von der öffentlichen Hand übernommen werden. „Damit wären wir natürlich super glücklich“, sagt der Pfarrer, der bis zum Sommer mit einer Antwort rechnet. Über Spenden sei der Betrag kaum zu stemmen. Die Stiftung Tannenhof will über Institutionen wie die Bank für Kirche und Diakonie versuchen, Geld zu generieren.

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