Remscheid - Kindern einen Rahmen geben

Jugendarbeit : Die Schattenseite der großen Freiheit

Egbert Willecke (57) übernimmt die Leitung des Fachdienstes Jugend. Der begeisterte Läufer kommt aus Hattingen.

Egbert Willecke liebt Herausforderungen. Ob im Beruf oder in der Freizeit. Der 57-jährige Bochumer arbeitet noch in Hattingen. Dort verantwortet er die Bereiche Jugend, Sport und Schule. Das Herz des diplomierten Sozialarbeiters schlägt aber für die Jugendhilfe. Da passte ihm die Ausschreibung der Stelle in Remscheid, Leiter des neu geschaffenen Fachdienstes Jugend, gerade recht in die berufliche Planung.

Die letzten zehn Jahre seines Arbeitslebens wird er also in Remscheid verbringen. „Ich wollte das, was ich in Hattingen im Kleinen mache, in einer Großstadt umsetzen“, sagt Willecke. Der neue Mann bringt viel Berufserfahrung mit. Vor Hattingen arbeitete er in Haltern. Unter den Bewerbern hat ihm die Verwaltungsspitze als den besten Kandidaten den Zuschlag gegeben. Zu Beginn des Jahres nimmt er die Arbeit auf. Nach dem Ausscheiden von Petra Hellmann-Wien, die den Mammutbereich Jugend, Soziales und Wohnen über viele Jahre leitete, hat Dezernent Thomas Neuhaus die Strukturen neu geordnet. Fachdienst Jugend auf der einen Seite, Wohnen und Soziales auf der anderen. Den Fachdienst Wohnen und Soziales übernimmt Carsten Thies, bisher Abteilungsleiter Wohnen und Refinanzierung. Mit der neuen Ausrichtung will die Stadt sich für die Zukunft gut aufstellen.

Remscheid kennt Willecke erst durch kurze Besuche. Mit ein paar Eckdaten der Stadt ist er vertraut. Das reicht ihm aber nicht als Basis aus, um heute schon über Projekte zu sprechen, die er im Jugendbereich einleiten will. Zunächst möchte er die Akteure auf den verschiedenen Feldern der Jugendhilfe kennenlernen. Willecke versteht sich als ein guter Handwerker. „Es müssen nicht immer die großen Dinge sein, meist reichen auch ein paar kleine Schritte zur Hilfe“, sagt Willecke. Investition in Bildung, Unterstützung der Elternarbeit, Teilhabe am kulturellen Leben – diesen gesamten Komplex der Jugendsozialarbeit will Willecke, dort wo Bedarf ist, strukturell stärken. „Manchmal hilft schon ein Gespräch und eine Beratung weiter“, sagt er.

Die Lebenschancen der Jugendlichen sind nach seiner Beobachtung heute nach unendlich vielen Seiten hin offen. Die große Freiheit beinhaltet aber auch die Möglichkeit zu versagen. „Jugendliche brauchen einen Rahmen, um sich zu orientieren“, sagt Willecke. An diesem Rahmen will er mitbauen. Dazu braucht er einen langen Atem. Ausdauer besitzt der neue Fachdienstleiter. Siebenmal ist er bereits den Marathon in Berlin gelaufen. Obwohl er während des heißen Sommers nicht gut trainieren konnte, habe er seine Zielzeit von vier Stunden 30 Minuten erreicht. Und auf der Strecke bei Kilometer 31 noch einem schwächelnden Erstling Tipps gegeben, wie er es ins Ziel schaffen kann. Der Sozialarbeiter läuft immer mit. Den früheren Ehrgeiz nach Bestzeiten verspürt er heute nicht mehr. Das Laufen will er genießen. Unverändert schlägt sein Herz für den VfL Bochum. Auch wenn er lange nicht mehr das Stadion besuchte, die Zweite Bundesliga verfolgt der Vater zweier erwachsener Töchter mit Herzklopfen.

Egbert Willecke ist auch ein begeisterter Läufer. Foto: Willecke

Während seiner Besuche in Remscheid sei ihm die freundliche Direktheit der Menschen aufgefallen. Bei der Einfahrt ins Parkhaus hatte Willecke seine Parkkarte im Automaten stecken lassen. Ein freundlicher Herr brachte sie ihm hinterher. Beim Besuch in einem Sportgeschäft schwärmte ihm die Verkäuferin von schönen Laufstrecken vor. Die Teilnehme am Röntgenlauf, sagt Willecke, würde ihn reizen. Vielleicht ist der neue Fachbereichsleiter Jugend im nächsten Jahr am Start in Hackenberg.

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