Remscheid: Keiner braucht den braunen Löwen

Remscheider Innenstadt : Keiner braucht den braunen Löwen

Ansichtssache Wie soll das Denkmal vor dem Rathaus saniert werden? 90.000 Euro soll eine Sanierung kosten. Die Stadt sollte einen Wettbewerb ausschreiben, um ein Zeichen für die offene und demokratische Gesellschaft zu setzen.

Es ist bedauerlich, dass die englischen Piloten beim Bombenangriff 1943 auf Remscheid nicht das Denkmal mit dem Löwen getroffen haben. Das Rathaus, die Innenstadt, die BSI – all das haben sie damals in Schutt und Asche gelegt. Nur der Löwe blieb verschont. Bis heute.

Nach 76 Jahren haben sich die Remscheider irgendwie an das graue Tier gewöhnt. Dabei symbolisiert es weiterhin den Geist der Nationalsozialisten. Die Ästhetik dieses Denkmals ist die Ästhetik der braunen Denkungsart. Die Verherrlichung einer Herrenmenschen-Ideologie, in der der Einzelne nichts zählt.

Wer vor diesem Denkmal steht und nach oben schaut, fühlt sich klein und von der tierischen Aura beherrscht. Das wollte der Nazi-Bildhauer Willy Meller erreichen. Die Bürger sollten sich wie Untertanen fühlen in einem Staat, in dem nur das Wort des „Führers“ gilt. Die Nazis haben den Löwen für die Ewigkeit gebaut. Es wird Zeit, dass diese Ewigkeit endet.

Die Löwen-Parade vor fünf Jahren bleibt als ein gelungenes Stadtfest in Erinnerung. Aber auch als ein Fest, bei dem sich die Marketingstrategen als geschichtsvergessene Zeitgenossen erwiesen. Sonst hätte man den Nazi-Löwen nicht als Vorbild für die vielen kleinen und größeren Exemplare für die Löwenparade genommen. Vorbei. Der Muschelkalk des Denkmals bröckelt. Sanierungskosten von 90.000 Euro entstehen, um die Standsicherheit für die nächsten 100 Jahre zu garantieren. Das schätzen die Gutachter. Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, in der Geschichte des Umgangs mit dem Nazi-Löwen ein neues Kapitel zu schreiben.

Brauchen wir den braunen Löwen noch? Nein. Nicht in dieser Form. Abriss wäre eine Möglichkeit. Interessanter wäre es aber, dieses Denkmal neu zu gestalten. Dazu gäbe es unzählige Vorschläge. Den Löwen zerlegen, den Kopf abschneiden, vom Sockel holen, mit einer neuen Figur ergänzen etc. etc.

Die Stadt könnte einen Kunstwettbewerb ausschreiben, um vor dem Rathaus ein neues Zeichen zu setzen, ein Zeichen, dass der braune Löwe in einer offenen, demokratischen Gesellschaft nichts verloren hat. Ein Zeichen gegen den Faschismus. Nur ein Schild nach der Sanierung dort anzubringen mit einer erklärenden Legende – das wäre ein schwaches Bild.

Der Löwe auf dem Rathausplatz hat mit dem echten bergischen Löwen nichts zu tun. Er ist vielmehr eine Beleidigung des Wappentieres. Die Stadt hat ein besseres Wahrzeichen verdient als diesen grauen Klotz geronnener Menschenverachtung.

Mehr von RP ONLINE