Remscheid: Kein Lebenszeichen von Leonie

Vermisste Remscheiderin : Kein Lebenszeichen von Leonie

Melanie Petrick, die Patentante der Vermissten, gibt nicht auf. Sie verteilt neue Flugblätter.

Melanie Petrick gibt nicht auf. Will nicht aufgeben. Kann nicht aufgeben. Auch wenn die Hoffnung, ein Lebenszeichen von Leonie zu bekommen, bei ihr geschwunden ist. Am Montag jährt sich der Tag zum dritten Mal, an dem sich die damals 15-jährige Leonie Gritzka an der Alleestraße mit einer Freundin traf und in ein Auto mit Kölner Kennzeichen stieg. In dem sollen zwei ältere Männer gesessen haben. Die 15-Jährige hatte immer wieder Kontakt zu älteren Männern gesucht. Seit diesem Tag fehlt jede Spur von ihr.

„Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Leonie etwas zugestoßen ist“, sagt Petrick. Sie möchte gerne die Wahrheit wissen. 500 Flugblätter hat sie gedruckt. Mit Fotos und einem Zeugenaufruf. Sie werden nicht nur in Remscheid verteilt. Einige hat sie auch Freunden mitgegeben, die nach Hamburg gefahren sind. Die Mutter von Leonie, Melanie Petricks Schwester, befindet sich in einer psychisch nicht stabilen Verfassung, so dass sie sich um die Suche nach ihrer Tochter kaum selber kümmer kann. Die Schwester will nichts unversucht lassen.

Szene aus der Sendung Aktenzeichen XY... ungelöst“, in der das Verschwinden von Leonie aufgegriffen wurde. Foto: ZDF/Martin Czernik

Unversucht lässt auch die Polizei nichts. Aber etwas bemerkenswertes Neues kann sie nicht vermelden. „Wir verfolgen weiter jeden Hinweis“, sagt Stefan Weiand, Pressesprecher der Polizei. Einmal in der Woche telefoniert Petrick mit dem zuständigen Sachbearbeiter. Wenn irgendwo ein Bild von einer Leonie im Internet auftaucht, tauschen sie sich aus, ob sie es sein könnte oder nicht. Leonie Gritzka hatte viele Gesichter. Sie mochte es, sich zu schminken und zu verändern.

Die Ausstrahlung des Falls in der Sendung „Aktenzeichen XY.. ungelöst“ im vorigen Jahr sorgte für mediale Aufmerksamkeit. Insgesamt kam man auf 15 neue Spuren, von denen die Ermittler hofften, dass eine von ihnen zu Leonie führt. Fehlanzeige. „Die Akte ist aber nicht geschlossen“, sagt Weiand.

Leonie hat nichts mitgenommen. Keine Kleidungsstücke, keine Schminke, keine Papiere. Es könne sein, dass das Mädchen am 22. Juli 2016 freiwillig weggegangen ist. Ihre Beweggründe sind ein Rätsel. Für die Polizei wie für die Familie. Die Polizei kann nicht ausschließen, dass Leonie in der Prostitution gelandet sein könnte und einem Loverboy aufgesessen ist. In ihrer Kindheit lebte sie in Heimen und bei Pflegefamilien. Immer wieder lief sie weg, immer wieder kehrte sie zurück. Bis auf einmal.

Als tragisch beschreibt Petrick, dass Leonie ihre Pflegefamilie in Hückeswagen verlassen musste. Dort fand sie Halt. Die Patentante hatte bereits eine neue Familie gefunden. Es war die Familie, in der sie selber als Kind untergebracht war. Das Jugendamt stimmte damals nicht zu. Petrick beschreibt die Situation ohne Vorwürfe. Es sei schwierig, mit dem Gedanken zu leben, dass man Leonie hätte besser helfen können.

Leonies Mutter hat in der TV-Sendung einen Brief veröffentlicht, in dem sie das Mädchen bittet, ein Lebenszeichen von sich zu geben. „Es vergeht kein Tag, wo ich nicht an Dich denke und mich frage, wo Du bist“, schreibt sie. „Ich möchte Dir sagen, wie sehr ich Dich liebe und dass alles wieder gut wird, egal was passiert ist.“ Melanie Petrick erzählt von einer Mutter aus Essen, die seit 20 Jahren ihre Tochter sucht. Schon ihre drei Jahre sind eine Ewigkeit voller Schmerz. Die Suche aufzugeben, das sei aber keine Alternative.

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