Ansichtssache Kann die SPD das Kunststück von 2020 wiederholen?

Meinung | Remscheid · Bei den Sozialdemokraten herrscht nach der Schlappe bei der Europawahl Frust. In einem Jahr wird bereits wieder gewählt. Dass die Remscheider SPD über Comeback-Qualitäten verfügt, hat sie bewiesen.

Im Biergarten des Miro wurde am 13. September ausgelassen gefeiert.

Im Biergarten des Miro wurde am 13. September ausgelassen gefeiert.

Foto: Jürgen Moll

Knapp vier Jahre ist es her, dass die Remscheider SPD-Verantwortlichen von der Bundespartei eingeladen wurden, um über ihr Erfolgsrezept zu berichten. Geschäftsführer Antonio Scarpino und Parteichefin Christine Krupp sollten den Genossen erklären, wie sie es geschafft hatten, die Partei knapp ein Jahr nach einer deftigen Schlappe bei der Europawahl (19,3 Prozent) zu einem Triumph (34,5 Prozent) bei der Kommunalwahl zu führen.

Zur Erinnerung: Die SPD holte 20 von 26 Direktmandaten und wurde erstmals seit 1994 auch wieder stärkste Fraktion im Rat. Dass SPD-Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz seine CDU-Herausforderin Alexa Bell klar distanzierte, war die Kirsche auf der Torte. Die anschließende Party im Miro war so ausgelassen, dass sie bis auf die Alleestraße zu hören war.

Kann die SPD das Kunststück von 2020 noch mal wiederholen? Oder schafft die CDU, die bei der Europawahl am Sonntag alleine fast so viele Stimmen holte wie die drei in der Remscheider Ampelmehrheit versammelten Parteien zusammen, nach mehr als 20 Jahren in der Opposition das Rathaus zu erobern?

Für die SPD ist die Ausgangslage zwiespältig. Einerseits wurde sie anders als vor fünf Jahren am vergangenen Sonntag nicht auch noch von den Grünen abgehängt. Den Status als dritte Volkspartei, den Scarpino ihnen vor fünf Jahren spontan zusprach, sind die Grünen zumindest in Remscheid erst mal wieder los. Schwerer wiegt für das Ziel einer Wiederauflage einer rot-gelb-grünen Ratsmehrheit bei der Kommunalwahl im Sommer 2025 aber, dass das Bündnis im Vergleich zur Europawahl 2019 in der Summe 13 Prozent seiner Stimmen verlor. Auch wenn die Ausgangslage bei einer Europawahl schon durch die viele kleinen Parteien auf dem Stimmzettel eine andere ist – diese Lücke muss erst mal geschlossen werden. Spätestens hier kommt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) ins Spiel. Hinter dem beliebten Stadtoberhaupt hatten sich 2020 alle Ampelfraktionen versammelt. Grüne und FDP verzichteten auf einen eigenen Kandidaten. Mast-Weisz machte seinem Ruf als Zugpferd alle Ehre. Die Ampel wurde stärker denn je.

Tritt Mast-Weisz im kommenden Jahr noch mal an? Nach der Bekanntgabe seiner Erkrankung vor einigen Wochen kann das aktuell niemand seriös beantworten. Für die Zukunft der SPD hängt viel davon ab.