Remscheid: JVA-Basar bleibt ein Besuchermagnet

Remscheid : JVA-Basar bleibt ein Besuchermagnet

Mehr als 1300 Besucher kamen am Samstag in die Justizvollzugsanstalt Lüttringhausen. Die originellen Handarbeiten der Inhaftierten waren gefragt. Der Erlös floss wieder in den Landeshaushalt.

Rund 500 Besucher in den ersten 50 Minuten – das ist eine Zahl, die für sich spricht. Wenn die Justizvollzugsanstalt (JVA) Lüttringhausen einmal im Jahr zu ihrem traditionellen Weihnachtsbasar einlädt, dann ist der Andrang groß. In den Morgenstunden bildete sich an der Eingangsschleuse an der Masurenstraße am Samstag eine lange Schlange. Denn die kreativen und originellen Handarbeiten der Insassen sind begehrt.

Bis zum Mittag strömten mehr als 1300 Gäste durch die Werkstätten der Schneiderei, Schreinerei, Schlosserei, Schuhmacherei und Arbeitstherapie. Dort hatten sie die Auswahl zwischen kleinen Dekorationsartikeln, über bedruckte Shirts bis hin zu hochwertigen Echtholz- und Metallarbeiten wie Gartenmöbeln oder Grill. Zudem konnte man Honig aus der eigenen Knast-Imkerei kaufen. 80 Bienenvölker haben fleißig gearbeitet. Die passenden Beuten stellen die Inhaftierten in der Schreinerei selbst her. Alleinstellungsmerkmal der Remscheider JVA sind die Schuhe, die auch online im Knastladen gekauft werden können.

Dagmar Flohr und Lena Billstein gehörten zu dem ersten Besucherstrom. Sie hatten noch die volle Auswahl zwischen kleinen Stoffanhängern für den Weihnachtsbaum, Metalldekorationen, Weihnachtsmännern oder Möbeln wie Tische oder Bänke. Angela Tosches Panaggio, die zum ersten Mal bei der Veranstaltung war, kam erst gegen Schluss – da waren viele Tische schon leer und die meisten der Handwerksstücke bereits vergriffen. Doch sie wurde trotzdem noch fündig. Ein „Knastvogel“ aus Metall und Stein wird künftig ihren Garten schmücken. Zusätzlich hat sie noch einen Pflanzenkübel sowie ein Windspiel und einen Kerzenhalter aus Metall erstanden. „Das sind tolle Sachen, die sieht man nicht überall“, lobte sie. Zudem tue man etwas Gutes für die Gefangenen. Die sehen nämlich im Anschluss, was alles verkauft wurde. „Dadurch erfahren die Inhaftierten eine Wertschätzung und es erfüllt sie mit Stolz“, erklärt JVA-Leiterin Katja Grafweg. Das ganze Jahr über wird in den Werkstätten sowohl für den Basar, aber auch für Auftraggeber aus der Wirtschaft produziert. Die JVA-Mitarbeiter fördern dabei auch die Kreativität der Männer und überlegen mit ihnen gemeinsam, was man Neues machen kann. In der Arbeitstherapie werden auch weniger qualifizierte Insassen motiviert und stellen unter Anleitung tolle Dekosachen her, die viel Anklang finden.

Grafweg, die selbst jedes Jahr immer wieder auf dem Basar fündig wird, ist nicht nur davon begeistert. Vor allem die T-Shirts mit Motiven wie Stacheldrahtzaun oder Überwachungskameras, die mit einem humoristischen Augenzwinkern das Leben hinter den Mauern des Strafvollzugs aufgreifen, gefallen ihr. „Humor ist nicht unbedingt etwas, was man hier erwarten würde“, merkt sie lachend an.

Zudem sei der Weihnachtsbasar auch eine gute Möglichkeit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, dass die rund 540 Gefangenen im geschlossenen Bereich einer sinnvollen und produktiven Beschäftigung nachgehen. Viele können sich in den Anstaltsbetrieben zum ersten Mal ausprobieren und herausfinden, was ihnen liegt.

Der Erlös aus dem Basar-Verkauf fließt dann übrigens wieder in den Landeshaushalt und wird für neue Materialien oder Maschinen genutzt.

Mehr von RP ONLINE