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Remscheid: Jugendrat - Sprungbrett fürs spätere (politische) Leben

Jugendrat in Remscheid : Sprungbrett fürs spätere Leben

Belinda Tillmanns und Francesco Lo Pinto sind während ihrer Zeit im Jugendrat an ihren Aufgaben gewachsen. Das neue Gremium wird im März gewählt.

Bereits mehrere Generationen von engagierten Bürgern hat der Remscheider Jugendrat hervorgebracht. Prominentestes Beispiel ist sicherlich der heutige CDU-Kreisvorsitzende und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Mathias Heidtmann. Seine politische Karriere startete im zweiten Jugendrat, den er zwei Jahre lang als Vorsitzender anführte.

Ihm folgten weitere Generationen an jungen, engagierten Menschen, die sich in der einen oder anderen Richtung für eine kurze oder längere Zeit auch über ihre Amtszeit im Jugendrat hinaus für ihre Stadt engagiert haben. Beispielhaft auch Anne-Marie Faßbender: Sie saß im vierten Jugendrat, führte den fünften als erste weibliche Vorsitzende an und ist heute Vorsitzende des Aktionsbündnisses „Remscheid Tolerant“, das sich für ein friedliches Miteinander und gegen Rassismus in der Stadt einsetzt.

Auch die 20-jährigen Daniel Pilz und Francesco Lo Pinto stammen aus dem Jugendrat und wirken aktiv in der Remscheider Lokalpolitik mit: Pilz als Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos und Lo Pinto als jüngstes Stadtratsmitglied für die CDU. Beide saßen von 2018 bis 2020 im achten Jugendrat und bewahren schöne Erinnerungen und wertvolle Lehren aus dieser Zeit.

 Das einstige Jugendrat-Mitglied Francesco Lo Pinto sitzt heute für die CDU im Stadtrat.
Das einstige Jugendrat-Mitglied Francesco Lo Pinto sitzt heute für die CDU im Stadtrat. Foto: privat
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„Ich bin froh und dankbar, ein Teil davon gewesen zu sein“, sagt etwa Pilz. Seine erste Kandidatur mit 14 Jahre scheiterte, die zweite mit 16 Jahren klappte. „Aus der Niederlage habe ich viel gelernt. Und im Jugendrat selbst bin ich gewachsen und selbstbewusster geworden, habe gelernt, meinen Standpunkt darzustellen und öffentlich zu reden. Ich habe viele Freundschaften und Kontakte geknüpft und mich für meine Heimatstadt einsetzen können“, fasst der 20-Jährige zusammen.

„Für mich ist der Jugendrat eine Talentschmiede und wichtig, um engagierten Nachwuchs für die Stadt zu generieren.“ Auch Lo Pinto, der zwei Amtszeiten und somit vier Jahre im Gremium aktiv war und ihn zuletzt als stellvertretender Vorsitzender mitführte, nutzte die Zeit, um sich Einblicke in das politische System zu verschaffen und viele Herzensprojekte wie die Gedenkstätte Pferdestall anzustoßen.

Als Schülersprecher hatte er bereits Erfahrungen sammeln können, der Jugendrat erweiterte seinen Horizont. „Im Jugendrat bist du immer am richtigen Ort, wenn du was umsetzen möchtest. Es ist zwar ein politisches Gremium, in dem man Entscheidungen trifft, aber man kann nichts falsch machen, weil man Unterstützung von allen Seiten erfährt“, sagt der 20-Jährige. „Im Jugendrat sitzen Leute, die ähnlich begeistert sind wie du und gemeinsam für eine Sache kämpfen. Man wächst aus sich heraus und knüpft wertvolle Kontakte. Man lernt einfach sehr viel, was einem fürs spätere Leben nützt.“ Parteipolitisch habe er die Erfahrung gemacht, dass es in der großen Politik schwieriger ist. Dem Jugendrat sei man aufgeschlossener und wohlwollender gegenüber – als Parteipolitiker müsse man sich häufiger rechtfertigen.

Das Engagement für die gute Sache, dafür steht auch Belinda Tillmanns (18). Noch ist sie amtierendes Jugendratsmitglied und seit vier Jahren im Gremium aktiv. Als solche hat sie auch an der Remscheider Klimastrategie mitgewirkt und dafür gekämpft, dass ihre Heimatstadt bald eine legale Graffiti-Wand bekommt. Sie hat die Erfahrung im Jugendrat auch persönlich weiterentwickelt. „Ich war früher sehr unsicher, obwohl ich wusste, dass ich es besser kann. Ich hatte die Motivation, mich zu ändern und habe – angespornt durch das Motto des Jugendrates ‚Einfach mal machen‘ –  mich einfach mal beworben.“

Die Scheu und Unsicherheit hat sie abgelegt, „obwohl ich in einer neuen Umgebung immer noch ein wenig unsicher fühle.“ Im Jugendrat habe die 18-Jährige gelernt, offener gegenüber unbekannten Themen zu sein, andere Meinungen zu akzeptieren. Auch die Angst vor Politikern sei ihr genommen worden. „Das sind auch nur Menschen, die sich irren können“, sagt sie selbstbewusst.

Dass ihre letzte Amtszeit von der Corona-Pandemie überschattet wurde, findet sie zwar traurig. Untätiger als vor der Pandemie sei der Jugendrat aber nicht gewesen. „Wir haben trotzdem viel gelernt, haben unsere Sitzungen online abgehalten und uns viel mit anderen Menschen ausgetauscht, hatten viele Gäste in unseren Sitzungen dabei und Marie (Münstermann, Geschäftsführerin des Gremiums,) hat einen total guten Job gemacht.“

Ob sie nach ihrer Amtszeit lokalpolitisch aktiv sein wird, weiß Belinda Tillmanns noch nicht. Sie will sich erst auf ihr anstehendes Abitur konzentrieren. „Wo ich auf jeden Fall aktiv bleiben werde, ist im Klimabündnis und in der Stadtschülervertretung.“ Den neuen Jugendrat, wird sie aus der Nähe beobachten, schließlich bleiben einige angestoßene Projekte, die Graffiti-Wand oder ein gewünschter Skaterpark, offen. „Ich will sehen, was die Neuen daraus machen.“