Remscheid: Interview mit dem LTV-Vorsitzenden Jörg M. Adams

Interview Jörg M. Adams : „Kooperationen dürfen kein Tabu sein“

150 Jahre Lüttringhauser Turnverein: Der Vorsitzende wirft einen Blick zurück – und nach vorne.

Der LTV feierte vergangene Woche sein 150-jähriges Jubiläum. Wenn Sie zurückblicken, welche Ereignisse sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Adams Sicherlich sind die Jubiläen als wichtiges Ereignis zu nennen. 150 Jahre mit allen Höhen und Tiefen der gesellschaftlichen Entwicklung als Turnverein mitzuerleben, ist sehr interessant. Der LTV konnte viele Erfolge feiern. Seien es die Schwimmer, die Judoka oder die Handballer in der jüngeren Vergangenheit mit dem Verbandsligaaufstieg unserer Damenmannschaft. Darauf können wir stolz sein, aber wir sollten uns nicht darauf ausruhen.

In ihren Reihen haben Sie viele langjährige Mitglieder. Was macht den LTV überhaupt aus?

Adams Wir bezeichnen uns selbst als „Dorfverein“ und das ist nur positiv gemeint. Der LTV ist fest verankert in Lüttringhausen. Deswegen haben wir das Jubiläum auch mitten „em Dorp“ gefeiert.

Warum haben Sie sich nach über 20 Jahren im Verein in den Vorstand wählen lassen? Was waren Ihre Ziele?

Adams Vier Jahre lang war der LTV ohne ersten Vorsitzenden. Als dann auch noch ein zweiter Vorsitzender aus gesundheitlichen Gründen sein Amt Ende 2014 abgab, haben Frank Hackländer, Sönke Görke und ich uns entschlossen, aktiv im Vorstand mitzuarbeiten und die verbliebenen Vorstandsmitglieder zu unterstützen.

Wie hat sich der Verein unter Ihrer Führung entwickelt?

Adams Wir haben den Verein in den letzten Jahren finanziell auf gesunde Füße gestellt. Ohne ein gesundes Fundament ist ein Sportverein unserer Größe – wir zählen derzeit rund 900 Mitglieder – nicht überlebensfähig.

Welche Sportarten sind gefragt, welche verlieren an Bedeutung?

Adams Alle Sportarten sind vom allgemein festzustellenden Mitgliederschwund betroffen. Nach wie vor sind die Handballer die stärkste Abteilung. Aber auch diese hat mit dem veränderten Freizeitverhalten zu kämpfen.

Wie sehen die Hallenzeiten aus? Welche Sportstätten nutzen Sie?

Adams Über die uns zur Verfügung gestellten Hallenzeiten können wir uns im Großen und Ganzen nicht beschweren. Natürlich stoßen wir unter anderem beim Schwimmen an unsere Grenzen, aber die vorhandenen Kapazitäten können wir leider ohne weiteres nicht ändern. Die Sportstätten, die wir nutzen,  sind das Sportbad, dort wird Schwimmen und Wasserball betrieben, die Sporthalle Lüttringhausen, wo Handball, Kampfsport und Turnen angeboten werden. Dann nutzen wir auch die Adolf-Clarenbach-Schule für Handball, Turnen und den Freizeitsport sowie die Halle am Jahnplatz und die Halle am Dachsweg fürs Turnen und das „SPOZ“ (Sportzentrum Lüttringhausen, Remscheider Straße 150) für Indoor Cycling, Aerobic und Kampfsport.

Viele Vereine beklagen den Mangel an Nachwuchs, an Fachkräften und Übungsleiter. Immer weniger Leute wollen sich lange binden oder geschweige denn in einem Verein aktiv mitarbeiten. Sind das die Herausforderungen, die sich ein traditioneller Sportverein wie der LTV in der heutigen Zeit stellen muss?

Adams Mit diesem Problem stehen wir nicht alleine da. Die Kinder und Jugendliche kommen später aus der Schule – Stichwort Offener Ganztag –, und die Übungsleiter stehen auch nicht mehr am frühen Nachmittag so zur Verfügung, wie noch in früheren Zeiten. Eine solche Feier wie am vergangenen Wochenende hätten wir ohne fremde Hilfe ja auch nicht ohne Weiteres stemmen können.

Wie begegnen Sie diesen Herausforderungen beim Lüttringhauser TV?

Adams Die Werbung für den Verein werden wir intensivieren müssen und auch unsere Netzwerke verstärken. Zudem darf das Thema Kooperation in der Zukunft kein Tabu bleiben.

Ein Blick in die Zukunft: Wo sehen sie den Lüttringhauser TV in den kommenden 150 Jahren?

Adams Die Vereinswelt wird sich schon in den kommenden Jahren verändern. Das ist bereits jetzt zu sehen. Darauf wird sich nicht nur der LTV einstellen müssen. Aber die Verankerung in Lüttringhausen wird bestehen bleiben.

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