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Remscheid: In der Trauer ist Nähe verboten

Bestattungen in Remscheid : In der Trauer ist Nähe verboten

Die Remscheider Bestatter müssen aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie viele Auflagen erfüllen. Manche Trauernde protestieren lautstark.

Die Fristen sind verlängert, die Kirchengemeinden kulanter geworden: Die anhaltende Corona-Krise sorgt für einen Umbruch im Bestattungswesen. Einerseits geht es darum, Menschen, die mit oder an Covid-19 gestorben sind, möglichst schnell unter die Erde zu bringen, andererseits verschieben sich viele Beerdigungen.

„Denn es sterben ja auch Menschen ohne Corona, und die – es klingt makaber, ich weiß – müssen warten“, sagt Holger Reichenbach, Bestatter aus Lennep und Vorsitzender der organisierten Remscheider Bestatter. Das und weitere Maßnahmen in der Pandemie-Bekämpfung sorgen mitunter für reichlich Zündstoff in Remscheid.

Eigentlich sollen Verstorbene innerhalb von zehn Tagen bestattet werden. „Aber das ist im Moment nicht immer möglich. Denken Sie einmal an eine Familie, die einen Verstorbenen beerdigen will und wegen des Coronavirus in Quarantäne ist. Da kann sich alles um zwei Wochen verzögern“, sagt Holger Reichenbach. Auch die Fristen für Urnenbestattungen wurden geändert. „Im Vorfeld von Corona war die Frist sechs Wochen. Jetzt soll die Urne innerhalb eines Vierteljahres beigesetzt werden“, erklärt Reichenbach.

14 Friedhöfe gibt es insgesamt in der Seestadt auf dem Berge. Am Grab und während der Trauerfeier sind dort nur noch wenige Gäste erlaubt. Den Angehörigen wird die Zahl der maximal zugelassenen Trauergäste mitgeteilt. In Lüttringhausen dürfen es 25 sein. Sie müssen sich vor der Trauerfeier in eine sogenannte Coronaliste eintragen. „Sind die avisierten Gäste alle vor Ort, wird die Kapelle zugesperrt und niemand kann mehr hinein“, berichtet Holger Reichenbach von den Abläufen.

Das Vorgehen hat schon zu lautstarken Protesten von Trauernden geführt, die nicht angemeldet und deshalb abgewiesen worden waren. „Aber wir hier in Remscheid sind ja noch großzügig. Ich weiß von anderen Städten in Nordrhein-Westfalen, in denen die Gästezahl auf fünf bis zehn begrenzt ist“, berichtet Holger Reichenbach.

Während der Trauerfeier ist das Tragen einer Mund-Nasen-Maske vorgeschrieben. Das gilt übrigens für alle Friedhofsbesuche. „Es ist augenblicklich nicht möglich, dass sich die Trauernden vom Verstorbenen am Sarg verabschieden“, sagt der Remscheider Bestatter. Auch das ist der Corona-Pandemie geschuldet.

Für die Bestatter ist unterdessen auch der bürokratische Aufwand mit Corona gestiegen. Dazu gehören besondere Regeln für die Bestattung von Menschen, die an oder mit einer Covid-19-Infektion gestorben sind. „Die Beerdigung von Corona-Verstorbenen geht vor“, erklärt Holger Reichenbach. Dem Sarg ist ein deutlich sichtbares Schreiben in Din-A4-Größe beizufügen, auf dem steht: „Achtung! Coronavirus – Sarg nicht öffnen!“

Knapp ein Drittel der 32 offiziellen Remscheider Corona-Toten hat der Lenneper Bestatter beigesetzt. Zur Zeit rät Holger Reichenbach zur Feuerbestattung, wenngleich er auch weiß: „Manche Hinterbliebene sind in ihrem Glauben verwurzelt, in dem es heißt: ‚Die Auferstehung des Fleisches . . .“ Deshalb halten sie auch an der klassischen Sargbestattung fest.

Geändert hat sich durch die Corona-Krise aber nicht nur der Verlauf und die Art der Bestattung. Auch die Wahl des Friedhofs ist leichter geworden. „Die Remscheider Kirchengemeinden, die für die Friedhöfe verantwortlich sind, handhaben das heute sehr kulant und lassen auf ihrem Friedhof auch Menschen beerdigen, die nicht der jeweiligen Konfession angehören. Früher war das undenkbar“, weiß Holger Reichenbach. „Aber das hat sich deutlich gelockert, auch durch die zahlreichen Kirchenaustritte“, ergänzt er.