Remscheid: Immer noch Streit am Jahnplatz

Ärger in Lüttringhausen : Immer noch Streit am Jahnplatz

Das neue Ballfangnetz am Jahnplatz erfüllt zwar seinen Zweck, Frieden zwischen Anwohnern und Stadt herrscht aber trotzdem nicht.

Ruhig ist es geworden um den Ballstreit am Lüttringhauser Jahnplatz. Das will auch Anwohnerin Bettina Hülsenbeck nicht bestreiten. Seit der Fertigstellung des zwölf Meter hohen Ballfangnetzes Ende Februar 2019 seien keine Bälle mehr auf dem angrenzenden Grundstück ihrer Familie an der Remscheider Straße gelandet. Ende gut, alles gut also?

Das bleibt eine Frage der Perspektive. Für Martin Sternkopf, Leiter des Sportamtes, ist es das zumindest weitgehend. „Seitdem der Zaun steht, habe ich nichts mehr von Bällen gehört“, ist Sternkopf froh, dass die Maßnahme, die den Steuerzahler immerhin 81.000 Euro gekostet hat, offenbar den gewünschten Effekt gebracht hat.

Zu dieser war die Stadt gezwungen gewesen, nachdem jahrelang Fußbälle vom nahe gelegenen Sportplatz auf das Grundstück der Familie Hülsenbeck geflogen waren. Der bis dahin acht Meter hohe Zaun reichte nicht aus, um verunglückte Torschüsse abzufangen. Die Bälle und Freizeitkicker, die ihre runden Spielgeräte zurückholen wollten, hinterließen Spuren: unter anderem am Dach eines Carports, an Schiefern und am Auto der Familie. Irgendwann drohten Hülsenbecks mit einer Klage, an deren Ende – auch aus Sicht der Rechtsabteilung der Stadt – die Schließung des Jahnplatzes hätte stehen können.

Mit dem vier Meter höheren Ballfangnetz ist diese Gefahr vorerst gebannt. Zufrieden ist Bettina Hülsenbeck aber nicht. Ihr Vorwurf: Die Stadt halte sich nicht an Absprachen. Zum einen bleibe die Familie bislang auf den Schäden, deren Beseitigung Hülsenbeck zufolge einen fünfstelligen Betrag kostet, sitzen. „Unser Rechtsanwalt hat die Stadt deshalb noch einmal angeschrieben“, berichtet die Betroffene.

Sie als Nachbarn des Jahnplatzes könnten nichts dafür, dass die Stadt lange Zeit nichts getan habe, um die Bälle abzufangen. Da sei es nicht fair, wenn sie jetzt für die dadurch entstandenen Schäden aufkommen müssten.

Zum anderen sei mit der Stadt und dem FC Remscheid, der den Jahnplatz als Trainings- und Spielstätte nutzt, vereinbart worden, dass Bälle markiert würden und man die Familie über den Trainingsbetrieb informiere. Nur so sei im Falle eines Falles nachvollziehbar, wer für eventuelle weitere Schäden verantwortlich ist. „Wir erwarten ja gar nicht, dass gar kein Ball mehr über den Zaun fliegt. Aber wenn es passiert, wollen wir nachweisen können, von wem er kommt“, erklärt Hülsenbeck.

Auch auf die Frage des Emissionsschutzes gebe es bislang noch keine Antwort von der Stadt. „Wer nicht hier wohnt, kann sich nicht vorstellen, wie es ist, den ganzen Tag den Lärm vom Fußballplatz hören zu müssen“, wirbt Hülsenbeck auch ein Stück weit um Verständnis. Im Laufe des Streits sei ihr vorgeworfen worden, die Situation zu dramatisieren.

Doch auch außerhalb des regulären Trainings- und Spielbetriebs beobachte sie immer wieder Personen, die sich unbefugt auf der Sportplatzfläche aufhalten. „Wenn ich das bei der Stadt melde, wird gesagt, dass es sich dabei um Hausfriedensbruch handelt und ich die Polizei rufen soll“, sagt Hülsenbeck. Das aber sieht sie nicht als ihre, sondern als Aufgabe der Stadt an. „Wir wollen den Kindern nicht den Spaß nehmen, sondern nur in Frieden neben und mit dem Platz leben. Aber dafür müssen die Regeln, die es für den Platz gibt, auch durchgesetzt werden.“

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